Donna Leon: Reiches Erbe

Zum 20. Mal grübelt, lamentiert  Commissario Brunetti und klärt dabei Verbrechen in und um Venedig auf. Er grübelt darüber, warum so viele Chinesen in Italien leben und sich speziell in Venedig niedergelassen haben. Lamentiert, dass sie dabei alteingesessene Geschäfte der Lagunenstadt zu Ramschläden und Fast Food-Restaurants verunstalten, läßt sich über das löchrige Gesundheitssystem aus, über Korruption in Italien sowieso und überlegt, warum Hunde so gern auf Booten mitfahren. Es sind die gleichen Personen, die um Brunetti herum mit oder gegen ihn arbeiten. Paola seine Frau ist noch immer Dozentin an der Uni, die Kinder Raffi und Chiara gehen inzwischen seit 20 Jahren zur Schule und sind immer noch Teenager. Und liebevoll bekocht Paola ihren Gatten.

Nichts Neues demnach bei Brunettis und bei der Polizia der Stadt Venedig.

Da kommt der Tod einer alten Frau, die am Boden liegend in ihrer Wohnung gefunden wird, gerade zur rechten Zeit. Brunetti ermittelt beharrlich zusammen mit Ispettore Vianello, stößt dabei auf Mauern des Schweigens und das Mißtrauen der Befragten gegenüber der Polizei. Signorina Elettra, die gute Seele des Commissariats unterstützt mit ihrem Netzwerk, genialen Hackermethoden und einer gehörigen Portion Chuzpe ihren Commissario.

Und so wundert es nicht, dass Brunetti schließlich auch bei diesem Fall klärt und aufklärt. Aufklärt vor allem über die üblen Machenschaften von Kleinkriminellen und einem Advokaten. Zu leiden haben die Guten, die Armen und die, die sich nicht mehr wehren können. Gewinner sind die Bösen und Skrupellosen.

Ein wenig aufregender Fall des Commissarios Brunetti.

Ich wünsche mir, dass dessen Kinder nun endlich erwachsen werden, sich Donna Leon einem neuen Übel der italienischen Gesellschaft widmen kann. Wenn Raffi oder Chiara endlich studieren würden, könnte ein Krimi im Milieu der gestressten Studenten entstehen, von Burn-Outs und ihren Folgen berichtet werden – und nicht nur immer von den Unterpriveligierten, seinen sie alt, Migranten, sexuell Mißbrauchte und Ausgebeutete, oder den Privilegierten mit Kontakten zu Transsexuellen, den Umweltsündern und Korrupten, die jedes Gesetz zu ihrem Vorteil auslegen oder sich darüber hinweg setzen. Eurokrise, Wettskandale im italienischen Fußball böten ebenfalls Stoff für neue Fälle.

Und wenn dann Brunetti noch über Haarausfall oder Übergewicht klagen würde, was wäre das für ein schöner einundzwanzigster Fall! Ach so, ein neues Foto der Autorin auf dem Schutzumschlag wäre auch noch eine lange nicht mehr erlebte Novität.

Das “Reiche Erbe”, Commissario Brunettis zwanzigster Fall, ist für die Gemeinde treuer Leser von Donna Leons Krimis  wiederum eine nette Lektüre im gewohnten Milieu, mit vertrauten Themen – wie nahezu fast alle vorhergehenden 19 Fälle, die seit Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts in Deutschland erschienen sind und die inzwischen mit Werner Schmitz vom dritten Übersetzer ins Deutsche übertragen werden.

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Originaltitel: Drawing Conclusions, USA 2011, dt. 2012 (Übersetzung Werner Schmitz)

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Diese Rezension wurde zuerst veröffentlicht am 16.06.2012 auf http://philipp1112.wordpress.com

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