Gregor Weber: Asphaltseele

img_1033Es ist recht gewagt, wenn der Verlag Autor und Buch mit den Worten „Gregor Weber läutet die Renaissance des deutschen Noir ein“ vorstellt.

Zunächst gebärt Gregor Weber den Kommissar Ruben Rubeck, einen „hardboiled“ Kommissar wie er bereits zig Mal beschrieben wurde: Einsamer Wolf, geschieden, säuft wie ein Loch, raucht wie ein Schlot, weitgehend verkommen,  wenig Wert legend auf sein Äußeres, sich nicht immer legaler Methoden bedienend, von Vorgesetzten wegen toller Aufklärungsrate geduldet, mit gestörtem Verhältnis zu den meisten seiner Kollegen und zur Gesellschaft sowieso – sieht man von seiner Lieblingskneipe samt lebendem und totem Inventar sowie seiner Lieblingsnutte einmal ab.

Pointiert wird die Gestalt dadurch, dass sie in Frankfurts Rotlichtviertel am Hauptbahnhof arbeitet und wohnt, ohne Perspektive auf eine Beförderung und immer noch mit dem simplen Dienstgrad eines Kommissars ausgestattet. Aber das ist dem Ruben schnurz, er geht seinen Weg im Dienst, im Alkohol-Rausch und Roth Händle-Nebel zu Hause und in der Stammkneipe „Schlabbekicker“.

Und nach so einer Session im Schlabbekicker, die Knarre im Holster unter einer Schimanskiparka immer dabei, gerät er in eine Schießerei und erwischt dabei einen kriminellen Kosovaren, der auf „Geschäftsreise“ in Frankfurt ist. Der Kerl wird zunächst auf die Intensivstation eines Krankenhauses verfrachtet. Damit ist zunächst das wesentliche Ereignis erzählt und Ruben Rubeck kann sich wieder in seine Betrachtungen über sich selbst und die Welt zurückziehen. Parallel dazu erfahren wir von einem Einsatz einer deutschen Elitetruppe in Priština während des Kosovokrieges 1999. Einer der Beteiligten war Rubeck, damals als Soldat der Bundeswehr im Einsatz. Berherzt und im derben (sprachlichen) Umgang miteinander geht die kleine Einheit gegen einen Kriegsverbrecher vor.

Wie zu erwarten, vereinigt sich der historische Erzählstrang mit dem der Gegenwart. Und Rubeck wird wieder mit reingezogen, erhält einen Auftrag, den nur er, der hardboiled Kommissar, der einsame Wolf,……(weitere Charakteristika bitte oben entnehmen)….erledigen kann – und letztlich – wie es sich bei einem deutschen Noir, der dessen Renaissance einläuten soll – es auch schafft.

Neben diesem überwiegend aber nicht nur klischeehaft gezeichneten Kommissar fällt besonders eine Entwicklung der Ereignisse auf, die zunächst nicht zu erwarten ist. Und diese Wende macht den Thriller spannend, wenn auch erst im letzten Drittel der Asphaltseele. Bis dahin muss man sich überwiegend mit Rubecks Befindlichkeiten und die Szenen in  Priština zufrieden geben.

Eine weniger vollmundige Vorstellung des Thrillers durch den Verlag hätte sicher auch das Interesse für diesen recht passablen Noir geweckt.

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Gregor Weber: Asphaltseele, erschienen 2016 in der Reihe Heyne Hardcore

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Nathan Larson: Zero One Dewey

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„Meist kommt man aus der Kacke nur raus, wenn man mittendurch latscht.“

