Louise Penny: Wo die Spuren aufhören

Wer sich auskennt in Three Pines wie die Leserinnen und Leser der Krimireihe um Armand Gamache weiß, dass der ehemalige Chief Inspector der Sûreté du Québec nach seinem Ausscheiden aus dem Polizeidienst ein geruhsames und sorgenfreies Leben mit Ehefrau und adoptiertem Schäferhund im Kreis seiner Freunde führen könnte.

Und wer hofft, einen Kriminalroman in Händen zu halten und zunächst von der Spannungslosigkeit enttäuscht ist, sollte das Buch nicht vorschnell fallen lassen, denn zum Schluss wird es noch dramatisch. Dies ist zwar der 10. Fall für Gamasche, es geht aber zunächst nicht um die Aufklärung eines Verbrechens, sondern um ein zu lösendes Rätsel.

Der Maler Peter Morrow konnte den großen Erfolg seiner Ehefrau Clara nicht verkraften. Peter, früher mit seinen Bilder erfolgreicher als Clara, mußte erleben, dass seiner Frau der große Durchbruch gelang, Galerien in allen großen Städten rissen sich darum, ihre Bilder auszustellen. So wurde der ehemals Erfolgreichere zu einem neidischen Kotzbrocken, sodass Clara ihm – und sich selbst – eine Auszeit gönnte. Sie schmiss ihn für ein Jahr aus dem Haus mit der Vereinbarung, dass Peter danach wieder zurück kommen sollte und die beiden ihr Verhältnis neu überlegen wollten.

Das Jahr ist rum, Clara trotz Peters miesem Verhalten immer noch verliebt in ihn. Doch der Aushäusige bleibt verschwunden und seine Ehefrau macht sich Sorgen, ob ihm denn etwas passiert ist. Sie bittet Gamache um Hilfe bei der Suche nach Peter.

Gamache beginnt zusammen mit Clara und seinem Schwiegersohn die Spuren zu verfolgen, die der Maler auf seiner Reise hinterlassen hat – nach Europa und wieder zurück nach Kanada, wo sich die Fährte verliert. Doch Spürnase Gamache gelingt es, sie wieder aufzunehmen. Die Spur führt ihn den Sankt Lorenz Strom abwärts fast bis zum Nordatlantik.

Mit dieser Reise beginnt der eigentliche Krimi, nachdem die Leser lange Zeit die Beschreibung von Befindlichkeiten lesen, die es gilt, im Geschäft mit der Kunst zu verarbeiten, Enttäuschungen weg zu stecken und zu hoffen, dass irgendwann das wahre Können gewürdigt wird – wie bei Clara. Andererseits wird geschildert wie ein Künstler, der von Beginn seiner Karriere geachtet und hofiert wurde, zur Bedeutungslosigkeit degradiert wird, wenn ihn die Kreativität verlässt – wie bei Peter. All das erzählt Louise Penny zumeist aus der Perspektive von Gamache und Clara sowie gespickt mit vielen Sidesteps in die Welt der kanadischen Malerei und der Literatur.

Freunde spannender Kriminalliteratur werden möglicherweise diese letzten Wendungen nicht mehr erlesen, denn es ist für sie ein weiter Weg durch das Menschliche der Kunstwelt und die Bemühungen von Gamache, Clara und ihren Freunden, das Rätsel von Peters Verschwinden zu lösen. Die 80 Seiten „Krimiteil“ am Ende werden zu wenig für sie sein.

Für die Freunde der Gamache-Reihe sollte es dagegen ein Leseschmaus sein, das Zusammenspiel der bekannten Gesichter aus Three Pines mit Clara, Myrna, Ruth inklusive Rosa, Oliver und Gabri sowie Gamache und Familie zu erleben.

Fazit: Lesenswert für Fans der Reihe, nichts für ungeduldige Krimifans, die einem spürbaren Spannungsbogen von Anfang bis Ende folgen wollen.

– – – O – – –

Louise Penny: Wo die Spuren aufhören, Kampa Verlag (2021), übersetzt von Sepp Leeb

Originaltitel: The Long Way Home (USA, 2014)

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3 Antworten zu Louise Penny: Wo die Spuren aufhören

  1. karu02 schreibt:

    Ich bin jetzt bei Band 5 und erstaunt, dass ich nicht aufhören kann. 🙂 Das ist bisher noch keiner Autorin gelungen.

  2. Pingback: LOUISE PENNY: TOTES LAUB – Der elfte Fall für Gamasche | KrimiLese

  3. Pingback: LOUISE PENNY: HEIMLICHE FÄHRTEN – Der sechste Fall für Gamache | KrimiLese

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