Matthias Wittekind, Rainer Wittkamp: Fabrik der Schatten

1910. Das Verhältnis zwischen der Republik Frankreich und dem Deutschen Kaiserreich ist bereits wieder – oder immer noch? – gestört. Es hat den Anschein, dass beide Seiten sich auf einen erneuten Krieg vorbereiten.

Da passiert bei Bingen ein Zugunglück. Es gibt mehrere Tote. Nachdem dabei auch Schüsse fallen, flüchten Männer, die Französisch sprechen. Innerhalb des deutschen Geheimdienstes ist man unterschiedlicher Auffassung. Eine gewöhnliche Schießerei zwischen Gaunern oder Tat französischer Agenten auf deutschem Gebiet?

Das Misstrauen innerhalb des deutschen Geheimdienstes in Person von Oberst Lassberg, Leiter der Abteilung Inlandsspionage, und dem Leiter der Spionage Frankreich, Major Craemer prägen diesen Roman.

Dabei geht es nicht nur um den Zwischenfall an dem Bahnübergang bei Bingen, sondern auch um Ereignisse bei der Überführung von drei französischen Flugzeugen, die als Muster für den geplanten Lizenzbau bei den Albatros Flugzeugwerken in Johannisthal dienen sollen. „Flugapparate“, die vordergründig im Postdienst und der Personenbeförderung eingesetzt werden sollen, in Wahrheit jedoch für die Fliegertruppe des deutschen Heeres zum Einsatz kommen sollen.

Die Albatros Flugzeugwerke gab es, auch den Kauf der Flugzeuge und die Überführung aus Frankreich. So ist zu erkennen, dass dieser „Historische Kriminalroman“ auf harten historischen Tatsachen beruht. Auch einige handelnde Personen existierten tatsächlich.

Hauptstrang der Fiktion ist der Versuch von Major Craemer zusammen mit einer Agentin aus seinem Team sowohl den Vorfall bei Bingen als auch das, was bei der Überführung der Flugzeuge passierte, aufzuklären. Dabei werden ihnen einige Schwierigkeiten bereitet, wobei sich die Agentin als äußerst clever erweist – nicht nur in ihrem Handeln, sondern auch auf ihrem Weg zu dieser Aufgabe.

Beim Lesen sind Ungewissheit und Spannungen zu spüren, die zu der Zeit in Hinsicht auf einen bevorstehenden Krieg in Wehrmacht und beim Geheimdienst herrschten, die dazu führten, dass sich mit diversen Unternehmungen auf ein Kriegsszenario vorbereitet wurde.

Die Verknüpfung von Fakten und Fiktion ist Matthias Wittekindt und Rainer Wittkamp vorzüglich gelungen. Herrlich darin auch die Schilderung, wie abenteuerlich zur damaligen Zeit die Fliegerei war und welche Mühe es den Piloten machte, die Flugapparate zu beherrschen.

– – – O – – –

Matthias Wittekindt und Rainer Wittkamp: Fabrik der Schatten, erschienen im Wilhelm Heyne Verlag (2022)

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