Die Person, die sich Dewey Decimal nennt, weiß wovon sie redet. Und sie redet rund 300 Seiten, ein Monolog über New York nach den Anschlägen, die die Stadt am Valentinstag vor zwei Jahren größtenteils zerstört und die Bevölkerung zur Hälfte getötet oder vertrieben hat. In diesem Milieu arbeitet Dewey, er weiß nicht so recht für wen, weiß nicht wie lange er noch durchhält. Erledigt Drecksarbeit für einen dubiosen frömmelnden Senator und dessen Hintermänner, erhält dafür zum Überleben wichtige Dinge wie das Desinfektionsmittel PURELL®, ohne das er genau so wenig leben kann wie die Wohlfühlpillen, die er regelmäßig oder bei besonderen Anlässen einwirft. Dewey ist ein armes Schwein, das weiß er, ausgestattet mit künstlichen Körperteilen, im Hinterkopf mit einem Chip versehen, der ihm spezielle Fähigkeiten verleiht. Körperlich und psychich ein Wrack, das zudem noch die meisten Aufträge vergeigt. Wesentliche Erinnerungen aus seinem früheren Leben sind verschwunden, besonders die, die die Begebenheiten an jenem katastrophenbeladenen Valentinstag und seine Rolle dabei betreffen.

Nun bekommt er einen neuen Auftrag in der Stadt, die aufgeteilt ist unter Chinesen, Russen und heimische Verbrechergewächse, die „Gewächse“ als Teil einer Koalition zu denen Saudis, Israelis und ein paar Ex-EU-Mitglieder gehören. Dewey Decimal neue Aufgabe ist, ein saudisches Zwillingspaar, angeblich das Thronfolgerpaar, sicher durch NYC zu geleiten, zu einem nicht näher benannten Ort, an dem sie sich reproduzieren sollen, um den Fortbestand der Dynastie zu gewährleisten. Ein abartiges Projekt, bei dem Dewey eine besondere Rolle spielt, aber sie zunächst nicht erkennt. Da zudem einige Kräfte, das Gelingen des Experiments verhindern wollen, driftet das Grüppchen zu Fuß durch New Yorks nie in Betrieb genommene oder inzwischen stillgelegte U-Bahn-Stollen, dann mit diversen Autos durch das Straßennetz der zerstörten Stadt, durch giftige Dämpfe, vermüllte Straßen, vorbei an Hochhausruinen. Überall tauchen vor Waffen strotzende Gegner auf, die es auf das Thronfolgerpaar und/oder ihren Beschützer abgesehen haben. Gegner, die eliminiert werden müssen, damit das Ziel erreicht werden kann. Zwischendurch wird Dewey von seinem Chip befreit, erfährt über seine Rolle am Valentinstag vor zwei Jahren und er weiß, dass er dieses Abenteuer nicht lebend überstehen wird.

Und trotzdem verspürt Dewey Decimal in dem Moment, da alles endet, Dankbarkeit – läßt er uns am Schluss des Buches wissen. So ist er nun mal (gewesen), unser Held.

Dies ist der dritte Teil einer verrückten Geschichte eines wirr erscheinenden Kämpfers gegen alles, was die skelettierte Stadt mit ihren unterschiedlichen Besatzer und kriminellen Interessengruppen nach den Ereignissen darstellt. Dewey mit seinen Macken mittendrin im Chaos, als Werkzeug des Bösen bei seinen Versuchen ein wenig Gutes auszustrahlen, Böses in Grenzen zu halten, seinen Job zu erledigen. Bei der Übermacht des Bösen ein naives Vorhaben. Gut, dass Dewey nicht nur mit Waffen umgehen kann, sondern oftmals auch mit bitterem Humor die aussichtslos erscheinenden Situationen in seinem Monolog beschreibt.

Zero One Dewey ist eine desillusionierende Geschichte, Dystopie pur. Das zu beschreiben, ist Nathan Larson gelungen.

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Originaltitel: The Immune System (USA, 2015), dt.  2016 (Übersetzung: Andrea Stumpf) erschienen im Polar Verlag

Die Bände 1 und 2 der Trilogie sind bei Diaphanes erschienen:

Band 1:  2/14

Band2: Boogie Man

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Elisabeth Florin: Commissario Pavarotti spielt mit dem Tod

IMG_0894Große Probleme gibt es zunächst im dritten Band der Commissario Pavarotti Reihe. Der Commissario ist nach dem versehentlichen Schuss in den Kopf seiner neugierigen aber äußerst wertvollen Helferin Lissie von Spiegel (nachzulesen in Commissario Pavarotti küsst im Schlaf) suizidgefährdet und Lissie kann sich zunächst an fast nichts mehr außer ihren Namen erinnern. Sie leidet an einer stark ausgeprägten retrograden Amnesie. Es wird ein langer Weg, bis es für die beiden gut endet – soviel sei verraten, gut 360 Seiten, bevor der unglücklich in Lissie verliebte Pavarotti wieder Zugang der Frau findet, die fast durch seine Unentschlossenheit gestorben wäre -.

