Viveca Sten: Die Toten von Sandhamn

Stehen die körperlichen und seelischen Misshandlungen eines Jungen durch seinen Vater auf der kleinen Schäreninsel Sandhamn vor 80 Jahren mit dem heutigen Verschwinden eines 18jährigen Mädchens in Zusammenhang? Ist es eine falsche Fährte, die Viveca Sten für ihre Leser und Leserinnen legt, wenn sie diesen Anschein erweckt?

Thomas Andreasson, Kriminalkommissar in Nacka bei Stockholm, wird den Fall des vermissten Mädchens aufklären. Es ist sein dritter Fall, der ihn zu Ermittlungen in den Schärengarten vor Stockholm führt und wie zuvor wird er unterstützt von seiner Jugendfreundin Nora, die gerade eine schwere Zeit durchlebt, da sie sich gerade als betrogene, hintergangene Ehefrau von ihrem Mann Thomas trennt. Und diese Trennungsgeschichte scheint zunächst das eigentlich Dramatische in diesem Buch, in dem der aktuelle Fall von vermissten Mädchen zweitrangig erscheint. Jedoch wird vielmehr wird die tragische Entwicklung des kleinen Thorwalds beschrieben, der in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts auf Sandhamn aufwächst, vom Vater brutal geschlagen, zeitweise eingesperrt und verachtet. Thorwalds Schwester wird dagegen vom Vater nahezu vergöttert. Bei der lethargischen Mutter findet Thorwald keinerlei Hilfe.

Nora findet aus jener Zeit Tagebücher, in denen über Thorwald berichtet wird. Ihre Söhne machen eine andere grausige Entdeckung.

Allmählich wird beim Lesen klar, wie die Ereignisse aus zwei verschiedenen Jahrhunderten verwoben sind.

Viveca Sten führt in diesem Roman die Gegensätze zusammen, die trotz der kleinen Welt der Schäreninsel mit ihren gut 100 Bewohner herrschen, auch wenn im Sommer zusätzlich Tausende von Sommergästen die Schäre bevölkern.

Nach den ersten beiden netten und unterhaltsamen Sandhamn-Krimis der Autorin ist dieser dritte Fall durch die tragischen Aspekte aus der Vergangenheit und deren psychologische Komponente spannender, interessanter und noch lesenswerter.

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Originaltitel: I grunden utan skuld, Scheden 2012, dt. 2012 (Übersetzung: Dagmar Lendt)

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Diese Rezension wurde zuerst veröffentlicht am 13.06.2012 auf http://philipp1112.wordpress.com

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