Mike Nicol, Fish und Arme Ritter

As we all know crime fiction is less about the violence and gore and more about what the characters eat and drink and how they dress and what cars they drive. So beginnt ein Post mit dem Titel French Toast and Poor Knights von Mike Nicol, einem der bekanntesten südafrikanischen Thriller-Autoren, auf dessen Blog Crime Beat. Nett formuliert, strotzend vor Ironie.

Ehrenwerter Herr Nicol, werte Leserschaft, ich bekenne mich schuldig, Anlass zu diesem Post gegeben zu haben.

Und das kam so:

Als begeisterter Leser von Nicols Kapstadt-Thrillern war mir beim Lesen seines neusten Werkes Bad Cop eine völlig unbedeutende Nebensächlichkeit aufgefallen. Die fiktive  Hauptperson, Surfer und Privatdetektiv Fish, die gelegentlich in Muizenberg im  – real existierenden – Café Knead abhängt, frühstückt dort mehrmals Arme Ritter. Diese habe ich als sehr einfache Speise  aus altbackenen Brötchen oder Weißbrotscheiben in Erinnerung. In meiner Kindheit habe ich mich davor gegraust, wenn Tante Mariechen aus Peine mit dem Zug zu uns zu Besuch kam und meinte, die Familie zum nachmittäglichen Kaffetrinken mit diesen unappetitlich aussehenden, eklig schmeckenden Kaffeestückchen beglücken zu können. Das ist inzwischen 60 Jahre her und mit Beginn des Wirtschaftswunders verschwanden die Armen Ritter von deutschen Kaffeetafeln, auch von unserer.

Nun begegnete ich ihnen wieder in diesem Thriller, der in Kapstadt spielt. Grund für mich, Autor Mike Nicol zu fragen, ob denn derartige Teile bei Knead in seinen Bakery Cafes angeboten werden.

Kann ja sein, dachte ich. So rein historisch bedingt. Die Armen Ritter sind mit den niederländischen oder deutschen Einwanderern nach Südafrika gelangt.

Aus dieser einfachen Frage entwickelte sich eine ausgiebige Konversation mit Mike Nicol, der zunächst mit dem Begriff Arme Ritter nichts anzufangen wusste. Mir wurde klar, dass sich mit der Übersetzung aus dem südafrikanischen Englisch ins Deutsche durchaus auch die Speisen und Getränke ändern können. Aber so war es nicht. Mike kam dann zurück mit French Toast und der Erklärung, dass dies bei Knead ein tolles Frühstück wäre. Naja, French Toast, hätte ich auch drauf kommen können.

Knead beschreibt auf seiner Homepage die dortige Variante so: „Try our brioche French toast with pan roasted seasonal fruit, organic honey and Yoghurt. Or opt for the full monty: bacon, scrambled egg and roast field mushrooms . You can be 100% sure that a Knead breakfast will hit the spot.“

Mike Nicol schreibt mir dazu: „I love it, but don’t eat it all that often.“ Scheint auf seine Figur zu achten, der Autor. Diese Art der Armen Ritter mit all dem Pipapo, den Knead dazu serviert, die würde mir auch schmecken. Ich muss da wohl mal vorbei fahren. Vielleicht treffe ich dort auf Fish, wenn er bei Knead mit Vicky abhängt. Aber vielleicht auch nicht, denn Mike Nicol schreibt in seinem Post, dass Fish wohl demnächst (ich vermute in einem Folgethriller) nebenan im neu eröffneten Tiger’s Milk, einem  really zooty place (so Mike Nicol) den Blick auf die Wellen vor Muizenberg genießen wird.

Egal was Fish dort isst oder trinkt, ich weiß jetzt Bescheid, was da so in Südafrika gefrühstückt wird. Weiß nach ausgiebigem Googeln auch, dass die Armen Ritter bereits bei den alten Römern in ähnlicher Form bekannt waren. In Deutschland sind Rezepte für diese Backware erstmals im 14. Jahrhundert beschrieben. Jacob und Wilhelm Grimm haben sie dann im Deutschen Wörterbuch vor rund 150 Jahren erwähnt.

Ich sag‘ ja immer: Krimi-Lesen bildet, oder etwa nicht?

(Außerdem habe ich nun mein Arme-Ritter-Trauma überwunden. Ich ersetze das Wort jetzt in meinen Gedanken durch French Toast)

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Und – lieber Mike – jetzt weiß ich auch, dass die Perana Performance Group tolle Autos baut. Ich beneide Fish, dass er so einen röhrenden Schlitten fährt. (Wahrscheinlich hast du ihn aber mit einem von Perana aufgemotzten uralten Ford Capri ausgestattet.) Aber das ist nicht der einzige Eindruck neben French Toast, den ich von deinem tollen Kapstadt-Thriller zurück behalten habe. Cheers, Philipp

Datei:Zagato Perana Z One.jpg

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4 Antworten zu Mike Nicol, Fish und Arme Ritter

  1. meikesbuntewelt schreibt:

    Ich fühle mich geehrt, den German Krimi-Guru persönlich zu kennen 🙂

  2. Mike Nicol schreibt:

    Brilliant. The Perana link was inspired, although I fear that Fish can only aspire to this model. Too classy for him.

  3. Nora schreibt:

    Armer Ritter kenne ich auch noch, dabei ist es bei mir erst 25 Jahre her, dass ich damit in Berührung kam. Bei einer Nachbarin wurde Armer Ritter aus Graubrotscheiben gemacht, gewälzt in Ei und Milch, ausgebacken in Fett. Diese Familie musste tatsächlich gut haushalten, weil die alleinerziehende Mutter damals drei leibliche und drei Pflegekinder hatte. Durch deinen Artikel musste ich gerade an diese Zeit zurückdenken. Es war nicht die schönste Zeit, doch Armer Ritter mochte ich gern.

  4. Dunkles Schaf schreibt:

    Ein toller Beitrag und ich schmunzle immer noch. Bei uns zu Hause gab es nie Arme Ritter, aber ich könnte ja mal welche machen. Hab grad Lust darauf bekommen… 😉

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