Attica Locke: Bluebird, Bluebird

P1030773Für Durchreisende: Wenn Trostlosigkeit einen Namen hätte, könnte sie „Lark“ heißen, ein fiktives Kaff in Texas. Das einzige was pulst ist der Verkehr auf dem Highway 59.  Trucker, Autofahrer, Biker nehmen von diesem Ort lediglich „Genevas Café“ wahr. Ab und zu kehrt mal einer ein, um einen Happen zu essen, den Durst zu löschen.

Sonst ist der Ort das, was mit „Tote Hose“ bezeichnet werden kann. Auch als in der Nähe des Cafés zwei Morde passieren, ändert sich nicht viel. Darren Mathews, ein schwarzer Texas-Ranger, wird hingeschickt, um zu tun , was in so einem Fall getan werden muss, wenn ein weißes Mädchen, die Kellnerin Missy Dale aus Lark, ermordet wird. Wegen des toten Schwarzen, der vermutlich auf der Durchreise war, wären keine besonderen Aktivitäten gestartet worden. Für Mathews kommt die Luftveränderung zur rechten Zeit: Ärger im privaten Bereich wegen Stress mit seiner Frau, Ärger im Beruf, weil er möglicherweise die Straftat eines Freundes vertuschen wollte, es geht um Mord.

In Lark angekommen, stößt der Texas Ranger Misstrauen, Schweigen, besonders aber auf Rassismus, der durch eine Verbindung zur Aryan Brotherhood of Texas, einer Bande brutaler Rassisten, gestärkt wird. Letzteres vermutet Mathews.

Mathews erkennt, dass es nicht dem gewohnten Drehbuch entspricht, was in Lark geschah: Erst starb der Schwarze, dann das weiße Mädchen.

Attica Locke beschreibt, wie sich die Bewohner dennoch arrangiert haben mit den Gegebenheiten unter denen die einen unter Rassismus leiden, die anderen als Hinterwälder ein karges Auskommen haben. Aber sie lieben ihren Grund und Boden, ihr Land das seit Generationen ihre Heimat ist. Und manchmal sind auch die Grenzen von Schwarz und Weiß verschwommen. Jedenfalls, wenn es die anderen nicht sehen. Oder nicht sehen wollen – bis es dann etwas geschieht, was „das Fass zum überlaufen bringt“. Etwas, dass das fragile Gleichgewicht zerstört.

Diese Situation ist eingetreten. So schildert sie die Autorin, ohne Action, ohne Pathos, sensibel und verständlich. Eine Homage an ländliche Texas aber zugleich mit dem deutlichen Hinweis auf den tief verwurzelten und immer noch vorhandenen Riss zwischen Schwarz und Weiß, der nur oberflächlich verspachtelt ist und immer wieder aufbricht.

Bluebird, Bluebird“, der Titel nach einem Blues von John Lee Hooker, ist das Abbild eines Mikrokosmos, das zeigt: „Die Morde …. waren Rasseverbrechen, was vor allem daran lag, dass Rasse in Lark, Texas, eine so große Rolle spielte, besonders dann, wenn es um unverhoffte Liebe und Familienbande ging. …. Sie waren eine große Familie.“

Attica Locke hat über diese Erkenntnis beeindruckend beschrieben.

— O —

Attica Locke: Bluebird, Bluebird (Originaltitel: Bluebird, Bluebird – Copyright 2017 by Attica Locke), übersetzt von Susanna Mende, herausgegeben von Wolfgang Franßen, erschienen 2019 im Polar Verlag

 

 

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Die Chimäre von Arezzo, Dreifaltigkeit des Bösen, im Mittelpunkt des Krimis von Belinda Vogt: Toskanische Täuschung

IMG_9287Ein feuerspeiender Löwenkopf mit Löwenkörper, aus dessen Rücken ein sterbender Ziegenkopf ragt. Als Löwenschwanz eine Schlange. Unter dieser Statue aus etruskischer Zeit ist ein Toter platziert, der Museumsdirektor, der zur Rückkehr der Chimäre aus Florenz nach Arezzo eine feierliche Ansprache halten wollte. Nun liegt er unter dem Bauch des Chimärenkörpers, als die Statue während eines Festaktes vor den Honoratioren der Stadt und weiteren Gästen enthüllt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll. „Wie konnte es dazu kommen?“, fragt sich der bei diesem Ereignis anwesende Commissario Roberto Fabbri – und er muss lange auf eine Antwort warten. Zusammen mit seinem Kollegen Stefano Rossi macht sich auf den Weg auf der Suche nach Täter und Motiv.

