Ian Rankin: Ein Versprechen aus dunkler Zeit

Wieder einmal erweist sich Ian Rankin als Meister im Auslegen von „Red Herrings“.

Es ist eine vertrackte Situation in der sich Rebus‘ Tochter Samantha befindet: Ihr Mann Keith ist verschwunden und einiges deutet darauf hin, dass sie damit etwas zu tun hat. Samantha hatte ein Verhältnis zum Boss einer seltsamen Kommune, die sich in der Nähe ein Stück Land gepachtet und dort niedergelassen hat.

In dieser Situation bittet sie ihren Vater um Hilfe, Keith wiederzufinden. Der macht sich sofort auf den Weg von Edinburgh nach Naver an die Küste Schottlands hoch im Norden. Zunächst wird das verlassene Auto von Keith gefunden, danach entdeckt Rebus dessen Leiche in einem längst verlassenen Lager, das zu Zeiten des 2.Weltkriegs als Gefangenenlager für Ausländer und kriegsgefangene Deutsche diente. Keith Obzession war es, die Geschichte des Camps aufzuzeichnen und daraus eine Erinnerungsstätte als Touristenmagnet zu machen.

Nun ist er ermordet und von der zuständigen Polizei wird Samantha verdächtigt, ihren Mann erschlagen zu haben. Unvorstellbar für Rebus, dass seine Tochter dieses Verbrechen getan haben könnte, obwohl – … so ganz ohne Zweifel ist er nicht. Und so macht sich der ehemalige Inspector auf die Suche nach dem Täter, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Dabei gerät Rebus immer wieder mit dem ermittelnden Beamten Creasey aneinander, wenn er ihm zu vermitteln versucht, was bei Gesprächen mit alten Bewohnern des Ortes zu erfahren war. Menschen, die im Camp gefangen gehalten wurden, dort arbeiteten oder in anderer Verbindung zu dem Lager standen. Doch alle Versuche, Creasey auf eine andere Spur zu bringen, scheitern zunächst.

Hilfe bei seinen Recherchen erhofft sich John Rebus von Siobhan Clarke, einer ehemaligen Kollegin und Freundin, die sich in Edinburgh allerdings mit der Aufklärung eines anderen Mords beschäftigen muss. Und wie der Zufall so will, gibt est eine gewisse Schnittmenge, in der sich einige der Akteure bewegen. Doch dadurch werden die Ermittlungen hier und dort nicht einfacher sondern komplizierter.

Aber da Ian Rankin nicht nur ein Meister im Auslegen von „Red Herrings“ ist, sondern auch von komplexen Handlungen, gelingt es ihm, die Spannung steigen zu lassen und Neugier zu erzeugen. So verstrickt die Fälle auch zu sein scheinen, so trivial sind die Motive und letztlich auch die Auflösung.

Bei diesem 23. der John-Rebus-Romane kann sich der Autor sicher sein, das seine Leserschaft aufmerkam jede Wendung der Story verfolgt und spekuliert, wer denn für den Tod von Keith verantwortlich ist, wer für den Toten in Edinburgh. Dabei stößt man auf interessante Charaktere, von Rankin vortrefflich gezeichnet und in Szene gesetzt.

So ist es kein Wunder, wenn die Fans der Rebus-Reihe nach dem Zuklappen des Buches nun auf die Nr. 24 warten.

– – – O – – –

Ian Rankin: Ein Versprechen aus dunkler Zeit, erschienen im Goldmann Verlag (2022), übersetzt von Conny Lösch

Titel der Originalausgabe: A Song For The Dark Times (GB, 2020)

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