Einbildung. Sonst nichts — SCHNEE von Yrsa Sigurðardóttir

Da ist vieles, was sich die Protagonisten einbilden – oder nicht?

Ein schreiendes Kind mit einem Schuh, Geräusche vor dem Zelt im Schnee ohne Spuren davor, seltsame Erscheinungen auf den Überwachungskameras an einer Radarstation, eine offene Haustür, die beim Verlassen des Hauses abgeschlossen wurde. Ein Islandkrimi, in dem es zu spuken scheint. Mit einer Legende über eine Wiedergängerin.

Das Island Yrsa Sigurðardóttirs ist überschaubar, lange Zeit jedoch nicht die Verknüpfung verschiedener Handlungsstränge und das Verbindungsgeflecht zwischen den Akteuren.

  • Die neuen Besitzer eines alten Hauses finden im Garten einen seit Jahren verbuddelten Kinderschuh.
  • Auf einer von den Amerikanern verlassenen Radarstation schiebt ein Mann der Küstenwache einsamen Dienst und erlebt seltsame Vorgänge.
  • Zwei hippe, Abenteuer suchende Pärchen schließen sich einem Wissenschaftler an, der bei widrigen Witterungsbedingungen ablegene Messgeräte kontrollieren will.
  • Ein Kater taucht in der Radarstation auf.
  • Wenig bekleidete Leichen werden bei extrem schlechtem Wetter während des Winters im Hochland gefunden.
  • Bei der Suche danach ist Johanna von der Rettungswacht dabei, humpelnd nach einem alten Unfall.

Was in der Aufzählung der Ereignisse chaotisch anmutet, ist auch so. Perspektiv- und Zeitwechsel bringen zunächst keine Klarheit, zwischendurch scheint es zu Spuken (siehe oben).

Alte Traumata und schlimme Erinnerungen bei den einen, bei den anderen Erlebnisse, die zu einem Trauma werden können. Dargestellt immer wieder in Ausnahmesituationen, die im Gehirn der Handelnden zu Täuschungen und Wahnvorstellungen führen.

Doch allmählich fügt sich zusammen, was geschah – vor langer Zeit, kürzlich und in der Gegenwart. Manches Rätsel löst sich schneller, das ganz große erst zum Schluss und überraschend.

Nicht immer ist die Story nachvollziehbar. Einiges bleibt wie die letzte Zeile des Thrillers lautet: Einbildung. Sonst nichts.

So hat Yrsa Sigurðardóttir um den Hauptstrang der Abenteuerer aus Reykjavik die sich einem Wissenschaftler auf einer Mission anschließen, die aus dem Ruder läuft, ein Gemenge geschaffen, das sowohl aus homogenen aber auch heterogenen Teilen besteht, dessen Qualität zu bewerten schwierig ist.

Nette Unterhaltung, bei der einige Fragezeichen zurückbleiben. Sonst nichts.

– – – O – – –

Yrsa Sigurðardóttir: Schnee. Erschienen im btb Verlag (2022), übersetzt von Tina Flecken

Originaltitel: Bráðin (Island, 2020)

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