Elisabeth Herrmann: Versunkene Gräber

P1000917Der Berliner Rechtsanwalt Vernau bekommt Besuch einer Anwältin aus Polen, die Vernaus Ex-Kollegin sucht. Diese war Zeugin eines Mordes auf einem alten deutschen Friedhof östlich der Oder, dem Friedhof der versunkenen Gräber. Nun ist die Ex verschwunden. Vernau erfährt, dass sein Kumpel Jacek des Mordes verdächtigt wird. Jacek hatte in Berlin eine Autowerkstatt betrieben, sich aber auf das ehemalige Weingut zurückgezogen, das seit 1945 im Besitz seiner Familie ist. Dort wollte er den Weinbau wieder aufleben lassen, nun sitzt er im Gefängnis in Posen. Fingerabdrücke auf der Tatwaffe lassen für die Pflichtverteidigerin Zuzanna keinen anderen Schluss zu, als dass Jacek es war, der einen Deutschen auf dem Friedhof erschlagen hat. Jacek zeigt sich wenig kooperativ und verlangt von Zuzanna, Vernaus Ex-Kollegin zu finden, die offenbar in der Nacht der Tat auch auf dem Friedhof war.

Eine verzwickte Angelegenheit mit viel Misstrauen auf allen Seiten! Und die Situation wird für keinen der Agierenden leichter, als zunächst in einer noblen Berliner Seniorenresidenz unerwartet einer der Bewohner stirbt und kurz darauf seine Pflegerinnen, eine Polin, durch einen Treppensturz zu Tode kommt.

Die Todesfälle auf dem polnischen Friedhof und der noblen Residenz sind verknüpft, das erfährt der Leser schon auf den ersten Seiten, mit den Ereignisse der Vertreibung der Deutschen aus Schlesien und der „Westverschiebung“ Polens und der Neubesiedelung der Gebiete nach dem II. Weltkrieg.

Einige Briefe eines deutschen Soldaten, der sich gegen Kriegsende wieder in seine Heimat nach Schlesien – jenes bereits erwähnte Weingut – an seine Jahre zuvor bereits in den Westen geflüchtete Frau, legen Zeugnis von dieser turbulenten, unseligen Zeit ab. Auch heute, fast 70 Jahre nach Kriegsende,  keimen noch immer wieder Konflikte wieder auf, die ihren Ursprung in jenen Wirren haben.

Und so ist Fiktion in diesem Buch verknüpft mit geschichtlicher Realität, auf der dieser Kriminalroman von Elisabeth Herrmann aufbaut. Mit den sorgfältigen und ausführlichen Recherchen über die Zeit zum Ende des Krieges, die politischen und eigentumsrechtlichen Verwicklungen durch die Neubesiedlung des damals deutschen Gebietes und die Geschichte sowie das Wiederaufleben des Weinbaus im ehemaligen Grünberg , heutigen Zielona Góra, hat Elisabeth ein Buch geschrieben, im dem mehr erzählt wird als ein Fall mit Mord oder Todschlag und der Suche nach den Verbrechern. Es ist auch – bei allem Fiktiven – ein Stück Zeitgeschichte, das da beschrieben wird. Ein spannender aber auch bewegender und informativer Stoff.

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Erschienen: 2014

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