Skurrile Charaktere, absurde Szenen in LARS LENTH: TÖDLICHER NORDWIND

Das Setting: Eine Insel in einer abgelegenen Gegend von Norwegen. Da, wo das skandinavische Tier seine Ohren hat. Darauf ein Windpark, daneben eine alte Steinhütte. Außerdem ein ehemaliges, zerfallendes Hotel, das etliche Jahre als Unterkunft für Asylanten betrieben wurde.

Das Personal: Agnes, die Betreiberin des Windparks und Eigentümerin des ehemaligen Hotels, über 80 Jahre alt, ein rücksichtsloser Profitgeier. Asylsuchende wurden von ihr gnadenlos ausgebeutet, der Staat gleich mit. Zwei Söhne sind die willfährigen Handlanger. Die „schmutzigen Arbeiten“ erledigen Zwillinge aus der Umgebung, die schon mal widerspenstige oder nicht gehorsame Geflüchtete vor der Küste versenken. Die Tochter der alten Dame hat sich schon vor Jahrzehnten abgesetzt, sich der Mutter entzogen und lebt jetzt mit Leo Vangen, zusammen. Dem Rechtsanwalt, bekannt aus dem vorhergehenden Kriminalroman des Autors ( Der böse Wolf von Østerdahlen). Ebenfalls bekannt, ist Leos Freund, Rino, der sich stets vor der Polizei versteckt, unter anderem wegen bestimmter Ereignisse damals in Østerdahlen. Ihm hat Leo die Steinhütte neben dem Windpark vermittelt, in der Rino das Leben genießt und den ehemaligen Lehrer und Windparkhasser Fink kennenlernt.

Die Lage: Agnes möchte die letzten Jahre ihres Lebens in Oslo genießen und ihren Besitz – Windpark und Hotel – verkaufen. Rücksicht auf die Befindlichkeiten ihrer Söhne nimmt sie dabei nicht. Denen entzieht sie damit die Lebensgrundlage und vererben will sie ihren Kindern auch nichts. Den Erlös sollen größtenteils rechtsextreme Organisationen erhalten, die sich gegen die Aufnahme von Flüchtlingen einsetzen und das Land vor der Übernahme durch Islamisten bewahren wollen. Bis es aber soweit kommt, hat sie noch ein Problem: Die Kaufinteressenten beabsichtigen, den Windpark nur zu übernehmen, wenn sie das Nachbargrundstück mit der Steinhütte ebenfalls pachten oder kaufen können. Und Bewohner Rino macht keine Anstalten auszuziehen. Folglich bekommen die Zwillinge den Auftrag, die Hütte von ihrem Bewohner zu befreien. Doch der hat die Mittel, sich zu wehren, setzt sie auch ein. So fährt dann einer der Zwillinge irgendwann Karusell am Flügel eines Windrads und es kommt noch schlimmer. Am Ende steht das große Chaos, das allerdings nicht jeder des Personals erlebt.

Es geht turbulent zu bei Agnes, dem Profitgeier, der Islam- und Alle-die-mit-diesem-Glauben-im-Land-sind Hasserin, der Egoistin, die nicht die geringste Empathie gegenüber ihren Kindern zeigt. Mit einem Wort: Eine äußerst miese Ratte!

Auch Leo Vangen kann da nichts schlichten, richten oder umstimmen. Und während alle subalternen Familienmitglieder dieser Ratte ausgeliefert sind, geht Rino seinen Weg, räumt ab, was abgeräumt werden muss. Zurück bleibt: NICHTS.

Fazit: Wenn dieser Punkt Fremdenhass und Islamhass nicht so im Mittelpunkt der Handlungsweise von Agnes stehen würde, könnte man bei Lesen ständig über die skurrilen Typen und absurden Szenen schmunzeln. Aber die Gegensätze sind es, die diesen „Ökokrimi“ – so im Untertitel ausgelobt – spannend und interessant machen.

– – – O – – –

Lars Lenth: Tödlicher Nordwind, erschienen bei Limes (2022), übersetzt von Frank Zuber., Vierter Band der Leo-Vangen-Reihe. Originaltitel: Norske Tilstander (2020)

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