Den Gehirnwindungen Ulf Torrecks entnommen

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© Ulf Torreck

Wie ist er nur darauf gekommen? Das frage ich mich ab und zu, wenn ich ein Buch lese und dabei auf ungewöhnliche und kompliziert erscheinende Dinge stoße.

Ich lese und stelle es mir vor.

Eine uralte Kapelle, darin unter der Krypta ein geheimnisvoller weißer Würfel mit einer seltsamen Raumaufteilung und einem Inventar, das furchterregend ist.

Der Autor hat dieses Szenario so beschrieben, dass mir beim Lesen Bilder entstehen, die diesen Horror plastisch zeigen. Literarisch und in Worten gelungen.Wie aber kommt Ulf Torreck zu diesen Bilder. Das schreibt doch kein Mensch so einfach runter!

Ich habe ihn gefragt, wie die verborgene Kapelle und der Inhalt des weißen Würfels entstanden ist. Wollte wissen, ob er sich Skizzen gemacht hat.

Hier die Antwort:

Ich habe davon sicher um die zehn Skizzen gemacht, weil das eines der wirklich schwierigen Teile des Buchs war. Auf die letztliche Anordnung der verborgenen Kapelle und des Würfels bin ich nach vielen Versuchen eines Nachts in Dublin gekommen und habe sie ca. von 3 uhr bis 7 Uhr morgens aufgeschrieben. Per Hand, weil meine Freundin nebenan schlief und ich sie durch das Klackern der Tastatur nicht wecken wollte. Das waren 30 Seiten in einem Blockheft samt Zeichnungen… Aber das war dann der wirkliche Durchbruch mit dem Buch.“

Auf meine Bitte hat mir Ulf Torreck einige Fotos der Skizzen geschickt, aus denen hervorgeht, mit wieviel Fantasie er seine Bilder entwickelt hat. Zusammen mit dem schriftstellerischen Vermögen und Fleiß sowie der sorgfältigen und umfangreichen Recherche ist dabei Fest der Finsternis entstanden, ein historischer Thriller, der im Jahre 1805 in Paris angesiedelt ist. Zum darin vorkommenden Personal zählen Persönlichkeiten aus der Zeit wie Marquis de Sade, der Polizeiminister Fouché und Außenminister Talleyrand. Hauptperson ist Louis Marais, der als Ermittler eine grausame Mordserie aufklären soll und dabei die verborgene Kapelle mit samt deren Inhalt entdeckt.

Und so sieht es im Inneren aus:

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© Ulf Torreck

Fest der Finsternis, ein gelungener Thriller, überaus facettenreich von amüsant über hart und brutal bis satanisch und gar abscheulich, aber immer fesselnd.

Fotos von den Skizzen wurden mir freundlicherweise von Ulf Torreck zur Verfügung gestellt.

Meine Besprechung: hier

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Ulf Torreck: Fest der Finsternis

20170206_175022Paris im Jahre 1805. Das Leben ist kein Zuckerschlecken. Nicht für das gemeine Volk, auch nicht für die feudale Crème de la Crème, die zwar rauschende Feste feiert und sich hinter Masken an den abgefahrenen Theaterstücken des Marquis de Sade, aufgeführt im Asyl von Charenton, ergötzt.

Das Fest der Finsternis spielt in dieser Zeit, als nach der Revolution in Stadt und Staat noch immer Machtkämpfe und Intrigen in Politik und Polizeiapparat an der Tagesordnung sind.

In dieses Szenario kehrt Louis Marais aus Brest zurück. Dorthin war er vom französischen Polizeiminister Joseph Fouché „in die Wüste geschickt“ worden, weil er einige Verbrechen so aufgeklärt hatte, wie es dem korrupten und intriganten Fouché nicht gefallen hatte. Nun holt ihn ebendieser Minister zurück und beauftragt den integeren Marais mit der Aufklärung einer eigenartigen Mordserie. Junge Frauen, die kurz zuvor entbunden hatten, werden verstümmelt aufgefunden, von den Neugeborenen keine Spur. Marais findet auch keine Spur, die zum Mörder führt, ein Motiv ist nicht erkennbar. Einzig ein besonderes Kreuz unbekannter Herkunft in der Vagina der ersten Leiche ist Ausgangspunkt für weitere Recherchen. Hilfe sucht Marais bei Marquis de Sade, jenem durch pornographische und kirchenfeindliche Romane berühmt gewordenen Adeligen, dem er zutraut, sich mit derartigen Praktiken auszukennen oder ihm zumindest weiterhelfen zu können.

