Maria Grund: Fuchsmädchen

Wesentliches über den Inhalt des Thrillers wird bereits im Klappentext verraten: SIEBEN MASKEN, SIEBEN TODSÜNDEN. EIN MÖRDER OHNE REUE. Dennoch sollten diese Schlagworte nicht als Spoiler verstanden werden, denn das, was Maria Grund schreibt, ist vielfältiger und hintergründiger als es acht Wörter ausdrücken können.

Ort der Handlung ist eine größere, namentlich nicht genannte schwedische Insel. Dort taucht im kleinen See eines Kalksteinbruchs ein ertrunkenes Mädchen auf, bei ihr eine ominöse Fuchsmaske. Tage später wird eine grausam ermordete ältere Frau in ihrem Haus gefunden, der Ehemann ist verschwunden. Bei der Durchsuchung des Hauses entdecken die Ermittlerinnen etwas, was in Verbindung mit dem toten Mädchen stehen könnte: es zeigt auf einem Bild die Maske, die bei der Leiche im Kalksteinbruch gefunden wurde.

Die beiden Ermittlerinnen sind Sanna und die Kollegin Eir, die soeben auf die Insel versetzt wurde. Beiden gemeinsam ist, dass sie in der Vergangenheit Psychotraumata erlebten, die sie noch nicht verarbeitet haben. Nun ist skandinavische Kriminalliteratur voll von kaputtem, ermittelndem Personal – von Wallander bis Harry Hole. Dieses Duo übertrifft jedoch alle. Zudem unterscheidet sich die Insel von Viveca Stens idyllischer Schäreninsel Sandhamn, auf der die heile Welt ab und an durch einen Mord gestört wird.

Auf dieser Insel spielen sich grausame Dinge ab, unter der nicht nur Sanna zu leiden hat, die Ehemann und Sohn beim Brand ihres Hauses verloren hat, die jetzt in einer alten Garage haust und mit Tabletten versucht, das Erlebte zu verdrängen. Währenddessen geht das Morden weiter. Eine weitere Frau wird gefunden. Ermordet auf gleiche Weise. Und allmählich ergeben sich Zusammenhänge zwischen den Morden und dem Mädchen mit der Fuchsmaske, die sich offensichtlich ertränkt hat.

Doch die Zusammenhänge führen zunächst nicht zum Mörder sondern zu den Ereignissen, die jemanden zum Serienkiller werden ließ. Es ist ein schwieriger Weg, den Sanna und Eir gehen müssen, denn noch ist nicht alles gesühnt, was damals passierte, als die Bilder mit den sieben Masken entstanden. Da gilt es, die Verbindungen zu erkennen, die zum Mörder führen, so schwierig es ist, so falsch wie sich ein verheißungsvoller Ansatz erweist. Schließlich wird dann aber doch das Kapitel geschlossen. Zudem ein weiteres, bei dem Sanna von einem ihrer Zwänge befreit wird.

Das beste schwedische Thriller-Debüt des Jahres“ ist auf einem Sticker auf dem Cover zu lesen. Bei aller Skepsis derartigen Aufklebern gegenüber, stelle ich nach dem Lesen fest: Diese Promotion ist nicht unberechtigt, weil es neben den düsteren Ursachen für die Morde eine ungewöhnliche Geschichte erzählt.

– – – O – – –

Maria Grund: Fuchsmädchen, erschienen im Penguin Verlag (2022), übersetzt von Sabine Thiele

Originaltitel: Dödssynden (Schweden, 2020)

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