Henrik Siebold: Inspektor Takeda und die stille Schuld


Schon im Prolog wird offensichtlich: Ein Mensch mordet, nicht Lisa, der neuartige humanoide Roboter im feinen Seniorenheim. Bis aber Claudia Harms von der Hamburger Mordkommission und Inspektor Takeda, Austauschpolizist aus Japan, die Frage nach Täter und Motiv beantworten können, gibt es haufenweise Vermutungen, Unterstellungen und Missverständnisse.

Als die beiden nachts zu einem Brand im der noblen Residenz gerufen werden, bei dem acht Bewohner sterben, muss zunächst geklärt werden, ob es sich um Brandstiftung handelt. Ja, das Feuer wurde gelegt, Zeugen für das nächtliche Ereignis gibt es nicht.

Nachdem es zunächst nach eitel Sonnenschein in der Anlage aussieht, wird den Ermittlern bald klar, dass es etliche Personen im Umfeld der Senioren gibt, die schon darüber nachgedacht haben, zum Brandbeschleuniger zu greifen und die Hütte abzufackeln. Mehr und mehr gerät dabei die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ins Blickfeld und somit auch Lisa, ein japanischer Pflegeroboter, ausgestattet mit einer großen Menge künstlicher Intelligenz, äußerst lernbereit, mit Potenzial, die Pflegekräfte zu entlasten oder gar zu ersetzen. Brandstiftung aus Frust oder mit dem Ziel Lisa zu zerstören, oder kommt Lisa durch bewusste Manipulation oder Fehlsteuerung selbst als Täter infrage? Dabei befindet sich Lisa erst in der Erprobungsphase für den deutschen Markt.

Ein Joint Venture zwischen dem japanischen Hersteller und dessen deutschem Partner ist dabei, den Roboter auf die speziellen deutschen Verhältnisse anzupassen. So zu konditionieren, dass Lisa durch Beobachten der Pflegekräfte mit Hilfe der KI ihre Fähigkeiten selbst verbessern kann. Das alles müssen Harms und Takeda zunächst erkennen und verstehen, ein japanischer Entwickler des Pflegeroboters unterstützt sie dabei. Allerdings bleiben Fragen, wozu der Roboter tatsächlich fähig ist, unbeantwortet.

Als an anderen Orten, an denen ebenfalls eine Lisa arbeitet, ebenfalls Feuer ausbricht und Tote zu beklagen sind, wird die Aufgabe der Ermittler nicht einfacher. Doch schließlich werden Zusammenhänge erkannt, und, wie es sich für einen braven Whodunit gehört, der Fall gelöst.

Neben den sozialen Aspekten – Arbeitsbelastung des Pflegepersonals und teilweiser Ersatz menschlicher Arbeitskraft durch eine Maschine – sind der Einsatz von Robotern und die Möglichkeiten, sie mit künstlicher Intelligenz auszustatten das zentrale Thema dieses Buches. Sogar der Aspekt, inwieweit ein Roboter soziale Kontakte ersetzen und „menscheln“ kann, wird hier diskutiert. Garniert wird die Story durch eine Beziehungskrise des Ermittlerpaars, das sich in vorhergehenden Bänden der Takeda-Reihe recht nahe gekommen ist (Merke: Liebe am Arbeitsplatz geht meist schief). Der eigentliche Skandal, um den es jedoch geht, wird schließlich überraschend aus der Geschichte hervorgezaubert. Wenn dann noch die Sicht der Japaner auf die deutsche Lebensweise augenzwinkernd vom Japankenner Henrik Siebold einfließt, ergibt dieser Krimi eine nette Unterhaltung mit einem interessanten Touch Science Fiction.

Ob nun Lisa in der Zukunft oder Alexa in der Gegenwart, wir müssen uns auf die KI einstellen, denn

Was gestern Science Fiction war, ist heute Realität.

– – – O – – –

Henrik Siebold: Inspektor Takeda und die stille Schuld, Aufbau Verlag (2021)

Dieser Beitrag wurde unter Rezension abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.