Gamache geht voll ins Risiko: AUF KEINER LANDKARTE von Louise Penny

Nachdem Armand Gamache kräftig innerhalb der Sûreté du Québec aufgeräumt hatte – sie befreit von Korruption und anderen kriminellen Machenschaften und denen, die dafür verantwortlich waren – hatte er seinen Job als Leiter der Mordkommission aufgegeben. Mit Ehefrau Reine-Marie kaufte er in dem kleinen Ort Three Pines, der auf keiner Landkarte verzeichnet ist, ein Haus und ließ sichdort nieder. Es schien, als wollte sich der erfolgreiche Superintendent zur Ruhe setzen. Reine-Marie hat es aber schon geahnt als ihr Armand noch darüber nachdachte, den Dienst zu quittieren:

Armand hat getan, wozu er geboren ist. Mag sein, dass er den Posten aufgibt, aufhören kann er nicht.“ (Nachzulesen in DER VERMISSTE WEIHNACHTGAST, dem Band 9 der Reihe. Inzwischen hat Gamache zwei weitere Fälle geklärt. Und im vorliegenden Band erzählt Louise Penny vom 12. Fall für Gamache).

Armand Gamache ist wieder in den Polizeidienst zurückgekehrt. Er hat beobachtet, dass die angehenden Agents an der Akademie der Sûreté du Québec noch immer so ausgebildet werden, dass sie, statt für Gerechtigkeit zu sorgen, durch Grausamkeiten zu glänzen versuchen.

Gut, dass Gamache das Angebot annimmt, die Leitung der Akademie zu übernehmen und den Kadetten Moral und Mitgefühl auf ihren weiteren Berufsweg mitzugeben.

Riskant, dass Gamache zwar einen Teil der Professoren ersetzt, den übelsten jedoch auf seinem Posten belässt und noch einen anderen ehemaligen hochrangigen Sûreté-Beamten dazu holt, der wegen erheblichen Verfehlungen einst den Polizeidienst verlassen musste. Zudem trauern die Kadetten des Abschlussjahrgangs den alten Gepflogenheiten nach, sind gegenüber dem neuen Leiter der Akademie respektlos. Aber Gamache verfolgt mit seinen Entscheidungen noch ein anderes Ziel, dass er jedoch nicht kommuniziert. Dass es in dieser Gemengelage auch noch zu einem Mord kommt, hat er jedoch nicht einkalkuliert.

Parallel zu den Entwicklungen und Geschehnissen an der Akademie passiert jedoch auch in Three Pines etwas Unerwartetes: Bei Renovierungsarbeiten im Bistro des Ortes werden in einem zugemauerten Raum Dokumente gefunden, die dort hundert Jahre zuvor gelagert wurden. Das auffälligste Stück ist eine Landkarte aus der Gegend, auf der außer einigen zunächst unerklärlichen Symbolen der Ort Three Pines eingezeichnet ist. Der Ort, der sonst nie auf kartografischem Material auftaucht. Die Bewohner des Dorfes, einschließlich Gamache, wollen das Geheimnis dieses einmaligen Fundes aufklären.Um so verwunderlicher ist Gamache, als bei dem Toten in der Akademie eine Kopie der Landkarte entdeckt wird.

Ein Geheimnis ist auch, wie Teile von Gamaches Fingerabdrücken auf die Mordwaffe gekommen sind, die dieser angeblich nie in Händen hielt. So kommt es, dass der große (oder ehemals große?) Armand Gamache des Mordes verdächtigt wird. Ebenso wie einige der Kadetten, ebenso wie einige Professoren der Akademie.

Zum Schluss erreicht der neue Leiter seine Ziele, auch das von ihm heimlich anvisierte. Vor allem aber sein Vorhaben, die Kadetten zu rechtschaffenen Polizisten der Sûreté zu formen, wobei „Das Ziel des Lebens nicht ist, auf Seiten der Mehrheit zu stehen, sondern aus den Reihen der Wahnsinnigen auszubrechen“.

Kein Geheimnis mehr ist schließlich die Landkarte, die in Olivers Bistro gefunden wurde.

Und geklärt wird auch, weshalb Gamache einer bereits abgelehnten Bewerberin doch ermöglicht, ihre Ausbildung an der Akademie zu beginnen.

Gamache hat wieder ganze Arbeit geleistet! Wie es als Originaltitel heißt: A Great Reckonig.

Und Louise Penny hat ein weiteres Mal die Bewohner und Freunde von Armand Gamache, dessen Nachfolgerin bei der Mordkommission und die Familie Gamache begleitet, wie die ihren Freund, Nachfolger im Amt, ihr Familienoberhaupt auf dem schweren Weg, für Gerechtigkeit und Moral zu sorgen, unterstützen. Aber – das wissen Armand und seine Frau Reine-Marie – Ziele wurden erreicht, doch das Böse wird wieder aufpoppen und wieder könnte gesagt werden: „Armand hat getan, wozu er geboren ist. Mag sein, dass er den Posten aufgibt, aufhören kann er nicht.“

Es ist einiges, was Louise Penny in Auf keiner Landkarte untergebracht hat:

Neben der Trockenlegung des Akademiesumpfes auch alte, traurige Geschichte aus der Zeit des I. Weltkriegs sowie eine persönliche Gamaches. Dann sind da noch die zahlreichen Literaturzitate wie das oben zitierte aus dem Werk von Aurelius, besonders aber die Zitate der berühmten und verrückten Ruth Zardo, Einwohnerin von Three Pines, die mit ihrem ungewöhnlichen Auftreten und ihrer Ente Rosa in keinem Band der Gamache-Reihe fehlen darf. (Dazu würde Rosa sich mit „Fuck, Fuck, Fuck“ äußern.)

– – – O – – –

Louise Penny: Auf keiner Landkarte, Kampa Verlag (2022), Übersetzung: Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck

Originaltitel: A Great Reckoning (USA, 2016)

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