Das ungleiche Paar – Marais trotz Verlusts von Frau und Sohn gläubig und zunächst mit Gottvertrauen ausgestattet. Der Marquis, so wie er aus der Geschichte bekannt ist, Gotteslästerer, mit seinen Schriften überall aneckend, mit ausgeprägtem, äußerst variablen Sexualleben – zieht durch den Sumpf von Paris bis in die höchsten Etagen des politischen Lebens, vom Armenhaus und den Gitans über das nobelste Hurenhaus der Stadt bis hin zu Außenminister Talleyrand. Sie treffen auf Personen, die ihnen die Bedeutung des speziellen Kreuzes erklären und kommen auf die Spur eines alten Ritterordens, der inzwischen zu einem Satanisten-Orden mutiert zu sein scheint.

Marais und der Marquis bewegen sich auf diesem Weg zwischen den Fronten der Widersacher Fouché und Talleyrand. Ulf Torreck gibt ihnen jedoch genug Zeit und Gelegenheit, das Paris mit den stinkenden Randbezirken, dem gefährlichen Leben auf der Straße und den erbärmlichen Verhältnissen in denen Arme, Huren, Ausgestoßene wie die Gitans leben, zu durchstreifen. Was sie dabei erleben ist faszinierend wie bestürzend. Ebenso schockieren die Machtspiele und Intrigen der hochrangigen Politiker, die Marais und de Sade zu Spielbällen werden lassen.

Die wahren Verhältnisse des beginnenden 19. Jahrhunderts im Staate Napoleons hat sich Ulf Torreck in umfangreichen langjährigen Recherchen erarbeitet und in großartiger Manier zur Basis dieses Thrillers gemacht. Das Sahnestückchen dieser Recherchen ist die Beschreibung des alternden Marquis de Sade, der mit Chuzpe Marais große Teile des gemeinsamen Weges vorgibt und ebnet. Und neben all dieser auf Recherchen beruhenden Fiktion ist schließlich noch der weiße Würfel hervorzuheben, dessen Inneres das große Geheimnis dieses Thrillers beinhaltet. Ein Geheimnis, das selbstverständlich hier nicht verraten wird. Eine Nacht – so berichtete mir der Autor – hat es gedauert, die Anordnung der Räume, deren Ausstattung und Inhalte auf 30 Seiten in einem Blockheft zu skizzieren. (Gern würde ich eine solche Skizze einmal sehen.) So sind in „Fest der Finsternis“ umfangreiche, sorgfältige Recherchen mit außergewöhnlicher Fantasie verknüpft.

Das Ergebnis ist ein grandioser Thriller, überaus facettenreich von amüsant über hart und brutal bis satanisch und gar abscheulich, aber immer fesselnd.

Statt der Ideale „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ hier Marqius de Sades „Der Mensch ist ein schönes, böses Tier“.

— O —

Fest der Finsternis ist 2017 erschienen. Es ist der erste historische Thriller des Autors, der zuvor unter dem Namen David Gray Kriminalromane wie Kankenblues und Kriminalgeschichten veröffentlicht hat.

Zu Fest der Finsternis gibt es eine „Vorgeschichte“, Vor der Finsternis, die wenige Wochen vor Erscheinen dieses Thrillers als E-Book veröffentlicht wurde.

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Adrian McKinty: Rain Dogs

20170204_142748Kann es sein, dass Ermittler ein zweites Mal in seiner Karriere in einem unnatürlichen Todesfall ermittelt, der innerhalb eines geschlossenen Raums geschah, einem „locked-room-mystery“? Dieser Ermittler wäre DI Sean Duffy, der katholische Bulle im nordirischen Carrickfergus, einer Kleinstadt an der Bucht von Belfast. Duffy zweifelt an dieser Möglichkeit. Dann wäre es Selbstmord. Die tote Journalistin war gerade damit beschäftigt, in einer brisanten Angelegenheit zu recherchieren. Eine Enthüllungsstory, in die hochrangige Mitglieder von Polizei, Justiz und Politik verwickelt zu sein schienen. Über Korruption sowie die Unterstützung oder zumindest Duldung perverser Elemente wollte Sie berichten, nun liegt ihre Leiche eines Morgens im Hof von Carrickfergus Castle, einer Festung, die sicherer nicht sein könnte: umgeben von unüberwindbaren Mauer, mit einem durch ein tonnenschweres Eisengitter gesichertes Tor. Keine geheimen Gänge führen hinein/heraus. Unmöglich ist es für einen Mörder, das gesicherte Castle zur Zeit des Todeszeitpunkts in der Nacht zu betreten und zu verlassen.