Parallel dazu erfahren wir, dass der der tote Dottore Margoni Patient von Pia Michaelis war, einer deutschen Psychologin, die Patienten im Rahmen ihrer Forschung von Alpträumen befreit und Klartraum-Patienten im Schlaflabor einer Privatklinik behandelt.

Nun ist in Italien bekanntlich nahezu jeder unnatürliche Todesfall darauf  zurückzuführen, dass die Mafia dahintersteckt – jedenfalls in einem Großteil der in Italien angesiedelten üblichen Krimis. Doch dieser Kriminalroman fällt aus dem Rahmen des gängigen Klischees und so trifft der Handlungsstrang mit den Ermittlungen des Commissarios auf die Forschungsarbeit und die Behandlungsmethoden der Psychologin.

Uns das scheint der richtige Weg der Suche nach dem Mörder zu sein, denn ein weiterer Patient Pia Michaelis‘ wird ermordet. Auch hier erkennt Fabbri einen Bezug zur Chimäre. Aber was bedeutet dieser Bezug, zumal die Schlafklinik in der Umgebung „Villa Chimera“ genannt wird. Das vereinfacht die Ermittlungen nicht. Doch in anderer Hinsicht erhält Fabbri die Unterstützung der Psychologin, denn der Kommissar leidet nach dem Unfalltod seiner Frau an Alpträumen. Die Deutsche hilft ihm dabei, sich davon zu befreien.

Dann kommt es zum nächsten tödlichen Zwischenfall eines Schlaflabor-Patienten und allmählich löst sich der Nebel um die Chimäre und die Villa auf. Damit findet die Geschichte der Traumreisenden ein Ende.

Belinda Vogt erzählt in „Toskanische Täuschung“ von dem, wofür das Wort „Chimäre“ steht, von Illusion und Wunschtraum. Geschickt verknüpft sie die Geschichte der etwa 2500 Jahre alten etruskischen Bronzestatue, mit den Ausflügen in die Traumforschung. Über Klarträume und Traumreisende, im Fachjargon Oneironauten genannt, fabuliert die Autorin ebenso kenntnisreich wie über den Mythos der Chimäre von Arezzo. Beides eingfügt in eine spannende Handlung, von der der Leser zunächst nicht ahnt, sich auch nicht im Traum vorstellen könnte, „wohin die Reise geht“.

Wenn auch das Cover in der Art pastellener Fließbandwerke für Arztpraxen, Bankfilialen und italienische Restaurants erscheint, einen behaglichen toskanischen Kuschelkrimi hat Belinda Vogt mit dieser toskanischen Täuschung nicht geschrieben.

Und das ist auch gut so, denn mit dieser Fiktion hebt sie sich ab vom derzeitigen allgemeinen Bretagne-Toskana-Cote d’azur-…-Krimirausch. Als Cover hätte daher eines mit dem Abbild der Chimäre besser gepasst.

Chimäre, nah

© Belinda Vogt

Freundlicherweise hat mir Belinda Vogt ein Foto der Statue, aufgenommen während einer ihrer Recherchen in und um Arezzo, zur Verfügung gestellt, keine Profiaufnahme, aber sie zeigt das, was die Chimäre darstellt: ein Ungeheuer.

