Donna Leon: Himmlische Juwelen

Nach den schwachen Brunetti-Krimis der letzten Jahren ist es Donna Leon endlich wieder einmal gelungen, ein interessantes und spannendes Buch zu schreiben, auch wenn es sich dabei nicht um einen Kriminalroman handelt. Es ist nicht so sehr die Geschichte der Musikwissenschaftlerin Caterina Pellegrini, die von einer unbedeutenden Gesellschaft für deutsche und italienische Musik in Venedig angeheuert wird, um den Nachlass eines italienischen Opernkomponisten und Bischofs aus der Barockzeit unter dem Aspekt zu sichten, ob dieser vor nahezu 300 Jahren Verblichene denn zwei dubiosen Nachkommen seiner Cousins einen Schatz hinterlassen hat, als vielmehr die Vita – teils schillernd, teils mysteriös – des Komponisten, Kirchenmanns, Diplomaten und Höflings an deutschen Fürsten- und Herzogshöfen. Sein Name ist Agostini Steffani, mir sowohl in seiner einen und auch den anderen Funktionen bisher unbekannt.

Dafür hat Donna Leon mit großem Aufwand das Leben Steffanis, das seiner Gönner und Verehrerinnen und seiner Zeit in Deutschland erforscht. Zeiten in München bei Kurfürst Ferdinand Maria, zu deren Beginn Steffani, möglicherweise und um seine helle Stimme zu erhalten, kastriert wurde. Die Phasen seines Lebens als Hofkapellmeister und Komponist in Hannover am Hofe Ernst Augusts. Besonders aber das Verhältnis zu der Mätresse des Kurfürsten, der Gräfin Clara Elisabeth von Platen, und deren Verwicklung um das Verschwinden und mutmaßliche Ermordung ihres Geliebten Graf Königsmarck nehmen einen bedeutenden Teil der Recherchen der Musikwissenschaftlerin Caterina und somit Donna Leons ein. Die Erkenntnisse über das Verschwinden Königsmarck wirft dabei die Frage auf, ob Steffani darin verstrickt war und er davon profitiert hat, indem er eine größere Summe (Blut-)Geldes in diesem Zusammenhang erhalten hat, von dem er möglicherweise den von den Erben gesuchten Schatz gekauft hat.

Was dabei wahre Geschichte ist, was Fiktion, weiß nur die Autorin, ist aber für den Plot unerheblich.

Jedenfalls hat Caterina Pellegrini die Aufgabe, den Schatz zu finden. Und sie findet einiges in den zwei Truhen, die als Nachlass aufgetaucht sind. Die Cousins und ihr Anwalt sind erpicht auf den wahren Schatz darin.

Donna Leon lässt ihre Leser bis kurz vor Schluss spekulieren, wie die „Himmlische Juwelen“ aussehen, welchen Wert sie für die geldgierigen Cousins haben.

Nach einigen Jahren zumeist flacher Brunetti-Melancholie und dem Monieren von Korruption und politischen Verhältnissen in Italien hat die in Venedig lebende amerikanische Autorin und Liebhaberin der Musik Georg Friedrich Händels aber auch der Steffanis endlich wieder einmal einen lesenswerten Roman geschrieben, allerdings aus einem anderen Leben als dem des Brunettis und außerhalb dessen ausgetretener Pfade.

Dieses Buch wird den Leser und Leserinnen, die Donna Leon noch immer treu gefolgt sind, erfreuen.

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Originaltitel: The Jewels of Paradise, USA 2012 , dt. 2012 (Übersetzung: Werner Schmitz)

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Diese Rezension wurde zuerst veröffentlicht am 05.11.2012 auf http://philipp1112.wordpress.com

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