Aber dieses Hadern mit sich selbst ist nicht Pavarottis einziges Problem. Als in einem abrissreifen Gebäude in einem entlegenen kleinen Dorf oberhalb von Meran die Leiche eines seit vielen Jahren vermissten Kindes gefunden wird, erinnert sich Pavarotti wieder an den alten Fall. Zusammen mit seinem damaligen Chef, einem Alkoholiker, hatte er es nicht geschafft, das Verschwinden des Jungen aufzuklären. Der Commissario weiß, dass er damals einen großen Fehler gemacht hat. Die Eltern des Jungen verkrafteten den Verlust nicht. Der Vater, der zunächst für das Verschwinden verantwortlich gemacht wurde, starb offensichtlich durch Messerstiche seiner Frau. Sie hängte sich danach auf. Obwohl Pavarotti wusste, dass der Vater ein Alibi hatte, zögerte er, diese Erkenntnisse bekannt zu machen. Sein Versagen und eine Mitschuld am Tod des Kindesvaters unterdrückte er seit jener Zeit. Nun muss er den wahren Mörder des Kindes suchen. Unterstützt wird er dabei tatsächlich durch Lissie, mit der er in das Bergdorf fährt. Und dieses Bergdorf ist es, was in Lissie wieder Erinnerungen weckt. Hier war sie irgendwann einmal. FRÜHER wie sie sich ganz schwach erinnert.

Das Dorf selbst ist ein Ort zum Gruseln. Verschlossene, abweisende Bewohner, einige mit eigenartigem Verhalten, nicht ganz richtig im Kopf. Ein Dorf ohne Hunde – und das hat seinen Grund. Ein Dorf, in dem es für Lissie und Pavarotti gefährlich wird. Darin der Commissario mit barschem Verhalten Lissie gegenüber und Lissie, die in ihm nicht den fürsorglichen Freund erkennt.

Es ist ein chaotisches Szenario, in dem sich die beiden bewegen, schwierig das Verhalten zwischen den beiden und noch schwieriger das Verhältnis zum Rest der Welt. Das sind die Menschen in dem Dorf und es sind diejenigen, zu denen Pavarotti eine Fährte nach Meran aufnimmt. Zudem ereignen sich mysteriöse Zwischenfälle, die keinen Personen im Umfeld der alten und neuen Ermittlungen zuzuordnen sind. Aber wie es so bei Pavarotti ist, er kommt der Lösung und Lissie ihrer Vergangenheit immer näher.

Damit beschreibt Elisabeth Florin nicht nur schicksalhafte Episoden im Leben ihrer beiden Protagonisten, sondern auch die dunklen Seiten von Liebe und Hass in dem kleinen Bergdorf. Auch wenn der Kriminalroman in der Gegenwart spielt, so erzählt die Autorin in diesem Buch wiederum ein kleines Stück Südtiroler Geschichte: Die Entstehung des Vernagt-Stausees, der ohne Rücksicht auf die Bewohner des Dorfes Vernagt und ohne deren Befragung in die Landschaft gesetzt wurde, bei dessen Flutung 1957 das Dorf mit Kirche und einigen Gehöften im Wasser verschwand.

Elisabeth Florin weicht in diesem dritten Fall des Commissarios vom Schema eines Whodunit mit Geplänkel zwischen Pavarotti und Lissie unter Einbeziehung früherer historischer Ereignisse in und um Meran ab. In Commissario Pavarotti spielt mit dem Tod geht es um die Aufarbeitung von Fehlern aus der Vergangenheit, den Umgang mit dem Versagen und der Schuld des Kommissars und bei Lissie um die Verarbeitung eines alten Traumas unter Rückkehr in ein Leben in das ein Teil der Erinnerungen wieder zurückkehrt.