— O —

Belinda Vogt: Toskanische Täuschung (erschienen 2019 im Emons-Verlag)

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Josef Wilfling: Geheimnisse der Vernehmungskunst

P1030804In diesem Buch sind leicht modifizierte Referate zusammengefasst, die der Autor an der Beamtenfachhochschulen der bayrischen Polizei gehalten hat, man kann es als „Vorlesungsskript“ in Hardcover-Ausführung ansehen – sachlich, mit einigen wenigen interessanten Beispielen aus langjähriger Ermittlertätigkeit. Gespickt mit Fachbegriffen Kriminalistik und Psychologie, nun für an der Materie Interessierte zugänglich gemacht.

Einerseits soll diese Schrift mit Klischees aufräumen, mit denen Krimis in Filmen und als gedruckte Werke ständig falsche Vorstellungen von der Tätigkeit der Ermittler und Verhörspezialisten zeichnen.

Andererseits sind – so die Meinung des legendären Mordermittlers – aus den Grundmustern der Vernehmung „daraus abgeleitete Taktiken und Techniken …. auch in vielen anderen Bereichen des menschlichen Zusammenlebens anwendbar.“ Als ein Ratgeber zur Lösung familiärer Konflikte oder für schwierige Verhandlungen im Beruf halte ich das Buch dennoch nicht für geeignet, wenngleich einige erwähnte Aspekte wie „Gelassenheit zeigen, statt aggressiv zu sein“ zwar zutreffen, jedoch so trivial sind, dass die Lektüre dieses Buches dazu nicht notwendig erscheint.

Es ist, wie oben bereits erwähnt, eine Zusammenfassung von Referaten in äußerst sachlicher Ausführung mit einer Vielzahl von Fachbegriffen, die auch einem eifrigen Leser von Kriminalliteratur bisher nicht bekannt waren. Personenbeweis, Belastungseifer, Bewältigungsstrategien und formelle Druckkulisse sind Begriffe, die auf nur einer Seite des Buches zu finden sind. Praxisbezogene Beispiele, die die Lehren von Vernehmungen und den Arten der Protokolle beschreiben, sind dagegen verhältnismäßig wenig zu finden. Und wenn der Anhang 1 lautet: „Festlegevernehmung von Zeugen mit Opferbezug“ und Punkt für Punkt auf mehr als fünf Seiten die Vorgehensweise beschrieben wird, lese ich dann doch lieber einen Krimi, auch wenn die Fiktion mit dem einen oder anderen Klischee behaftet ist.

Fazit: Für diejenigen, die in ihrer Polizeiarbeit mit der Thematik des Buches zu tun haben oder haben werden, ist es sicherlich eine Pflichtlektüre. Für Krimiautoren und -autorinnen stelle ich mir das Buch hilfreich vor, die dümmsten Klischees sollten mit dem Wissen vermieden werden können. Freunde der Kriminalliteratur werden hier nichts Spannendes finden, wobei die aufgeführten Beispiele aus Josef Wilflings Erfahrungsschatz interessant aber vom Umfang recht dürftig sind.

— O —

Josef Wilfling: Geheimnisse der Vernehmungskunst (Heyne, 2019)

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„Vom Mann, der auszog, Goethes Italienreise zu widerlegen“: Bernd Köstering – Goethespur (Ein Literaturkrimi)

IMG_9284Eddie war vor vielen Jahren nicht zum Examen angetreten, Taxifahrer geworden. Nun taucht er bei seinem ehemaligen Studienkollegen und damaligen Freund Hendrik Wilmut, einem Literaturdozenten und Goetheforscher, auf und erzählt ihm seinen Plan. Eddie ist überzeugt, dass die Italienreise Johann Wolfgang Goethes vom 3.September 1786 bis Mai 1788 gar nicht stattgefunden haben kann. Versessen darauf, die Hypothese zu beweisen, will er mit seinem Taxi und Hendrik  die von Goethe beschriebene Reiseroute nachreisen und an den entsprechenden Stellen die Ungereimtheiten beweisen. Das Ergebnis möchte er anschließend in einem Buch veröffentlichen.

Das ist – vereinfacht ausgedrückt – der Part „Literatur“ im Literaturkrimi. Zu „Krimi“ gehört, dass auf Eddie während seiner Reise und der Recherchen zweimal ein Attentat verübt wird.

