Roland Stark: Der wilde Duft des Todes

P1020200Es ist eine mysteriöse Geschichte: Sterneköchin Lea wird bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt, verliert dabei ihr Gedächtnis. Ihr Mann verschwindet etwa zur gleichen Zeit. Seine Leiche taucht wenige Tage später auf. Enthauptet.

Als Lea im Krankenhaus allmählich aus dem Koma erwacht, fehlt ihr zunächst jede Erinnerung an ihr Leben. Immer wieder wird sie zunächst von Albträumen geplagt. Ereignisse aus ihrer Kindheit tauchen wieder auf. Zuordnen kann sie diese nicht. Sie erinnert sich an Gerüchte, Düfte von Parfums, ordnet sie Personen zu, die sie besuchen.

Währenddessen sucht Kommissar Mayfeld nach dem verschwundenen Ehemann, einem Anwalt, über den niemand viel weiß. Und niemand scheint ein Interesse zu haben, dem Kommissar die Wahrheit zu sagen, selbst dann nicht als die enthauptete Leiche gefunden ist.

Roland Stark lässt nicht nur Mayfeld im Rheingauer familiären Umfeld der Familie der Sterneköchin herumstochern, sondern auch seine Leser spekulieren, was denn in Leas Kindheit an Traumatischem passiert ist und was dazu führte, dass sie mit ihrem Jaguar E-Type von der kurvigen Straße abkam. Der Tod des Ehemanns scheint nur ein Nebenprodukt des Falles zu sein.

Exif_JPEG_PICTUREEin Nebenprodukt ist auch die Schilderung des Nicht-nur-Kommissars sondern auch Heimatforschers, wenn er – phasenweise in den Krimi eingebunden – die Geschichte der Kurfürstlichen Burg zu Eltville und deren Bewohner erzählt. Diese Ausflüge haben zwar keine Relevanz für die Lösung des Falles, für Rheingauer Leser und auch Freunde dieser herrlichen Weinlandschaft am Mittelrhein mit vielem Riesling und alten Burgen mag dieser Part jedoch Ausdruck für die Liebe des Autors zu Eltville und dem Rheingau sein.

Anders ist es nicht zu verstehen, dass dann noch einmal über die Geschichte des Rheingaus und der Eltviller Burg im Mittelalter referiert wird. Und dann sind da noch Rezepte in einem weiteren Anhang von Speisen, an die sich die Sterneköchin während ihrer Tage unter abschwächender retrograder Amnesie erinnert – von einer einfachen Mascarponecreme mit Quittengelee bis hin zu Lammrücken mit Cassisartischocken. Kulinarische Tipps, wie es ein Aufkleber auf dem Cover ausdrückt.

Durch all diese Nebensächlichkeiten besteht die Gefahr, das Wesentliche des Krimis aus den Augen zu verlieren: Das Schicksal von Lea, deren verschwommenes Bild ihrer Kindheit, die Aufarbeitung der verdrängten frühen und nahen Vergangenheit in einer sehr schwierigen psychischen Situation. Aber damit kennt sich der Autor als praktizierender Psychotherapeut bestens aus.

Und so gelingt es Roland Stark, die Geschichte von Lea, die den wilden Duft des Todes erkennt, auf packende Weise zu erzählen.

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Erschienen im Emons Verlag 2014

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