Trotzdem weisen Indizien darauf hin, dass die Journalistin ermordet wurde – so sieht es Sean Duffy. Zum Glück hat Duffy in seiner Mannschaft einen jungen Kollegen mit Mathematikstudium, der ihn auf Bayes‘ Theorem hinweist, einen Satz aus der Wahrscheinlichkeitstheorie, nach dem auch Unwahrscheinliches eintreffen kann. Und so geht Duffy seinen Weg zur Lösung dieses „locked-room-mystery“. Flapsig erzählt er seine Geschichte, die im Jahre 1987 spielt, der Zeit der Bombenattentate und Polizistenmorde der IRA in Ulster, als Duffy jedes Mal, bevor er in seinen BMW steigt, unter den Wagen sieht, denn es könnte ein Sprengsatz mit einem Quecksilberzünder drunter sein.

Dieses „Unterm-Auto-nach-Sprengsatz-Suchen“ praktiziert der DI auch, als er frühmorgens in ein Hotel gerufen wird, in dem einem Gast die Brieftasche gestohlen worden sein soll. Der Gast ist der Leiter einer Delegation finnischer Geschäftsleute, die auf Einladung der nordirischen Regierung alte Fabriken anschauen sollen, um in diesen eine Produktion für Handys aufzunehmen. Um Investitionen und Arbeitsplätze geht es. Die Delegation wird von nordirischen Politikern und einem Securitymann begleitet, der sich als ehemaliger Kollege Duffys entpuppt. Im Umfeld dieser Gruppe bewegt sich die Journalistin Lily Bigelow, die offensichtlich für die London Times über den Besuch der potenziellen Investoren berichten soll. Einen Tag später liegt sie dann tot im Hof des Castles, das sie mit der Delegation und den Begleitern besichtigt hatte. Duffys Skepsis am Freitod führt ihn zu einer Einrichtung, in der jugendliche Straftäter sich frei bewegen können und so nach einem skandinavischen Modell nach modernsten Erkenntnisse zur Wiedereingliederung vorbereitet werden. Von dort kommt er in Kontakt mit Jimmy Savile – und dann ist klar, in welche Richtung die Ermittlungen gehen, wie die Art der Enthüllungen sein könnte, die Lily Bigelow veröffentlichen wollte.

An dieser Stelle ein kleiner Einschub: Im Nachwort betont Adrian McKinty, dass die Geschichte, die hier erzählt wird, erfunden ist. Dass sie sich jedoch auf einen Bericht bezieht, den der Autor 2013 über Jimmy Savile, den berühmten Discjockey und Moderator der BBC gelesen hat. Savile wurde nach seinem Tod (2011) vorgeworfen, in Hunderten von Fällen Minderjährige – meist Mädchen – sexuell missbraucht zu haben. Scotland Yard nannte ihn den schlimmsten Sexualverbrecher in der Geschichte des Landes.

Während der Ermittlungen wird ein Kollege Duffys durch einen Sprengsatz zerfetzt. Duffy kann nur knapp zunächst einem und dann einem zweiten Attentat entgehen. Es sind eindeutige Versuche, alle Bemühungen, die zur Aufklärung des Todes der Journalistin führen, zu torpedieren. Doch Duffy lässt sich nicht beirren, kommt hinter die Machenschaften der scheinbaren Biedermänner und hochgeschätzten Persönlichkeiten, die mit Unterstützung der IRA-Paras ihren Gelüsten frönen können. Das Skandalöse daran ist – so schreibt Mc Kinty im Nachwort -, dass Akten über real geschehene Vorfälle, die bereits 1986 in Teilen bekannt wurden, z.B. in einem Jungenheim in Kincora, bei der routinemäßigen Veröffentlichung der Regierungsakten im Jahre 2013 verschwunden waren oder über einen angeblichen Prostitutionsring im Umfeld des Heims erst 2033 geöffnet werden dürfen. McKinty macht eindrucksvoll bewusst, wie das System den sexuellen Missbrauch Minderjähriger in jener Zeit gedeckt hat und offenbar Beteiligte heute noch immer deckt. Aber das ist ja bekanntlich nicht nur ein britisches oder politisches Phänomen.

