Mike Nicol: Bad Cop

P1020113Was hat sich geändert gegenüber dem südafrikanischen Apartheid-System, nachdem der ANC 1994 das alte System außer Kraft gesetzt hat und seitdem die regierende Partei ist?

In krimineller Hinsicht nicht viel, wenn wir Mike Nicol folgen, wie er in „Of Cops and Robbers“, einem Kapstadt-Thriller mit deutschen Titel „Bad Cop“, schreibt.

Eine Todesschwadron im Auftrag von ganz oben, wobei „ganz oben“ sowohl die Regierung ist als auch Personen, die von dort Aufträge im eigenen Interesse erteilen, killt im letzten Viertel des vergangenen Jahrhunderts bis zur politischen Wende Südafrikas Personen, die sich dem damaligen System oder privaten Interessen, die gesteuert werden von krimineller Energie, widersetzen.

Die Arbeit der Todesschwadron mit zunächst nicht bekannten Auftraggebern wird kapitelweise in eine Handlung, die in der Gegenwart spielt, eingebaut.

Heute sind es ein Surfer, Fish genannt, mittelloser Lebenskünstler und Privatdetektiv, und seine Freundin, die Anwältin Vicky, die im Mittelpunkt der Handlung stehen.

Und bald erfährt man, viel kann sich seit 1994 doch nicht geändert haben. Abgesehen von den kleinen und mittleren Ganoven gibt es sie noch, Drahtzieher, die Kapitalverbrechen steuern und sich sicher sind, dass sie und ihr Handeln von „ganz oben“ gedeckt, teilweise gar unterstützt wird.

Zwar ist der korrupte Polizeipräsident nit den Verbindungen nach „ganz oben“ inzwischen zurückgetreten, am großen Geschäft ist er dennoch weiterhin beteiligt. Die Mitglieder der Todesschwadron von damals erhalten dagegen klare Botschaften, mit denen angekündigt wird, dass sie für ihre alten Taten zur Rechenschaft gezogen werden sollen. Da hilft es nichts, wenn die ehemaligen Mörder ein biederes, zurückgezogenes Leben führen. Die Kugel erreicht jeden einzelnen. Daran kann auch Fish nichts ändern, der erkennen muss, dass er genau wie Vicky vieles nicht weiß, was sich damals abgespielt hat. Sie werden Werkzeug des alten oder neuen Netzwerkes – und das ist nicht gut, denn immer gibt es Leute, denen nicht passt, was Fish und Vicky dabei erfahren. Über Millionengeschäfte und Korruption, die Arbeit der Todesschwadron und die Tricks deren Auftraggeber.

Und getrickst wird immer noch – angeblich handelt es sich um wahre Begebenheiten, die Mike Nicol in Form eines Thrillers beschreibt.

Die Antwort auf die eingangs formulierte Frage ist daher: Es scheint sich nicht viel geändert zu haben in Südafrika, jedenfalls nicht in Bezug auf die organisierte Kriminalität, nur ein Teil des Personals hat gewechselt.

So schließt sich Bad Cop an die Thriller an, die wir von Mike Nicol kennen, die Trilogie mit payback, killer country und black heart , die Welt, die auch Deon Meyer u.a. mit Cobra und Dreizehn Stunden beschreibt.

Eine harte und ungerechte Welt, in der nur wenig Platz ist für ein normales Leben. In der Realität ein Bild ohne große Hoffnung, für Thriller-Fans eine höchst interessante Welt.

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Originaltitel: Of Cops and Robbers (Südafrika 2013), dt. 2015 (Übersetzung: Mechthild Barth)

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3 Antworten zu Mike Nicol: Bad Cop

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