Freunde von Goethes Werk und Leben werden entzückt sein, soviel aus dem Leben des Dichters erwähnt und erzählt zu finden, speziell selbstverständlich dessen „Italienische Reise“. Allerdings sind diese Erinnerungen erst 30 Jahre später von Goethe veröffentlicht worden, was für Eddie allein schon Grund genug ist anzuzweifeln, dass diese Reise tatsächlich stattgefunden hat. Zudem hat der Zweifler herausgefunden, dass Ortsangaben in dem Reisebericht falsch sind und auch sonst vieles fragwürdig erscheint.

Weshalb auf Eddie während der Reise Attentate verübt werden, das kann sich der Taxifahrer nicht erklären, wobei der Part „Krimi“ in diesem vierten, auf Goethe bezogenen Literaturkrimi recht kurz kommt.

Schwerpunkt ist die Auseinandersetzung mit der „Italienischen Reise“, die Bernd Köstering mit feiner Feder verfasst hat und die davon zeugt, dass der Autor sich intensiv mit dem Werk und dem Leben Johann Wolfgang Goethes beschäftigt hat.

Trotz einer zweitrangigen Krimihandlung – Motiv und Täter für die Attentate zu finden – hat der Autor möglicherweise unbewusst einen spannenden Krimi geschrieben, einen über die Suche nach der Wahrheit über Goethes Reise. Und der ist sicherlich nicht nur für wahre Goethe-Jünger spannend und interessant.

— O —

Bernd Köstering: Goethespur, erschienen 2019 im Gmeiner Verlag

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Jung-hyuk Kim – Dein Schatten ist ein Montag

IMG_9282Dongchi Gu lebt in Seoul, hat ein Büro in einer stinkigen, versifften Immobile mit diversen Geschäften, Unternehmungen, auch einem Sportstudio.

Gu arbeitet als Deleter einer sehr speziellen Variante im Berufsfeld „Privatdetektiv“. Die wesentliche Aufgabe besteht darin, legal und weniger legal bisher verborgene „Footprints“ seiner Klienten nach deren Tod zu vernichten. Die Hinterlassenschaften können sich im Netz oder auf Festplatten von Computern befinden, aber auch als Tagebücher in Schränken oder Fotos in den Geldbörsen der Toten versteckt sein.

Deleter ist ein Beruf, zu dem es bisher wenig Information gibt, ein Begriff der es noch nicht in die Lexika geschafft hat, in Google noch nicht tausendfach aufpoppt. Zudem ist die Tätigkeit des Deletens von Material außergewöhnlich – besonders in einem Krimi -, weil sie mit der Frage nach dem Motiv derer verknüpft ist, die zu Lebzeiten den Auftrag dazu erteilen. Und Motive gibt es genug. Peinliches soll von Hinterbliebenen ebenso nicht entdeckt werden wie Kompromittierendes. Es können Tatsachen auftauchen, die den Toten in ein schlechtes Licht rücken , Verfehlungen, Verbrecherisches.

Zuweilen ist es aber auch ganz anders. Im eigentlichen „Hauptfall“ soll Deleter Gu ein Tablet finden und vernichten, das jemanden gehörte, der vom Dach eines Hochhauses „gefallen“ ist. Gu erkennt dabei zu spät, dass es verschiedene Interessengruppen mit unterschiedlichen Motiven gibt, die das Tablet in ihren Besitz bringen oder es vernichtet haben wollen.

Eine vertrackte Geschichte, die zudem gespickt ist mit kuriosen Typen aus der Umgebung Gus, seltsamen Klienten, Feinden und Freunden. Zu Fraktion „Freund“ zählt der ehemalige Kollege, Kriminalinspektor Inchon Kim. Es ist die einzige Person, zu der Dongchi Gu uneingeschränktes Vertrauen hat, mit der er am Fall des verschwundenen Tablets des Toten aus dem „Hauptfall“, bei dem auch geklärt werden soll, ob es Mord oder Selbstmord war.

