Vergebung hat ihre Grenzen. ATTICA LOCKE: HEAVEN, MY HOME

Zeit der Handlung: 2016, nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA

Ort der Handlung: Marion County (Texas), dessen Verwaltungssitz Jefferson, Lake Caddo mit Hopetown, eine Gemeinde befreiter Sklaven

In abendlicher Dunkelheit ist Levi King verschwunden, Sohn eines Bosses der Arischen Bruderschaft Texas (ABT). Levi wohnt mit Mutter, deren Lover und Schwester in einem Trailerpark im Hopetown, der Vater sitzt seit etlichen Jahren und noch für lange Zeit im Knast. Zoff zwischen den Nachfolgern der befreiten Sklaven, denen das Land gehört, auf dem weißer Mob sich mit Trailern eingerichtet hat, ist an der Tagesordnung. Und die Besatzer erwarten nach der Wahl Trumps noch mehr Rechte und das weitere Aufblühen der ABT.

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In dieser Situation wird der Texas Ranger Darren Mathews nach Hopetown geschickt, vordergründig um das vermisste Kind zu finden. Seinen Vorgesetzten geht es aber mehr darum, dass der Ranger Beweise findet, um der ATB vor Trumps Inauguration zu zerschlagen. Nicht leicht für Darren, der afroamerikanischer Herkunft ist. Zudem hängt noch eine alte Sache an ihm, bekannt aus dem Vorgänger-Band Bluebird, Bluebird, eine Geschichte, bei der er immer noch nicht reingewaschen ist von dem Verdacht zu wissen, wer einen Bruder der ATB umgebracht hat. Und mit seiner Ehe steht es auch nicht zum Besten.

In Hopetown erlebt Darren eine verworrene Situation. Die Mutter fleht ihn an, Levi zu finden,. Ein Großteil der Weißen vor Ort gehen davon aus, dass der Junge tot ist, hat auch schon den vermeintlichen Mörder gefunden: ein Schwarzer namens Page, der den Jungen als Letzter gesehen hat. Der Sheriff vor Ort kommt zu keinem anderen Ergebnis. Könnte ja auch so sein, da der neunjährige Levi den alten Page mehrmals rassistisch beleidigt hat. Als das FBI sich auch noch einmischt und Greg, einen alten Kumpel von Darren, mit der Klärung des Falles beauftragt, gehen die Ermittlungen zur Verärgerung des Rangers ebenfalls in diese Richtung. Dabei verfolgt der der FBI-Mann ganz eigene Interessen: Kann er Page den Mord an Levi nachweisen, einen Hassmord eines Schwarzen an einem weißen Kind, kann das in diesen Zeiten, in denen sich Trump an die Spitze des Staates setzt und das Justizministerium entsprechend umpolt, der Karriere förderlich sein.

Für Darren ist es schwierig, klar zu denken – und Jim Beam hält ihn auch zeitweise davon ab. Eigenartiges Verhalten von Levis Großmutter, der heimlichen Herrscherin in Jefferson, aber auch vom alten Page und dessen Sippe verunsichern ihn. Als sich dann noch der Vater des Vermissten aus dem Gefängnis einschaltet und Darren sprechen will, wird die Geschichte für den Ranger noch verworrener. Alles scheint zusammenzuhängen. Und immer wieder sind es zwei Fälle – den des vermissten Levi und seinen eigenen-, die er lösen muss in einem Gemenge von historischer Entwicklung, Rassismus, Misstrauen, Hass und Verrat. Das schon lang andauernde Gegeneinander von Weiß auf der einen, Schwarz und First Nations auf der anderen Seite – und kein Ende ist in Sicht.

Attica Locke hat diese Verhältnisse aus der Perspektive nach der Trump-Wahl beeindruckend dargestellt. Ein lautes „Weiter so“ dazu von mir in dreierlei Hinsicht:

An Attica Locke gerichtet, dass sie diese Thematik weiter so in ihren Romanen behandeln möge,

an die weißen Trumpianern bis zu der ABT in sarkastischem Ton,

an die Schwarzen, „die versöhnlichsten Menschen der Welt“, wobei wir wissen „Vergebung hat ihre Grenzen“.

– – – O – – –

Attica Locke: Heaven, My Home, übersetzt von Susanna Mende, herausgegeben von Wolfgang Franßen, erschienen im Polar Verlag (2020), Originaltitel: Heaven, My Home (USA, 2019)

– – – O – – –

  1. Band mit Texas Ranger Darren Mathews: Bluebird Bluebird
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2 Antworten zu Vergebung hat ihre Grenzen. ATTICA LOCKE: HEAVEN, MY HOME

  1. karu02 schreibt:

    Hm, beim Titel bin ich über „seine“ Grenzen gestolpert. Muss es nicht ihre Grenzen heißen? Oder fange ich schon an zu spinnen in der ländlichen Einsamkeit?

  2. Philipp Elph schreibt:

    Die ländliche Einsamkeit lässt den Blick auf die Realität bewahren. Danke.

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