Ein Wissenschaftsthriller von Kathrin Lange und Susanne Thiele: PROBE 12

Vorbemerkung:

Als Freund spannender Kriminalliteratur und Naturwissenschaftler habe ich oftmals Probleme mit „Wissenschaftskrimis“. Nicht bei diesem Thriller.

Die Autorinnen, Susanne Thiele (Mikrobiologin und Biochemikerin) und Kathrin Lange (erfolgreiche Romanschriftstellerin) vermeiden mit ihren speziellen Kenntnissen die Schwächen, die derartige Krimis oder Thriller üblicherweise „auszeichnen“: zu wissenschaftslastig ohne große Spannung, oder – alternativ – fernab jeglichen Fachwissens, dilettantisch, zum Teil „fakehaft“, Spannung mehr oder weniger vorhanden, jedoch sind es stets üble Machenschaften der Industrie bzw. deren Vertreter, denen dabei zumeist klischeehaft das Böse angeheftet wird.

Kathrin Lange und Susanne Thiele bilden in diesem Subgenre mit wenigen anderen eine rühmliche Ausnahme.

Zum Buch:

Was kann getan werden, um uns gegen Bakterien zu schützen, die antibiotkaresistent und inzwischen das Leben zahlreicher Menschen gefährden und auch zum Tode führen?

In einem Institut in Tiflis ist Georgy Anasias offenbar der Durchbruch in der Phagen-Forschung gelungen. Doch statt der Welt die neuen Heilsbringer für die mögliche Therapieüberlassen zu können, fühlt sich der Forscher bedroht. Es gelingt ihm noch, die Ergebnisse seiner Arbeit an eine vertrauenswürdige Person zu senden, dann wird er ermordet, und das Forschungsgebäude fliegt in die Luft. Während einige kriminelle Kräfte die Jagd nach den Unterlagen aufnehmen, kämpft Sylvie, Tochter des Foodhunters Tom, um ihr Leben. Sie hat sich einen dieser resistenten Keime von ihrem Vater eingefangen, der nun nach einer alternativen Methode zur Heilung seiner Tochter fahndet, nachdem diese „austherapiert“ ist. Zudem ist eine alte Bekannte Anasias‘ in die Geschichte involviert. Nina war zur Zeit des Mordes in Tiflis und erfuhr dort, dass es gelungen war, Proben und das Laborjournal nach Berlin zu Max Seifert, einem Lobbyisten, zu schicken. Bei ihm lernt Nina bei Nachforschungen den Vater der kranken Sylvie kennen. Doch bevor sie die Superphagen anwenden können, erscheinen die Jäger, die es auf die Ergebnisse abgesehen haben, bereit, jedes Mittel einzusetzen, um in den Besitz der Forschungsergebnisse zu kommen.

Der Hintergrund:

Die Gefahr, die von multiresistenten Keimen ausgeht ist bekannt. Der MRSA, auch Krankenhauskeim genannt, ist der derzeit prominenteste. Nicht so geläufig ist das Wissen über Bakteriophagen, „verschiedene Gruppen von Viren, die auf Bakterien als Wirtszellen spezialisiert sind und sie töten, um sich zu vermehren“. (aus dem Glossar am Ende von Probe 12). In Osteuropa wird die „Phagentherapie“ seit Jahrzehnten bereits angewendet, während in Deutschland und anderswo mit dem Ziel geforscht wird, Phagen als Arzneimittel zuzulassen,

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt dieses Projekt mit 4 Millionen Euro über vier Jahre. (Quelle: https://www.item.fraunhofer.de/de/leuchtturm-projekte/bakteriophagen.html). In meinen Augen ein „Fliegenschiss“, misst man den Betrag an der Bedeutung des Projekts.

Fazit:

Aus Sicht des Naturwissenschaftlers in mir ein Buch, mit dem es dem Autorenduo gelingt, ein aktuelles Thema wissenschaftlich verständlich darzustellen und auch die (gesundheits-)politische Bedeutung angemessen zu beschreiben.

Aus der Perspektive des Krimifans ein spannender Plot, vielschichtig und mit einem Ausgang, der sich lange nicht erahnen lässt.

Eine aktuelle Story mit hohem Unterhaltungswert, geschickt verknüpft mit einer verständlichen Wissensvermittlung, die niemals nervt.

– – – O – – –

Am Schluss des Buches werden in einem kleinen Glossar einige Fachbegriffe erklärt, außerdem geben die Autorinnen noch ein paar Tipps zur Vertiefung in das Thema. In einem Nachwort erläutern sie, in welchem Verhältnis Fiktion und Realität stehen. Eine gute Ergänzung.

– – – O – – –

Kathrin Lange, Susanne Thiele: PROBE 12, erschienen bei Lübbe (2021)

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2 Antworten zu Ein Wissenschaftsthriller von Kathrin Lange und Susanne Thiele: PROBE 12

  1. Stefan Heidsiek schreibt:

    Schöne Besprechung, auch wenn mich selbst das Buch null anspricht. Gottseidank, wird sonst langsam teuer. 😀
    LG und schönen 2. Advent
    Stefan

  2. Petra Wiemann schreibt:

    Ich fand das Buch auch spannend und kurzweilig. Vor allem die wissenschaftlich fundierte Darstellung von Phagen. Die scheinen ja eine Menge Potential zu haben.
    Herzliche Grüße
    Petra

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