Ob nun bei Lissie alles so psychologisch erklärbar ist, spielt keine Rolle. Die spezielle Art, wie Elisabeth Florin diesen Prozess beschreibt, ist bemerkenswert. Hier wird gezeigt, dass die Suche nach Motiv und Mörder nicht auf eine eindimensionale Geschichte beschränkt sein muss. Somit ein interessanter Fall, der zudem durch Pavarottis Umgang mit seiner Vergangenheit und Lissie Schicksal beeindruckt.

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Erschienen: 2016

 

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Don Winslow: A Long Walk up the Water Slide

IMG_0667Ein weiteres (viertes) Mal erhält Neal Carey von den Friends of Family einen Auftrag, bei dem die „Freunde“, Tochtergesellschaft einer angesehenen U.S.-Privatbank, einen ihrer Kunden in einer kritischen Situation helfen wollen.

Neal ist nach seiner dritten Mission in „The High Lonely“ sesshaft geworden, widmet sich seinen großen Lieben – Karen, die er dort kennengelernt hat, und den Romanen des schottisches Autors Tobias Smollett (1721-1771), über die er seine Doktorarbeit verfassen möchte.

Doch dann taucht Dad auf, die Kontaktperson zwischen den Friends of Family und Neal. Mit Dads Erscheinen ist es vorbei mit der Idylle in der verlassenen Gegend Nevadas. Neal Carey soll aus einem aufgetakelten, vulgären Chicken eine feine Dame machen, die dann in einem Prozess gegen ihren ehemaligen Chef, einen bekannten Fernsehmoderatoren, aussagen soll. Dabei geht es um Vergewaltigung. Polly Paget, so der Name der Tussi, zieht zwecks Erziehung und Sprachschulung bei Neal und Karen ein. Damit kommt auch Aufregung und Chaos in das Umfeld des Doktoranden.

Denn Polly zieht Privatermittler, FBI und kriminelle Elemente magnetisch an. Es gibt offenbar Leute, die nicht an der Aussage Pollys im Prozess interessiert sind. Auch die Mafia kommt ins Spiel. Neal merkt schnell, dass es nicht nur darum geht, ob Polly tatsächlich vergewaltigt wurde, sondern dass im Hintergrund eine ganz miese Sache abläuft, die offensichtlich mit anderen Aktivitäten des Fernsehmoderators und dessen Geschäftspartnern aus dem Netzwerk der Mafia zu tun hat.

So entwickelt sich für Neal das bereits aus vorhergehenden Fällen bekannte Katz-und-Maus-Spiel, in diesem 4.Fall jedoch weniger mit Spannung als vielmehr mit einer gehörigen Menge an Komik, mit dem Don Winslow diesen Krimi ausstattet.

Fernab Winslowischer Gepflogenheiten, einen vor Spannung strotzenden Thriller zu präsentieren, erleben wir hier ein Stück, das eher der Kategorie „Comedy“ zuzuordnen ist. Fans des Autors, den Die Welt zum Sonntag als „Der beste Thrillerautor unserer Tage“ bezeichnet hat, wird diese Geschichte, die nach einem langen Weg für Neal auf einer riesigen Wasserrutsche endet, nur gefallen, wenn sie ihre Erwartungen bezüglich der Spannung herunterschrauben und sich an den Comedy-Elementen erfreuen können.

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A Long Walk up the Water Slide ist 2016 in der Übersetzung von Conny Lösch als Taschenbuch bei Suhrkamp erschienen. Das Original wurde 1994 unter demselben Titel in den USA veröffentlicht.

Die anderen Fälle des Neal Carey:

1.Fall: London Undercover

2.Fall: China Girl

3.Fall: Way Down on the High Lonely

5. Fall: Palm Desert

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Ich bestreife – du bestreifst – er, sie, es bestreift….

Heute habe ich ein neues Verb kennengelernt. In Polizeikreisen mag es bekannt und gängig sein, für mich war es neu: „bestreifen“. Es war in einer Gerichtsverhandlung, als das Protokoll zweier POK vorgelesen wurde, und fing an mit den Worten:

„Als wir die ….straße bestreiften, trafen wir auf eine Gruppe, ….“.

