Fred Sellin: Nur Heringe haben eine Seele

Fred Sellin hat sich bemüht, aus einem riesigen Konvolut von Akten zu, von und über den Serienmörder Rudolf Pleil einen „True Crime-Roman“ zu schreiben, der das Leben und Wirken Pleils beinhaltet. Kernstück der Gerichts- und Ermittlungsakten ist die Sammlung mehrerer Kladden in denen der selbsternannte „beste Totmacher“ seine Taten und die Gründe dafür aufgeschrieben hat.

Fakt ist, dass Pleil zunächst 1947 zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, weil er einen Kaufmann, den er im Harz aus der britischen in die russische Zone schmuggeln wollte, erschlagen hat. Während er sich nach der Tat recht dumm angestellt hat und kurz danach verhaftet und verurteilt wurde, musste er die Ermittlungsbehörden auf von ihm verübte Morde an zahlreichen Frauen in den Jahren davor hinweisen.

Blut zu sehen und sexuelle Lust dabei zu spüren, war überwiegend sein Motiv.

Im vorliegenden Roman berichtet Pleil in der „Ich-Form“ ausführlich darüber und selbstverständlich auch darüber, dass die Basis für dieses Verhalten in seiner schlechten Kindheit lag. Ob es nun 12 Verbrechen an Frauen waren, wie ihm das Gericht nachgewiesen hat oder 25 oder gar noch viel mehr – das behauptet Pleil – ist sekundär. Die hohe Zahl aber nicht nur ein Zeichen der kriminellen Energie, sondern besonders ein Zeichen der Prahlerei mit seinen Taten.

Es handelt sich um abscheuliche Taten und widerwärtiges „Gequatsche“, die der Autor vom Täter erzählen läßt, unterbrochen immer wieder von Protokollen der Gutachter und Ermittler sowie Briefen von Angehörigen.

Unter dem Mäntelchen, dass hier ein Tatsachenroman entstanden sei, „der auf bemerkenswerte Weise Einblick gibt in die seelischen Abgründe eines Serienmörders“, ist hier in einer Form ein Roman verfasst worden, der sicherlich nahe an dem, was Pleil trieb und dachte geschrieben. Damit ist dem Triebtäter und Serienmörder posthum – er starb durch Suizid 1957 in seiner Zelle – eine Plattform erstellt, die er meiner Ansicht nach nicht verdient hat. Jedenfalls nicht in der Form dieses sogenannten Tatsachenromans, der dadurch einen gewissen Wert erlangt hätte, wenn in einem Nachwort eine kritische Betrachtung über des Täters angestellt worden wäre, ebenso wie eine zeitgeschichtliche Einordnung in die Wirren der Nachkriegszeit mit den Schleppern von Ost nach West und umgekehrt. In einer Nachkriegszeit, in der zum Überleben auch einige Verhalten gehörten, die nicht legal waren, jedoch nie ein Morden aus niedrigen Beweggründen wie bei Rudolf Pleil.

– – – O – – –

Fred Sellin: Nur Heringe haben eine Seele, Droemer Verlag (2020)

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