William Boyle: Eine wahre Freundin

IMG_0093Skurrile Typen prägen die Geschichte, die zu einer wahren Freundschaft führt. Dabei sind es nicht nur Wolfstein und Rena, die wie Wolfstein durch eine bizarre Vita als ehemaliger Pornostar und späterer Abzockerin alter Männer glänzen. Oder Rena, die Jahrzehnte lang als brave Ehefrau an der Seite eines ausgebufften, hoch angesehenen Mafioso lebte und nun als Witwe einen aufdringlichen Verehrer mit einem schweren Aschenbecher erschlägt, sich seinen Oldtimer schnappt und in ein neues Leben aufbricht, das sie so gar nicht plant.

Auch andere Akteure haben Anteil an diesem ungewöhnlichen Krimi. Egal, ob sie schließlich überleben oder nicht.

Es sind – in willkürlicher Reihenfolge – Renas Tochter Adrienne, zu der der Kontakt abgebrochen ist, bei der Rena jedoch nach dem kleinen Zwischenfall mit dem Aschenbecher versucht unterzukommen, Adriennes fünfzehnjährige Tochter Lucia – ein toughes Mädchen, gestählt durch das herrische Verhalten ihrer Mutter. Dazu der Lover Adriennes, nicht das schärfste Messer im Köcher der Mafiafamilie zu der auch Renas Mann zählte, aber irgendwann mit einem Koffer voller Geld ausgestattet, dann ein Mafioso, dessen „Markenzeichen“ Morde per Hammer sind. Weitere schräge Vögel und eine Weggefährtin von Wolfstein tauchen auch noch auf.

Schon allein diese Zusammenstellung lässt erahnen, dass auf dieser Krimibühne eine höchst interessante und rasante Vorstellung geboten wird. Und so ist es auch:

Nachdem Rena ihren aufdringlichen Liebhaber zu Boden geschickt hat, an der Haustür ihrer Tochter abblitzt, findet sie Zuflucht bei Wolfstein, die gegenüber von Adrienne wohnt.

Während Adrienne Besuch von Lover Richie und dessen prall gefüllten Aktenkoffer erhält, taucht bei Wolfstein ein Typ auf, dem sie vor Jahren etliche Tausender abgenommen hat. Der will nun sein Geld zurück und als Zugabe Wolfstein heiraten, was bei dieser keine Begeisterung auslöst. Auf der Suche nach Richie und dem Aktenkoffer taucht in dieser Situation der Hammermörder auf. Er will Richies Beute und sich an Richie rächen, da dieser bei seinem Coup etliche Kollegen des Hammerschwingers abgeknallt hat. Ach, bevor ich es vergesse, der vom Aschenbecher Erschlagene taucht mit dicken Verband auf der Suche nach seinem geliebten Oldtimer auf und Lucia flieht vor Mutter und dessen Lover zu Großmutter Rena.

Ein Drama mit Flucht und Verfolgung, Hammerschlägen und Pistolenschüssen beginnt. Das Band der Freundschaft zwischen Rena und Wolfstein wird situationsbedingt stärker und stärker. Zwischen oder mit den beiden ist Lucia, nun im Besitz von Richies oder Hammerschwingers Knete.

Zum Schluss ein Abendessen, gekocht von Rena, im kleinen Kreis mit einer wahren Freundin & Co. Durchschnaufen der Überlebenden und aus ist der Krimi.

Mit Eine wahre Freundschaft hat William Boyle einen Roman geschrieben, der das Zeug dazu hat, als einer der besten ausländischen Kriminalromane, die in diesem Jahr in Deutschland veröffentlicht wurden, in die Annalen einzugehen.

Neben dem ereignisreichen Plot begeistern die Charaktere, wie sie handeln, wie sie in kleinen, eingeschobenen Passagen und Kapiteln ihr Leben Revue passieren lassen, sich dabei an Albträume und schöne Erlebnisse aus der Vergangenheit erinnern.

Es ist ein faszinierendes Erlebnis, dieses Buch zu lesen.

– – – O – – –

William Boyle: Eine wahre Freundin

 

Originaltitel: A Friend is a Gift you Give Yourself (USA, 2019)

Die deutsche Ausgabe ist im Polar Verlag erschienen (2020), übersetzt von Andrea Stumpf, herausgegeben von Wolfgang Franßen mit einem Nachwort von Sonja Hartl

– – – O – – –

Ebenfalls im Polar Verlag erschienen:

William Boyle – Gravesend

William Boyle – Einsame Freundin

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2 Antworten zu William Boyle: Eine wahre Freundin

  1. Stefan Heidsiek schreibt:

    Wie immer eine gelungene und informative Rezension! Das Buch liegt bei mir auch schon auf dem SUB. – Schönes WE!

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