Dass der Inspektor Gus einziger Vertrauter ist, verwundert nicht, ist doch der Deleter ebenfalls ein komischer Kauz, der im Büro lieber Opernarien in voller Lautstärke aus einer alten Anlage hört, aber nur mono – manchmal auch mitsingt, mehr braucht er nicht -, statt seiner Berufung nachzugehen. Zumeist zeichnet sich Gu anderen gegenüber durch seine schroffe, nahezu abweisende Haltung aus, der seine Besucher in einem schäbigen Klappstuhl Platz nehmen lässt, damit sie nicht zu lange in seinem Büro verweilen.

Es ist ein eigenartiges Völkchen, dass uns Jung-hyuk Kim in diesem Krimi mit dem kryptischen Titel vorstellt. Aber es ist weitgehend liebenswert – die Guten darin auf jeden Fall – auch wenn sie dem Leser von ihrem Verhalten, ihrem Denken und der Ausdrucksweise fremd bleiben. Somit bedeutet „fremd bleiben“ nicht, keine Sympathien für Gu und Genossen zu empfinden. Im Gegenteil. Im Laufe der spannenden Handlung gewinnt man die Bewohner des übel riechenden Gebäudes, in dem Gu residiert, lieb. Erkennt ihre Eigenheiten und Interessen und die Art, ihr nicht mit Reichtum ausgestattetes Leben in einer wenig feinen Gegend Seouls zu leben.

Neben dieser Milieustudie – ob sie authentisch ist oder nicht, spielt keine Rolle – gewinnt die Handlung zum Schluss an Dramatik. Dies ist der zweite Pluspunkt des koreanischen Krimis. Ein Krimi aus einer anderen Welt, eine so noch nie gelesene Geschichte und deshalb einmalig und lesenswert.

— O —

Jung-hyuk Kim: Dein Schatten ist ein Montag

Übersetzt aus dem Koreanischen von Paula Weber

Erschienen 2019 im Cass Verlag

— O —

Bemerkung zum Schluss: Wer mehr über die Handlung erfahren möchte, dem empfehle ich die Besprechung des Buches „DIE DUNKLEN FELLE“:

Und ganz zum Schluss: Kann mir bitte jemand irgendwann einmal die Bedeutung des Titels des Buches erklären?

— O —

Nachtrag: Wie „Dunkles Schaf“ im Kommentar unten anmerkt, stammt der Titel des Buches offensichtlich aus einem (mir unbekannten) Operntext. Zum Verständnis hier jener Text:

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Ein letzter Nachtrag mit dem Versuch, den Titel zu deuten: In der Opernarie heißt es: „Die Schatten der Geheimnisse überfliegen Grenzen und Ozeane.“ Wird der Schatten als Abbildung von Geheimnisse gesehen, so bedeutet das, dass Geheimnisse überall auftauchen können. Der „monotone Montag“ ist ein Tag, der sich in die Länge zieht, nicht zu Ende gehen will, unendlich erscheint. Zusammengefasst in der Arie: „Geheimnis, dessen Schatten sich dehnt wie die Zeit an einem Montag“.

Der Titel bedeutet damit:
Du hast viele Geheimnisse, die auf der ganzen Welt verstreut sind

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Es kommt, wie es kommt: Wallace Stroby – Der Teufel will mehr

IMG_9260Wer Crissa Stone aus einem der vorhergehenden Krimis dieser Reihe kennt, möchte der gewieften Ganovin beim Lesen der ersten Seiten dieses Bandes zurufen: „Crissa, mach es nicht! Irgendein Macho, Dummdödel oder hinterlistiger Kerl wird die Sache vermasseln, es wird mächtig schief gehen und um deinen „gerechten“ Lohn wirst du betrogen!“

Selbstverständlich kommt es so – auf Wallace Stroby ist Verlass -. Dabei fängt alles gut an. Die Berufsverbrecherin muss mal wieder ihre Konten auffüllen, als sie von einem dubiosen Geschäftsmann und Kunstsammler den Job angeboten bekommt, den Inhalt eines LKW mit antiken Schätzen aus dem Ausland einem anderen Zweck zuzuführen, als den vorgesehenen.

