Einladung per Krimi zu einem Urlaub an der Smaragdküste: Jean-Luc Bannalec – Bretonische Spezialitäten

IMG_0084An der Côte d’Ermeraude – der Smaragdküste –  gerät Kommissar Dupin ins Schwärmen. In den Markthallen von Saint-Malo, der alten Korsarenstadt und kulinarischem Herz der Bretagne, erliegt er dem Angebot vorzüglicher lokaler Käsesorten, erlebt dort ein „Aromen-Orchester aus Herzhaften und Süßem. Man bekam Appetit, und zwar auf alles.“ Schade nur, dass der Kommissar just in diesem Moment der olfaktorischer Versuchungen Zeuge eines Mordes wird.

Vor seinen Augen – hier wohl besser: vor seiner Nase – wird eine Frau erstochen. Die Täterin, Schwester der Erstochenen flieht. Dupin gelingt es nicht, die Täterin zu fassen. Schnell jedoch steht fest: es ist die jüngere Schwester Lucille, die Tote Blanche Tourin, beide sind erfolgreiche und berühmte Küchenchefinnen, führen eigene Feinschmeckerlokale, von denen das von Blanche sogar mit einem Stern ausgezeichnet ist.

Mörderin bekannt und zunächst auf der Flucht, Motiv unbekannt. Das ist die Ausgangslage und Dupin hat eigentlich nichts mit dem Fall zu tun außer als Zeuge. So müßte er sich wieder dem widmen, weswegen er sich hoch im Norden der Region aufhält, einem Seminar für einen exklusiven Kreis der vier Präfekten der Départements der Bretagne, zu dem diese ihre/n jeweils bedeutendste/n Kommissare/Kommissarin mitnehmen durften. Diese Ehre, mit seinem von ihm gehassten Präfekten Locmariaquer daran teilnehmen zu müssen, gefällt ihm gar nicht. Doch die Situation ändert sich schnell, als auch der Ehemann der Ermordeten getötet wird. Aus dem Seminar zur „Verbesserung der operativen, praktischen Arbeitsbeziehungen“ zwischen den vier Départements wird sogleich eine praktische Übung, da die Kommissarin vor Ort mit Dupin und einem weiteren Kollegen auf Geheiß ihrer Präfekten in Teamarbeit die Morde aufklären und dabei zeigen soll, wie die Arbeitsbeziehungen zwischen den Ermittlern optimal ablaufen.

So wird tagsüber ermittelt, abends ein Begleitprogramm mit feinsten Menues veranstaltet. Auf einem Stadtrundgang lernt Dupin die Geschichte der Stadt und der von hier aus operierenden Korsaren samt deren Heldentaten kennen. Ein anderes Mal wird den Seminarteilnehmern vor dem Essen die Geschichte der Butter und deren Bedeutung für Saint-Malo offeriert. (Das macht alles Geschmack auf Urlaub dort, aber das ist ja nur der übliche Nebeneffekt der „Bretagne-Krimis“ von Bannalec.)

Neben diesen netten Insentives geht die Handlung weiter, das Team ermittelt. Und bei der Frage nach dem Motiv für Mord 1 und 2 sowie später auch noch Nr.3 dreht sich vieles um Missgunst zwischen den Schwestern und ihren Lagern, um persönliche, finanzielle Probleme und abenteuerliche Geschichten. Schließlich ist es – im neunten Fall von Kommissar Dupin – eben dieser schlaue Filou mit seinem stets bereiten Clairefontaine sowie der Unterstützung von Nolwenn und Riwal im Concarneau’schen Backoffice, der den Fall und das Mysterium um das Motiv für die Morde löst.

Wieder versteht es Jörg Bong, der als Jean-Luc Bannalec sowohl die Freunde der Bretagne als auch die dieser Krimireihe begeistert, eine Geschichte zu erzählen, die in die Vergangenheit zurückgeht. Hier mit der Geschichte der Korsaren und deren Aufgaben im 17. und 18. Jahrhundert. Andererseits wird zusammen mit dem Familiendrama um die beiden Schwestern die Konkurrenz im Geschäft der Spitzenrestaurants und allem, was sich darum herum mit Lebens- und Genussmitteln abspielt, in einigen kleinen Episoden angesprochen.

Ein gut gebutterter, von einem Aromen-Orchester und bretonischem Buchweizen begleiteter, angenehm zu lesender Krimi, im Abgang mit dem Geschmack erlesenen Rhums und dem für Dupin so wichtigen Lebenselexier, un petit café.

– – – O – – –

Jean-Luc Bannalec: Bretonische Spezialitäten, Kommissar Dupins neunter Fall, erschienen bei Kiepenheur & Witsch (2020)

— O —

Die acht vorhergehenden Fälle des Kommissars Dupin in der Reihenfolge des Erscheinens:

Bretonische Verhältnisse

Bretonische Brandung

Bretonisches Gold

Bretonischer Stolz

Bretonische Flut

Bretonisches Leuchten

Bretonische Geheimnisse

Bretonisches Vermächtnis

— O —

Hier noch ein Link zur Geschichte der Korsaren in Saint_Malo: HIER

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.