Patrizia Rinaldi: Die blinde Kommissarin

Es gibt eine neue Kommissarin in der Welt des Kriminalromans, sie ist blind – und erkennt doch die Lügen wie keine andere.

P1010599So führt der Verlag Blanca Occhiuzzi ein, die mit ihren Kollegen Martusciello und Liguori in Neapel ermittelt. Zusammen bilden sie ein inhomogenes Trio, das aber auch aussichtslos erscheinende Fälle lösen soll. Besonders Dank der Gabe der blinden Kommissarin, die bei Vernehmungen richtige Töne von falschen unterscheiden kann. Nur scheint die Autorin diese Gabe der Blinden nicht erkannt zu haben, jedenfalls trägt diese Fähigkeit nicht zur Lösung dieses Falles bei.

Ein bekannter Sänger und Womanizer, der neben seinen Auftritten und Aufnahmen seiner Gesänge noch anderen Tätigkeiten nachgeht, wurde ermordet. Weitere Morde ereignen sich und die Frage taucht auf, ob ein Serienkiller Hand angelegt hat. Der mürrische und frustrierte Einzelgänger Martusciello ermittelt auf seine Weise, Liguori mal zusammen mit, mal ohne die Kommissarin ebenfalls – wenn sie sich nicht gerade gemeinsam im Bett vergnügen.

Wie aus dem Off tauchen in dem Buch mehrmals in Kursiv gesetzte Gedanken und Überlegungen auf, die von dem/der Mörder/in zu stammen scheinen und in kryptischer Form auf das Verhältnis zwischen Mörder/in und Sänger hinweisen. Auch neben diesen Sequenzen aus dem Off wirkt vieles in diesem Kriminalroman, dem Erstling von Patrizia Rinaldi, undurchsichtig bis chaotisch.

Zudem macht es sich die Autorin recht einfach: Das geistig etwas einfach gestrickte Personal in den Nebenrollen zeichnet sich durch einen schlechten Sprachstil aus: Unvollständig ausgesprochene Wörter wie „is“ und „nich“ und Commissa’“ sind bei dieser Species von Mitwirkenden an der Tagesordnung und das wirkt durch die Häufung wenig originell. (Ob das ein Phänomen der Übersetzung ist, kann ich nicht sagen.)

Nicht zuletzt trägt die letzte Umschlagseite mit der blumigen Werbung vom „Italienischen Flair“ bei zum Unverständnis bei: „Italienisches Flair, eine Stadt voller Geheimnisse, und eine neue Kommissarin – dieser Kriminalroman lässt Sie von einem Italienurlaub träumen“.

Wen die Beschreibung eines grauen Herbstes in einer Stadt wie Neapel mit seltsamen Ermittlern und undurchsichtigen, alternden Groupies eines bis auf einen Hit mäßigen Sängers von Bella Italia träumen lässt, der mag Freude an diesem Buch empfinden ansonsten wird er enttäuscht sein.

___________________________________________________________________________________________

Original: Tre, numero imperfetto (Italien, 2012), dt. 2014 (Übersetzung: Ulrike Schimming)

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Rezension abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Patrizia Rinaldi: Die blinde Kommissarin

  1. Luciana Petroni schreibt:

    Es hängt von Übersetzung ab…mein Mann ist deutscher aber er lehrt in Italien seit 13 Jahren und er hat die drei Krimi von Rinaldi ( tre numero imperfetto ist der zweite Band der Serie) und er hat die italienische Version prima gefunden. Die Übersetzung fand er miserabel im Gegenteil zu der englischen Übersetzung.

    • Philipp Elph schreibt:

      Danke für den Kommentar. Mich hat der Roman nicht gefesselt oder begeistert. Und das lag sicher nicht nur an der offensichtlich nicht sehr geglückten Übersetzung. Auch der Klappentext bzw. der Text auf dem hinteren Buchdeckel ist völlig am Thema vorbei und erzeugt eine falsche Erwartung.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s