Crissa plant, plant wie immer mit größter Sorgfalt die Logistik, stellt wohlüberlegt ein Team zusammen, für dessen Mitglieder scheinbar zuverlässige Partner bürgen. Immer in weiser Voraus- und Vorsicht, denn: „Wer versäumt sich vorzubereiten, bereitet sich vor zu versagen“.

Und trotz guter Vorbereitung passiert es: die Sache läuft aus dem Ruder, aus einem einfachen Raub wird ein Kapitalverbrechen, weil sich einer aus der Crew nicht an Crissas Anweisungen hält. Damit aber nicht genug. Dieser Zwischenfall ist erst der Anfang einer unsäglichen Geschichte, denn nun geht es um die Bezahlung des Jobs. Die einen wollen mehr, die anderen nicht zahlen. Ein Chaos mit brutalen und blutigen Nebenerscheinungen.

Unsere Heldin überlebt – soviel sei verraten – arg lädiert und für ihre Konten gibt es auch nicht den erwarteten Zuwachs. Aber Chrissa ist es ja gewohnt, mit solchem Ende  zu leben und verhungern wird sie dennoch nicht. Zwar reitet sie zum Schluss nicht in den Sonnenuntergang, sondern „legte ihren Kopf zurück, schloss die Augen. Und flog weiter in die Dunkelheit“. Aber so ist sie: Job erledigt, abgehakt.

Wallace Stroby hat mit Crissa Stone eine Berufsverbrecherin geschaffen, der man wünscht, dass ihre Pläne in Erfüllung gehen, der man die Daumen drückt, dass sie bei ihren Verbrechen den großen Reibach macht. Crissa kommt so sympathisch zu den Lesern und letztlich hat sie auch gar keine Schuld, wenn Ganoven, die sie hintergehen krepieren, auch wenn es durch ihre Hand ist.

Somit ist Crissa ein Phänomen in der Kriminalliteratur, eine Kriminelle, mit der mitgefühlt und mitgefiebert werden kann.

Gut gemacht, Wallace Stroby!

— O —

Wallace Stroby: Der Teufel will mehr, Originaltitel: The Devil’s Share (USA 2015), die deutsche Erstausgabe ist bei Pendragon erschienen (2019), Übersetzung: Alf Mayer

— O —

Bereits erschienene Bände der Crissa-Stone-Reihe:

  1. Kalter Schuss ins Herz

  2. Geld ist nicht genug

  3. Fast ein guter Plan

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Sara Gran: Das Rätsel des Pilzgeflechts, das uns manchmal, hoffentlich, auffängt, wenn wir fallen

IMG_9281Claude, der Assistent von Claire DeWitt, erzählt seinen ersten Fall, den er selbstständig löst. Es ist kein großer Fall, sondern eine Bagatelle, die aber für die Betroffene, Claudes Tante, und auch für die Person, die diesen „Fall“ auslöst, von großer Bedeutung ist.

Trotzdem dauert es Wochen, bevor Claude das Rätsel lösen kann. Die 49seitige Erzählung ist aber vor allem eine Reflexion, die der junge Detektiv anstellt über die Einsamkeit und eine ihrer möglichen Auswirkungen – und die Beschreibung, wie jemand aufgefangen werden kann, wenn er fällt.

Eine liebevoll erzählte Geschichte, weit ab von den Romanen um die forsch auftretende Claire DeWitt, der besten Detektivin der Welt, obwohl Claire auch in Beziehung steht zu dem, über das Claude nachdenkt.

— O —

Das Rätsel des Pilzgeflechts, das uns manchmal, hoffentlich, auffängt, wenn wir fallen, © 2018 by Sara Gran, 2019 in Deutsch als E-Book im Wilhelm Heyne Verlag erschienen (Übersetzung; Eva Bonné)

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