Ray Banks: Saturday’s Child

P1030284Es ist ein beschissenes Leben, das Cal Innes nach seiner Entlassung aus dem Knast als Privatermittler führt: Als Ex-Knacki, der immer aufpassen muss, nicht gegen die Bewährungsauflagen zu verstoßen, erhält er ein Angebot des lokalen Gansterbosses, Betreibers illegaler Spielhöllen, einen abtrünnigen Kartendealer aufzuspüren. Der Dealer ist nicht nur mit einer Menge Geld abgehauen, sondern zudem noch mit dem Töchterlein des Chefs durchgebrannt. Doch Cal weiß zunächst nicht, dass die Sechszehnjährige mit verschwunden ist und sie das eigentliche Ziel der Suche darstellt. Bisher hatte Innes lediglich in Bagatellen geschnüffelt. Fremdgänger beschattet und dergleichen. Er ist auch kein richtiger Privatermittler. Eine Lizenz als Privatdetektiv fehlt ihm, es ist alles ein bisschen undurchsichtig was er macht, um seinen Lebensunterhalt und genug Alkohol zu verdienen, damit er vor seinem Bewährungshelfer ein sauberes Leben darstellen kann und genug, sich ständig den Schädel mit Alk vollzudröhnen.

Der Auftrag vom Manchesters Gangsterboss Morris Tiernan hat allerdings das Zeug dazu, dass Cal wieder einfahren könnte, denn so ganz legal – unter Einhaltung aller Gesetze – lässt sich der Auftrag nicht erfüllen. Das liegt allerdings nicht nur am Auftrag selbst, sondern auch an Großkotz und selbsternannten Obermacker Mo, Morris‘ Muttersöhnchen, der jedem und jederzeit zeigen will, dass er der Größte in der Szene ist, größer noch als sein Erzeuger. Mo ist beleidigt, dass nicht er sondern Innes den Suchauftrag erhalten hat und will es nun neben aller Welt und seinem Vater auch dem Privatermittler zeigen, dass er, der dümmliche Spross der größte Stern am Gangsterhimmel ist.

Während sich Innes zunächst in klassischer Privatdetektiv-Manier auf die Suche macht, versucht Mo dessen Arbeit zu torpedieren und Innes auszuschalten. Mo wird dabei begleitet von zwei noch tumberen Toren als er selbst einer ist sowie jeder Menge Drogen unterschiedlicher Art.

Mo hat zwar sein Ziel definiert, aber er weiß zunächst nicht den Weg, um an Innes heranzukommen. Auf der anderen Seite gerät der Privatermittler in mehrere äußerst brenzlige und blutige Auseinandersetzungen mit qualvollen Niederlagen. Doch die Niederschläge öffnen Innes die Augen und er erkennt, für welche Arbeit er wirklich angeheuert wurde. So ist das Zusammentreffen mit Mo für ihn nur das konsequente Ende dieses Auftrag, mit dem Ergebnis, dass es übel aussieht für den Ex-Knacki. Aber wie das meist so ist, wenn man einem Paten dient: „…ein Deal mit dem Teufel ist besser als überhaupt kein Deal.“

Ray Banks erzählt diese Geschichte wechselseitig aus der Perspektive von Cal Innes und Mo. Nahezu von Kapitel zu Kapitel wechseln die beiden Erzählstränge. Dabei bedient sich Mo und seine Entourage der übelsten prolligen Gossensprache. Innes versucht dagegen, mit halbwegs seriöser Sprache und ebensolchem Auftreten, seine Arbeit mit dem Anstand eines Privatschnüfflers zu erledigen, bis dann sein Bemühen in einer üblen Gewaltorgie während des großen Showdowns endet.

In einem Vorwort schildert Max Annas das Umfeld von Cal, Mo & Co mit den Worten: „Denn sie wissen nicht, dass sie nichts zu verlieren haben.“ So ist es.

Ray Banks zeigt, dass die Welt in Manchester und Newcastle, den beiden Orten, in denen die Jagd des einen auf den Dealer, die des anderen auf den Ermittler läuft, musikalisch bei den Animals, The Stranglers mit ihrem Golden Brown und Peaches sowie Loretta Lynn stehen geblieben ist. Es wenig Möglichkeiten für die Boys gibt, ihr Leben kulturell zu pimpen. Die Alternativen werden hier aufgezeigt. Es ist nicht die Geschichte, beim dem der Held am Ende in die untergehende Abendsonne hineingeht, aber eine Story, von der man hofft, dass Cal mit neuen Abenteuern wiederkommt. Und so wird es sein.

Dies ist der erste Kriminalroman der vierteiligen Cal-Innes-Reihe, der als Taschenbuch mit Klappbroschur im Polar Verlag erstmals in deutscher Übersetzung erschienen ist.

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Originaltitel: Saturday’s Child (UK, 2005), dt. 2016 (Übersetzung Robert Brack)

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