Gut, dass die Bestreifenden vor Ort waren, sie konnten zur Aufklärung einer kriminellen Tat beitragen.

Ich bin gespannt, wann ich diesen Begriff zum ersten Mal in einem Krimi lesen werde, wobei das Bestreifen selbst zumeist keine große Spannung verspricht, aber man weiß ja nie…..

…..und gut, dass es Wikipedia gibt. Unter dem Begriff  „Streifendienst“ wird dort dder Zweck der Bestreifung beschrieben.

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Philip Kerr: Die Hand Gottes

IMG_0598DIE HAND GOTTES entspricht den Vorstellungen von Klein-Fritzchen über Fußball – wenn er denn nicht glühender und kritikloser Anhänger von Bayern München, Real Madrid oder anderen dieser nahezu göttlichen oder königlichen Vereine ist.

Die Fußballwelt von Scott Manson, dem fiktiven Trainer des ebenfalls fiktiven Spitzenclub der englischen Premier League, London City, strotzt von Skandalen,  milliardenschweren Clubbesitzern, kriminellen  Funktionären, sensiblen Spielergestalten, brutalen, empathielosen Grätschern und Tretern, arroganten Möchtegernstars und skrupellosen Spielervermittlern. Dazu kommen die unsportlichen Fans und Hooligans, auch die Edelnutten sind nicht fern, um bestechliche Funktionäre zu beglücken und geile Spieler zu befriedigen.

In diesem Umfeld gibt es nur wenige Normalos, einer davon ist Scott Manson. Und dem scheint die Mannschaft zu entgleiten und auch sein Job, als bei einem Qualifikationsspiel der Chamions League in Griechenland einer seiner besten Spieler tot umfällt. Ein Herzinfarkt soll den genialen Spieler umgehauen haben, doch da die Ärzte streiken, kam Hilfe zu spät. Da auch die Pathologen unter ihnen streiken, kann zunächst die Todesursache nicht festgestellt werden. Als zudem noch die Schöne eines Escort-Service tot aus einem Hafenbecken in der Nähe gefischt wird, wird die englische Mannschaft samt Trainer in Athen festgesetzt, denn das Girl war in der Nacht vor dem Tod des Fußballers dessen „Gast“. Die Polizei schließt nicht aus, dass Personen von London City in den Todesfall verwickelt sind.

Keine Hoffnung für Manson bei lässigen, für Fakelaki empfängliche Polizisten und streikenden Pathologen schnell Klarheit über die Todesfälle zu bekommen und Griechenland mit seiner Mannschaft wieder verlassen zu dürfen. Deshalb entscheidet sich der Trainer für zweierlei: Das Rückspiel will er in Griechenland bestreiten und bis sich bis dahin selbst darum kümmern, wie es zu den zwei Todesfällen kommen konnte.

Den Beweis für seine Fähigkeiten als Ermittler hat Scott Manson bereits erbracht. Vor einigen Monaten hatte er den Mord an seinem Vorgänger João Zarco aufgeklärt, unter dem er als Co-Trainer gearbeitet hatte (Philip Kerr: Der Wintertransfer). Und das gelingt ihm auch in diesem Fall.

Philip Kerr beschreibt in diesem Thriller die Machenschaften der Vereinseigner und -bosse sowie von Spielervermittlern und den Fußballakademien in der Dritten Welt und deren Einfluss auf den englischen Fußball mit Verweisen auf die großen Player auf und neben dem Rasen.

Das Geschäft mit dem Fußball und den Spielern in der Welt eines Roman Abramowitsch oder José Mourinho ist die Basis dieses Thrillers und zugleich in der Verknüpfung von realen Ereignissen mit der fiktiven Story der Schwerpunkt des Buches.

Ein faszinierender Einblick und nebenbei ein passabler Thriller mit reichlich schmutzigen Geschäften, bei dem der Thrill um die Tode und deren Aufklärung in den Hintergrund tritt – nicht nur für Klein-Fritzchen.