Rain Dogs, das sind im gleichnamigen Song von Tom Waits die armen Schweine der Gesellschaft. McKinty benutzt diesen Ausdruck in seinem Roman nicht explizit. Dass Mc Kinty unabhängig von den hier Mißbrauchten alle Opfer dieser Verbrechen sind, daran besteht kein Zweifel.

Erstaunlich ist, wie Adrian McKinty aus diesem Locked-Room-Rätsel den Bogen zu Typen wie Jimmy Savile spannt. Es ist nicht nur Spannung, die er damit erzeugt sondern auch Empörung – zurück bleibt dann aber nur die Ohnmacht, die Resignation, denn die „Aufarbeitung“ können wir nicht beschleunigen. Aber abgesehen von unseren unguten Gefühlen: McKintys katholischer Bulle DI Sean Duffy hat mit Beharrlichkeit und unerschrockenem Vorgehen wieder sein Bestes gegeben. Das hat gefallen!

— O —

Originaltitel: Rain Dogs (UK 2015), dt. 2017 (Übersetzung: Peter Torberg)

Rain Dogs ist der 5. Band der Sean-Duffy-Reihe. In Die verlorenen Schwestern mußte Duffy zum ersten Mal ein „locked-room-mystery“ lösen.

Mehr zu Jimmy Savile bei Wikipedia

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Olaf Jahnke: Patientenrache

20170130_150742Zum zweiten Mal ermittelt der Privatdetektiv Roland Bernau in einem Mordfall und kommt dabei der teilweise skandalösen Abwicklung von ärztlichen Behandlungsfehlern durch die Versicherungen auf die Spur. Bernau erlebt, wie Ärzte mit ihren Fehlern umgehen – sei es aus Angst, Überheblichkeit oder anderen Motiven -, wie Krankenhäuser und Versicherungen Regressansprüche von Patienten oder Hinterbliebenen ablehnen oder sich erst nach zähen, langwierigen Verhandlungen und Gerichtsverfahren bereit erklären, Forderungen anzuerkennen. Wie Menschen daran zerbrechen, wie dieses Gebaren neue Krankheiten wie Depressionen erzeugt, bei manchen Leidtragenden auch Wut hervorruft.

Zunächst fängt es in Patientenrache relativ harmlos an: Mitarbeiter der Kommunalen Versicherung, bei denen die Krankenhäuser gegen Behandlungsfehler versichert sind, werden verprügelt. Bernau ermittelt für das Versicherungsunternehmen. Doch dann steigt das Gewaltpotenzial der vermummten Gestalten, die stets mit einem Motorrad unterwegs sind. Es fallen Schüsse, eine Staatsanwältin wird schwer verletzt. Schließlich gerät Bernau selbst ins Visier der Motorradfahrer, die inzwischen Dachlatte und Eisenstange durch Schusswaffen ersetzt haben. Bernau entgeht knapp tödlichen Schüssen und wendet sich notgedrungen einer anderen Tätigkeit zu, da ihm die Versicherung den Auftrag entzieht. So wird er vom Versicherungsboss als Personenschützer angeheuert und die vermummten Motorradfahrer schaffen es bis zum Mord.

Bernau hatte das gesamte Umfeld abgeklappert: ehemalige Patienten, die durch Behandlungsfehler zu Krüppeln wurden, Eltern, die bei der Geburt ihr Kind verloren hatten, Gutachter,  verprügelten Versicherungsmitarbeiter. Alle, die mit der Verursachung sogenannter „Kunstfehlern“ und deren Schadensregulierung zu tun hatten, und mit den Betroffenen.

Und so kommt es dann schließlich in Wiesbadens Straßen zum großen Showdown, mit dem der Krimi jedoch nicht zu Ende geht. Stattdessen folgt noch eine unerwartete Wende mit dem Geständnis Einzelner. Dabei muss Bernau schmerzhaft erkennen, dass es nicht die Wut weniger Personen ist, die sich gegen den skandalösen Umgang mit den Schicksalen der Betroffenen richtet.

Was so scheinbar einfach als Kriminalroman der Whodunit-Katergorie erscheint, schildert fiktiv weitgehend die in der Realität vorkommenden Verhaltensweisen von Ärzten, Krankenhäuser, Versicherungen und den juristischen Institutionen bei der „Abwicklung“ von Schäden an Patienten durch ärztliche Versäumnisse,Verstöße gegen Hygienevorschriften während der Behandlung inklusive der (versuchten) Vertuschung derartiger Ereignisse. Dieses Thema ist der eigentliche Kern und Schwerpunkt von Patientenrache.

