Tom Hillenbrand: Goldenes Gift

Zum 7. Mal riskiert der luxemburgische Koch Xavier Kieffer in einem „kulinarischen Krimi“ sein Leben, als er in Sachen Honig versucht, hinter die Machenschaften von Honigpanschern und weitaus kriminelleren Subjekten zu kommen, die versuchen, mit illegalen Tricks im Honiggeschäft Geld zu verdienen.

Auch seine Freundin, Valerie Gabin, Erbin des legendären Verlags, der den berühmten französischen Restaurantführer lange Zeit in gedruckter Form herausgab, ist auf eigenartige Vorgänge in diesem Metier gestoßen. Valerie zunächst in Kalifornien, wo Bienenstöcke nachts auf dubiose Weise verschwinden und am nächsten Tag wieder auftauchen, Xavier quasi vor der Tür seines Restaurants „Deux Eglises“ in Luxemburg-Stadt. Dort hat der Koch einige Bienenstöcke von einem Stadtimker aufstellen lassen, die Pacht erhält er in Form von Honig.

Als jener Stadtimker einige Beuten auf dem Hochhausdach einer Versicherung überprüfen will, kommt dieser jedoch auf mysteriöse Weise zu Tode. Startschuss für Kieffer, sich für die Todesursache zu interessieren.

So bemerkt der Hobby-Ermittler, dass Bienenstöcke des toten Stadtimkers verschwinden, ohne zunächst festgestellen zu können, wer die Beuten „erntet“. Der clevere Kieffer schafft es, herauszufinden, wer der Dieb ist. Das Motiv bleibt jedoch zunächst im Dunkeln.

Ergebnisse ihrer Schnüffelei führen Valerie ins saarländische Merzig, von da nach Paris. Sie macht einen Zwischenstopp in den Hallen von Rungis, saust anschließend nach Bremen. Alles um zu verfolgen, wie Honigproben durch halb Europa zu einem Analyselabor in der Stadt der tierischen Stadtmusikanten geschippert werden und um zu erfahren, was die Proberöhrchen wirklich enthalten. Doch damit nicht genug. Forscher der Uni Saarbrücken scheinen eigenartige Experimente mit Bienen zu machen. Und das interessiert Valerie ebenso, die sich als Foodjournalistin ausgibt und ihren Gesprächspartnern vorgaukelt, sie sei an neuen Entwicklungen auf dem Gebiet der Bienenzüchtung und der Honigherstellung interessiert. Dabei geht es für Valerie nicht ohne Blessuren ab.

Heftig wird es dann beim Showdown für Kieffer, nachdem er zwischendurch schon einige Male dem Tod entkommen ist. Neben recht plumpen Machenschaften, sind es äußerst raffinierte und illegale Projekte, die um die Bienen herum von dem Pärchen Valerie und Xavier aufgedeckt werden.

Dabei lernen die Leser die immer geschickteren Verfahren kennen, einen Super-Allpass herzustellen, der mit einfachen Analysemethoden nicht erkannt werden kann. Wie das durch Transshipping zusätzlich verschleiert werden kann, erscheint fast als Nebeneffekt.

Abenteuerlicher, aber deshalb nicht abwegiger ist das, was mit dem CRISPR-Verfahren erreicht werden kann. Zu welchen Ergebnissen der Einsatz der Genschere führen könnte, wird hier anschaulich dargestellt.

Tom Hillenbrand hat damit partiell einen Wissenschaftsthriller geschaffen, der in einen Krimi mit viel luxemburger Lokalkolorit eingebunden ist. Aber auch die Probleme der industriellen Landwirtschaft auf die Bienenhaltung und die Bedeutung der Insekten als Bestäuber werden thematisiert.

Die Bedeutung der Bienen für die Umwelt bis zur Honigpanscherei in einem Pott – besser: einem Buch beschrieben – mit Kieffer und dessen Freundin als Helden zwischen lëtzebuerger Bouneschlupp und goldenem Gift, Mord und Genschere, ein gelungenes Rezept aus der Krimiküche Tom Hillenbrands.

– – – O – – –

Tom Hillenbrand: Goldenes Gift,

erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch (2021)

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