Der Mörder im Kopf – 20 Interviews mit erfolgreichen Spannungsautorinnen und -autoren, ein Buch von Günter Keil

Keil_Moerder_im_KopfWas geht bei Großkopferten der Kriminalliteratur im Kopf vor? Wie denken und leben sie, woher kommen sie und wie entstehen ihre Krimis oder Thriller? Der Journalist Günter Keil hat mit 20 international erfolgreichen Spannungsautorinnen und -autoren Gespräche geführt, die in Form von Interviews in diesem Buch veröffentlicht wurden. Es sind einige deutschsprachige Stars der Szene – Andrea Maria Schenkel, Sebastian Fitzek, Martin Suter -, überwiegend jedoch ausländische wie Karen Rose, Tess Gerritsen, Simon Beckett, Don Winslow und James Ellroy, die hier aus ihrem Leben plaudern.

 

Es sind nicht die PR-geglätteten oder abenteuerlich gestalteten Lebensläufe, die hier zu lesen sind. Günter Keil hat es verstanden, die Persönlichkeiten durch interessante Fragen außerhalb der Standards sichtbar zu machen. Arne Dahl erzählt, wie er sich als Europäer fühlt, Tess Gerritsen erinnert sich, wie es war, als Kind chinesischer Einwanderer in den USA aufgewachsen zu sein. Joy Fielding betrachtet sich als Feministin und referiert im Interview über die Entwicklung der Frauenrechte. Interessant ist aber auch, worüber Simon Beckett nicht spricht: Über seine in Deutschland wenig erfolgreichen Krimis bevor die David- Hunter-Reihe erschienen ist. Dazu wurde er nicht gefragt, ist wohl auch nicht so wichtig.

Sehr unterschiedlich beschreiben die Stars ihre Vorgehensweise, die von der Idee bis zur Abgabe des fertigen Manuskripts zu einem neuen Buch führt. Und immer wieder wird gesagt, dass es Arbeit ist, ein Buch zu schreiben. Die letzten Zweifler sollten mit diesen Aussagen zu überzeugen sein.

Günter Keil hat die meisten der Autoren und Autorinnen auf Reisen in Deutschland begleitet, auf dem sie ihre Bücher vorstellten und die Veranstaltungen moderiert. Einige der Fragen wurden während dieser Auftritte gestellt und beantwortet. Auf der „Tournee“ mit Jo Nesbø zur Vorstellung dessen zunächst letzten Harry-Hole-Titels „Koma“ konnten die Zuhörer zum Beispiel erleben, wie locker dieses Frage-Antwort-Spiel ablief und wie der Autor bei all seiner Professionalität offen und anscheinend ehrlich antwortete. Die „Chemie“ zwischen Interviewer und Befragten schien zu stimmen, ein vertrauensvolles Verhältnis zu sein.

Das Ergebnis dieser 20 Gespräche ist lesenswert. Den meisten Interviews ist kurzer Lebenslauf und ein „Steckbrief“ der Befragten vorangestellt. Mag sein, dass es die Fans der AutorenInnen interessiert, welchen Toilettenpapier der Star bevorzugt. Andere Fakten erscheinen wenig erwähnenswert, einige bizarr. Kürzere Steckbriefe hätten den Wert dieses Buches nicht geschmälert.

Für die Leser hat sich allemal Aufwand und Mühe des Autors gelohnt, die Gespräche zu führen und in Interviews zusammenzufassen. Jetzt wissen wir, was den „Großkopferten“ der Szene so im Kopf herumgeht.

Wie Günter Keil diese Aufgabe gemeistert hat, erklärt er am Ende des Buches in einem Interview mit Laura Sonnefeld. Ein interessantes „Nachwort“.

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Erschienen bei Edel ebooks (2015)

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