Olaf Kolbrück: Kleine feine Gesellschaft

Olaf Kolbrück, Journalist bei einer Wirtschaftszeitschrift, wohnt in der Nähe Frankfurts und gibt mit „Kleine feine Gesellschaft“ sein Debüt als Krimiautor.

P1000923Mit der kleinen feinen Gesellschaft ist die noble und überwiegend in Geld schwimmende Taunus-Society gemeint, in deren durch hohe Zäune und Hecken sowie gesellschaftliche Barrieren abgeschirmte Welt zunächst ein Mord geschieht. Der tote Banker wird in einer Gerätebox in einer spießigen Laubenpieperanlage von der ehemaligen Kommissarin eines Frankfurter Morddezernats und ihrem guten Bekannten, einem Ex-Knacki und straffällig gewordenen Banker, in dessen Kleingarten gefunden. Ex-Kommissarin Eva Ritter kann das Ermitteln nicht lassen und mit ihren Connections zur Society ist sie ihren ehemaligen Kollegen immer einen Schritt voraus.

Schnell stellt sich heraus, dass hinter mancher gelifteten Fassade und in diversen scheinbar erfolgreichen Bankern, es weniger glamourös und pompös aussieht, als die Damen und Herren uns Normalos vorgaukeln. Das da manche Personen nicht nur einen riskanten beruflichen Weg gehen, sondern auch privat einige delikate Geheimnisse in sich bergen, ist dabei nicht ungewöhnlich.

Eva Ritter ermittelt trotz fortschreitender Krankheit, die sie veranlasst hatte, den Polizeidienst aufzugeben und familiären Problemen, die ihr vornehmlich ihre lesbische, schwangere Tochter bereitet.

Mit diesem Erstling ist Olaf Kohlbrück ein amüsanter Kriminalroman gelungen. Besonders seine Kenntnisse der Taunus-Schickeria hat er auf köstliche Weise eingebracht. Nun sind zwar nicht alle Mitglieder dieser elitären Gruppe aus dem Stoff, der Arroganz und Größenwahn ausstrahlt, aber es wirkt authentisch, was Kolbrück schreibt. Wenn in dem Buch der Deutschlandchef einer internationalen Bank wegen gewisser „Verfehlungen“ von seinem Arbeitgeber nach Rußland versetzt wird, um dort das Geschäft aufzubauen, kann ich von Ähnlichem berichten, dass vor etlichen Jahren tatsächlich passiert ist: Mein Ex-Boss, Deutschlandchef des größten Nahrungsmittelunternehmens der Welt, spannte seinem Vorstandskollegen die Frau aus, heiratete sie, das Paar bekam ein Kind. Nächste Karrierestation des flotten Managers war die Position des Marktchef des (kleineren) Unternehmens in Russland. Übrigens waren diese Ereignisse im Jahr 2000 kein Geheimnis, die Boulevardpresse berichtete genüsslich über die Affäre und deren Folgen.

Was den „gesellschaftlichen Part“ angeht, ist der Krimi recht aufschlussreich, die Handlung des „Kriminalfalls“ an sich eher durchschnittlich. Und da wünscht man sich, dass der Autor mehr in die Arbeit der verschiedenen Bereiche der Kriminalistik und Rechtsmedizin eintaucht und letztere nicht mit der Pathologie verwechselt. Aber diese Kenntnisse kann sich Olaf Kolbrück, dessen zweiter „Taunuskrimi“ im März 2014 erscheinen soll, sicherlich noch erarbeiten.

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Erschienen 2012

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