Håkan Nesser: Am Abend des Mordes

Für die  Schlächterin von Klein-Burma, die ihren Mann fachmännisch in handliche Teile zerlegte, entwickelt der Leser im Laufe der Story ein Gefühl, das Mitleid recht nahe kommt. Was geschah wirklich vor mehr als 20 Jahren am Abend des Mordes – und wie hängt das mit dem „Cold Case“ zusammen, den Barbarotti zur Klärung übertragen bekommt, als er die Arbeit als Kriminalinspektor nach dem Tod seiner Frau wieder aufnimmt? Auch Barbarottis Schicksal kann die Leser dieses Kriminalromans bewegen, denn einen Großteil des Buches nimmt die Verarbeitung dieses Schicksalschlags ein. Einschließlich der scheinbar hilflosen Wiedereingliederung in das Arbeitsleben durch seinen Vorgesetzten. Schon allein dieser Prozess, die Empfindungen und Gedanken Barbarottis machen das Buch lesenswert.

Aber zurück zur Krimihandlung: Die Schlächterin hat mehr als 10 Jahre ihres Lebens für die Ermordung ihres Mannes im Gefängnis verbracht, war danach wieder verheiratet und wieder verschwindet ihr Mann, kehrt nicht von einer Einkaufstour zurück. Doch dieses Mal wird die Leiche nicht gefunden. Ellen, der Schlächterin, kann keine Schuld am Verschwinden nachgewiesen werden. Schlampige Polizeiarbeit bei Ermittlung und Spurensuche brachten keine Ergebnisse. Der Fall wurde vor Jahren eingestellt und nun wird er auf Betreiben von Barbarottis Chef wieder aufgenommen. Beschäftigungstherapie für den Witwer oder steckt mehr dahinter, warum dieser alte Fall wieder hervor gekramt wird? Barbarotti ermittelt, er kommt zu erstaunlichen Erkenntnissen.

Es ist ein ungewöhnlicher Krimi, bei dem Autor Håkan Nesser und Übersetzer Paul Berf viel Feingefühl zeigen, gegenüber einer als Mörderin Verurteilten und gegenüber einem durch den Tod seiner Frau verzweifelten und hoffnungslosen Menschen, der mit Trauertherapeut und Gottesglauben einer ungewissen Zukunft entgegensieht.

Ein bewegender Roman, abseits üblicher Dutzendware des Kriminalroman-Genres.

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Originaltitel: Styckerskan från Lilla Burma, Schweden 2012, dt. 2012 (Übersetzung: Paul Berf)

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Diese Rezension wurde zuerst veröffentlicht am 13.10.2012 auf http://philipp1112.wordpress.com

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