Während seiner beruflichen Tätigkeit hat Olaf Jahnke bei Reportagen in diesem Umfeld viel Erfahrungen gesammelt, zudem präzise recherchiert. So befinden sich in diesem Roman immer wieder kritische Passagen, die sich mit den gesundheitspolitischen Themen beschäftigen, besonders natürlich unter dem Aspekt beim Umgang der verschiedenen Player mit medizinischen Schadensfällen. Zudem bringt der Autor Erfahrungen aus seiner politischen Tätigkeit mit ein, zu erkennen auch an den kritischen Worten zur Privatisierung von Krankenhäusern.

So ist dieser Krimi mit seiner spannenden und aufregenden Handlung vor allem Kritik an Teilen des derzeitigen Gesundheitswesen und dessen für manche Patienten fatale Folgen. Mit dieser Verankerung in der Realität ist Olaf Jahnke ein sehr interessanter Roman gelungen.

— O —

Erschienen 2016 im Größenwahn Verlag mit einem kleinen Sachanhang des Autors zu Thema Behandlungsfehler und ein paar Empfehlungen.

Der erste Fall für Roland Bernau: Tod eines Revisors (2014)

 

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Vorschau: Adrian McKinty – Rain Dogs

Der neue Kriminalroman von Adrian McKinty.  Nordirland  im Jahre 1987: „McBains Volvo lag im halben Dorf verstreut herum. Auf dem Dach eines Hauses war deutlich eins seiner Beine zu sehen…..Auf dem Fahrersitz ein von einem Laken verhüllter, kopfloser Körper.“
Harter Tobak, von McKinty -bzw seinem Helden Sean Duffy – beeindruckend erzählt. Eine „looked room mystery“, Mord oder Selbstmord einer Journalistin, die einem großen Skandal auf der Spur war. Mit dabei der damals noch real existierende (inzwischen verstorbene) Discjockey und Moderator der BBC  Jimmy Savile (Wikipedia: Nach seinem Tod gelangten Hunderte von Fällen an die Öffentlichkeit, in denen Savile vorgeworfen wurde, seine Position als Popidol für sexuellen Missbrauch vorwiegend an jungen Mädchen, ausgenutzt zu haben).

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Besprechung demnächst hier

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Jean-Luc Bannalec: Bretonische Flut

img_1084Wenn sich der Krimifan in diesen grauen Tagen nach blauem Meer, noch blauerem Himmel und pittoresken Küstenstädchen in der Bretagne sehnt, ist er bei Jean-Luc Bannalec und dessen Krimis um Kommissar Dupins Fälle an der richtigen Adresse.

Keiner kann die unterschiedlichen Blautöne von Wasser und Himmel nuancierter beschreiben als Bannalec, der uns auch von idyllischen Orten und feinem Essen träumen lässt.

In Dupins fünften Fall stinkt es jedoch zunächst heftig. In den Fischabfällen der Auktionshalle von Douarnenez wird eine Leiche gefunden und Dupin und Mitarbeiter wühlen zwischen den Abfällen, um Beweismittel zu sichern. Bei seinen Ermittlungen trifft das Team auf Umweltaktivisten, die Delphine und Fischbestände vor der Westküste der Bretagne schützen wollen, auf kleine Fischer und industriellen Fischfangflotten, die sich offensichtlich nicht um den Schutz gefährdeter Arten und die Erhaltung der Bestände kümmern. Und wie es seit alters her ist, auch mit Schmuggel und Piraterie  verdienen die Männer in den Booten ihr Geld. Für Dupin und dessen Team ist der Parc Naturel Marin D’Iroise mit den umliegenden Inseln und der Westküste der Bretagne ein riesiges Terrain, auf dem sie sich zu Wasser und zu Lande bewegen, um im Umfeld gegensätzlicher Interessen zwischen gutem Essen und Übelkeit rauer See zu ermitteln. Nur gut , dass es Dupins Sekretärin Nolwenn gibt, die in diesem heterogenen Netzwerk den Überblick behält und Knoten um Knoten knüpft oder aufdröselt, je nachdem, was gerade erforderlich ist, um ihrem Chef behilflich zu sein, den Fall und mit zunehmender Zeit die Fälle zu lösen.

Dass neben den zig „Shades of Blue“ im Wasser und am Himmel, den Aktivisten, kleinen Fischern, der Fischindustrie und allem was die Bretagne ausmacht auch noch die Kelten und deren Mythos wiederum eine Rolle in diesem Krimi spielen, ahnen die Leser recht früh und letztlich ist es das, was den Ex-Pariser Kommissar beschäftigt. Es ist schon ein eigenartiger Landstrich, der seine Bewohner seit Jahrtausenden geprägt hat und zu Gutem wie zu Bösen verleitet.

