LOUISE PENNY: UNTER DEM AHORN – Der achte Fall für Gamache

Tief in den Wäldern der kanadischen Provinz Québec liegt das Kloster des Mönchsordens der Gilbertiner. Ein Orden, der bis vor Kurzem als nicht mehr existierend galt. Heimlich hatten sich deren Mönche vor Hunderten von Jahren der Inquisition entzogen, waren als Auswanderer nach Kanada gekommen und sich dort versteckt angesiedelt. Aufmerksam wurde die Welt erst wieder auf sie, als auf einer CD herrlich – sozusagen göttlich – gesungene alte gregorianische Choräle von ihnen auftauchten. Nun wird der Leiter der Mordkommission der Súreté du Québec, Armand Gamache, in das Kloster gerufen, denn dort wurde der Prior und höchst angesehene Chorleiter ermordet unter einem Ahornbaum im Garten des Abts aufgefunden.

Eine typische Looked-Room-Situation. Dennoch gestalten sich die Ermittlungen für Gamache und seinen mitgereisten Inspector Beauvoir als schwierig, denn die Mönche sind an ein Schweigegelübte gebunden und zunächst nicht gerade redselig. Außerdem ist das Verhältnis der Mönche nicht so harmonisch wie ihr Gesang der Choräle. Es gibt zwei Lager: das des Abts und die Anhänger des ermordeten Chorleiters. Das erkennen Gamache und Beauvoir recht schnell, während sie sich dem Tagesablauf und den Regeln des Klosters anpassen. Dass der Mord in irgendeiner Form mit den Chorälen zusammenhängt, merken die Ermittler ebenso. Zahlreiche Gespräche mit den Mönchen und ihrem Abt folgen. Es geht dabei nicht nur um den Mord, sondern auch um Glauben, Moral, Ethik, die Schönheit der gregorianischen Choräle und den herrlichen Stimmen ihrer Sänger, die Geschichte der Gilbertiner und vieles mehr.

Das alles – wie es sich im Kloster gehört – ohne Hektik, zudem ohne besondere Spannung– wie es sich für einen Krimi nicht üblich ist. Mit einem Wort: Beim Lesen stellt sich Langweile ein.

Durch einen Kniff versucht Louise Penny, den für Krimileser üblen Makel abzuwenden: Superintendent Sylvain Francoeur, Gamaches Vorgesetzter erscheint im Kloster. Beide verbindet, dass sie sich nicht leiden können. Zunächst rätselt Gamache, was sein Vorgesetzter mit dem Besuch beabsichtigt. Doch Francoeur will es gar nicht verheimlichen. Er sucht nach Mitteln und Wegen, Gamache aus der Truppe zu werfen, versucht sich dabei Beauvoir zu bedienen, indem er einen alten Fall (Heimliche Fährten) wieder aufrollt, der fürchterlich schief gegangen ist, bei dem vier Agents von Terroristen erschossen und Beauvoir selbst schwer verletzt wurde. Die Leitung der Aktion hatte Gamache. Mit dem üblen, intriganten Spiel Francoeurs kommt die Action und Spannung auf, die in dem roten Faden der Mordermittlungen vermisst wird. Als dann auch noch ein Gesandter aus dem Vatikan auftaucht, gerät die Suche nach dem Mörder des Chorleiters fast gänzlich aus dem Focus des Lesers. Aber wie es so ist, letztlich fügt sich einiges zusammen, Francoeur und sein Part bleibt allerdings ein Fremdkörper in dieser Story, wenn man davon absieht, dass sein Verhalten dazu führt, dass Beauvoir sich offiziell als Liebhaber von Gamaches Tochter outet, aber hinter dieses, für das Pärchen und auch für Gamache erfreuliche Verhältnis, war der clevere Chief Inspector sowieso schon gekommen.

Schließlich wird der Mörder identifiziert, wobei es für aufmerksam Lesende keine Überraschung bedeutet. Und wenn keine weiteren Mönche gestorben sind oder sie stimmlich geeignete Nachfolger finden, werde sie weiter mit dem Segen der katholischen Kirche ihre gregorianischen Choräle im Kloster tief in den Wäldern der Provinz Quebec singen können. Die Inquisition ist für die Gilbertiner Geschichte.

Stimmig ist der Gesang der Mönche, die Story ist es nicht. Sollen es die Zerwürfnisse in unterschiedlichen Organisationen – Kloster, Polizei – sein, in denen üblicherweise Loyalität ein hohes Gut ist, die hier gegenübergestellt werden. Es ist nicht meine Intention, über Interpretationsmöglichkeiten zu spekulieren. Mit Louise Penny verbinde ich Three Pines, ihre Bewohner mit den unterschiedlichen Charakteren, deren Schrulligkeit, dem kleinen Hickhack und Eifersüchteleien untereinander, sowie einen Gamache, der mit Intellekt und Empathie ein Teil davon ist.

Möge Louise Penny zu einem derartigen Setting zurückkehren, dann werde ich ihr gern weiter folgen.

– – – O – – –

Louise Penny: Unter dem Ahorn, DER ACHTE FALL FÜR GAMACHE

Übersetzung: Sepp Leeb, erschienen im Kampa Verlag

Originaltitel: The Beautiful Mystery (USA, 2012)

– – – O – – –

Eine weitere Meinung von Maike Claußnitzer zum Buch auf dem Blog Ardeija: hier

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