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Originaltitel: Hand of God (UK 2015), dt.2016 (Übersetzung: Hannes Meyer)

 

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Jesper Stein: Bedrängnis

IMG_0621Skandinavische Kommissare zeichnen sich in Krimis oft dadurch aus, dass sie Melancholiker sind oder saufen oder drogenabhängig oder sexbesessen sind. Zudem bewegen sie sich bei ihren Ermittlungen häufig am Rande der Legalität oder gehen noch ein Stück weiter.

Vizekriminalkommissar Axel Steen von der Kopenhagener Kripo verhält sich partiell untypisch: Er ist kein Melancholiker.

Aber was ist typisch, was untypisch in dieser Gemengelage, von der Jesper Stein seinem dritten Fall für Kommissar Stein erzählt.

Axel Steen ist am Tiefpunkt angelangt, kokst, säuft, lässt sich von einer Stripperin und deren kriminellen Hintermännern linken. Seine Ehe ist Vergangenheit, alle paar Wochen kümmert er sich mehr schlecht als recht um seine Tochter Emma. Die Ex lebt mit seinem Chef und einem Baby aus der neuen Beziehung zusammen. Sie lechzt danach, als Verteidigerin aus dem Sumpf banaler Strafverfahren herauszukommen, endlich einen anspruchsvollen Fall zu übernehmen, und nach erfülltem Sex abseits ihrer festen Beziehung. Ihr neuer Partner fühlt sich bei Beförderungen übergangen und hat noch das Problem, in seiner Mannschaft einen Maulwurf zu haben, der einen Gangsterboss vor jeder Aktion gegen ihn und dessen Vasallen warnt. Vieles deutet darauf hin, dass der häufig Lines ziehende Steen der Maulwurf ist.Und zur Gemengelage gehören neben anderen, die als Maulwurf infrage kommen können, selbstverständlich auch der Drogendealer Moussa und dessen Boss, der Dicke genannt, die große Nummer im Trafficking-Geschäft. Während der Dicke anonym im Hintergrund agiert, will die Kopenhagener Polizei und Staatsanwaltschaft mit oder gegen den dänischen Geheimdienst Moussa zur Strecke bringen, der offenbar einen dreifachen Mord in Auftrag gegeben hat. Allerdings wurde der Auftrag nicht ausgeführt. Axel Steen hatte in dem Fall ermittelt.

Nun wird es chaotisch: Steen wird von Moussa erpresst, soll Informationen zum Vorgehen beim Prozess liefern. Steens Ex-Frau wird dagegen von Moussa als Verteidigerin verpflichtet. Während der völlig verkokste und zugedröhnte Steen der Staatsanwältin als Unterstützung dienen soll, er andererseits aber immer mehr in die Abhängigkeit von Moussa gerät, nimmt die Story eine Wende. Eine Entwicklung beginnt, in der sich ursprüngliche Gemengelage völlig verändert. Dabei wird das Böse nicht gut und das Gute nicht böse. Aber es gibt genug Verwerfungen, die im Showdown dazu führen, dass es mächtig schneit im Staate Dänemark, Axel Steen mittendrin ist und einige Leichen vom Schnee überzogen werden. Der Maulwurf kann sich nicht verkriechen. Und der Dicke? Der hat ein übles Spiel getrieben mit Axel, mit seinen Vasallen – und auch mit mir als Leser.

In Bedrängnis bringt Jesper Stein seinen Helden Vizekriminalkommissar Axel Steen so in Bedrängnis, dass dem Leser angst und bange wird: Axel Steen am Abgrund, dann abgestürzt. Lange Zeit scheint es so zu sein, als wäre dies der letzte Fall, in dem der Kommissar ermittelt – aber eine solch erfolgreiche Reihe wird auch ein Jesper Stein nicht leichtfertig beenden. Anderseits sind einige seiner skandinavischen Kollegen auch nicht mehr aktiv. Wer wissen will, ob es noch einen nächsten Fall für Axel Steen geben kann, der muss sich durch die chaotischen Ereignisse und den spannungsreichen Plot bis zum Ende lesen. Es lohnt sich.

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Originaltitel: Akrash (Dänemark, 2014), dt. 2016 (Übersetzung: Patrick Zöller)

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