Jean-Luc Bannalec erreicht auch mit dem fünften Fall, den Kommissar Dupin in dieser Gegend klärt, die Herzen der Bretagne-Liebhaber und nebenbei noch die Gemeinde der Krimifans, die nicht nur auf Spannung sondern auch für ein feines „Ambiente“ schwärmen.

Seit 2012 bietet Jean-Luc Bannalec jährlich ein anderes bretonisches Ambiente:

Künstlerdorf Aven in Bretonische Verhältnisse,

Sagenumwobene Glenaninseln in Bretonische Brandung,

Salzgärten in Bretonisches Gold,

Austernparks in Bretonischer Stolz

Nun also der Parc d’Iroise mit Fischen und all dem, was sich sonst noch darin und darum herum tummelt in Bretonische Flut, 2016 erschienen bei Kiepenheuer & Witsch

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Ross Thomas: Protokoll für eine Entführung

img_6133Der amerikanische Botschafter in Jugoslawien, Amfred Killingsworth, ist entführt worden und nun soll es Philipp St.Ives regeln. Als Mittelsmann zu den Entführern soll er dafür sorgen, dass der Entführte in die USA zurückkehrt und mit ihm ein Literaturnobelpreisträger und dessen Enkelin.

Also wird ein Mittelsmann engagiert und die Regeln werden ausgesetzt. Danach werden die Regeln wieder hergestellt, und das System versucht wieder, die zu fangen oder zu bestrafen, die seine Regeln mißachtet haben.“

Ein verzwickte Aufgabe, zu der St.Ives vom US-Außenministerium in erpresserischer Weise gedrängt wird. Eine eigenartige Konstellation, ist doch der unfreiwillige Mittelsmann in seiner Zeit als Journalist  von dem Entführten geschasst worden, als dieser Chefredakteur einer Zeitung war. Chefredakteur! Unfähig, aber nachdem er die Tochter des Herausgebers geschwängert hatte, von Schwiegervaters Gnaden auf dem Chefsessel gesetzt. Und jetzt? Tito regiert Jugoslawien. Dem Botschafter, auch in dieser Funktion durch Unfähigkeit glänzend, wurden von einem jugoslawischen Ex-Geheimdienstler brisante Geheimnisse anvertraut und Killingsworth hat nichts Besseres zu tun, als  sich in die hübsche Enkelin des in Vergessenheit geratenen Dichters zu verknallen. Um schlimme politische Verwicklungen zu vermeiden, kidnappt ein amerikanischer Geheimdienst im Auftrag des Außenministeriums den eigenen Mann.

St.Ives protokolliert die Aktionen, die er durchführen muss, um den Botschafter aus den Händen der „Entführer“ zu befreien und politische Verwicklungen möglichst zu vermeiden. Mit Spott und Humor erzählt er diese Geschichte, in der St.Ives zum Teil schnell erkennt, welche Interessen Freund und Feind verfolgen, denn dumm ist er nicht. Und so erkennt er auch falsches Spiel und falsche Fährten. Als Ich-Erzähler zeichnet sich St.Ives als Superman, der gern selbst bestimmt, wie die Aktionen ablaufen, und der von sich sagt: „Ich antwortete mit ein paar Lügen, wenn ich musste, und mit der Wahrheit, wenn Lügen sinnlos waren.“ Letztlich kann der Mittelsmann froh sein, als seine Mission zu Ende ist und erkennt, dass er nicht viel mehr als eine Marionette in den Händen des Außenministeriums war – zu dem Zweck, „das System zu beschützen, das uns beschützt“.

Das Protokoll für eine Entführung ist ein Thriller, der nicht von der Verbissenheit der Helden bei der Erfüllung ihrer Mission geprägt ist, sondern von der kritischen Distanz des Helden zu seinem Handeln, dessen Auftraggebern und Widersachern lebt. Das ist Ross Thomas hervorragend mit Philipp St.Ives und dessen Protokoll gelungen.

— O —

Originaltitel: Protocol for a Kidnapping (USA 1971), dt. 2016 als erste vollständige Ausgabe im Alexander Verlag Berlin erschienen. Übersetzt von Wilm W. Elwenspoek, bearbeitet von Jana Frey und Jochen Stremmel.

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