Auffällig: Katherine Faw – YOUNG GOD

20200320_155304Was vor dem Lesen auffällt: Es ist ein Kriminalroman mit komprimiertem Text, oftmals mit einem oder wenigen Sätzen pro Seite. Schmächtig in der Summe der Zeilen, mächtig im Inhalt – und auf den kommt es an.

Was beim Lesen auffällt: Auf netto circa 150 Seiten beschreibt Katherine Faw das Schicksal von Nikki, einem dreizehnjährigen Gör, das zwischen Heim und Familie pendelt, Drogendealerin und schließlich Axtschwingerin wird. Hin und her geschubst und missbraucht zieht sie – nachdem ihre Mutter von einer Klippe gestürzt ist und das Ereignis nicht überlebt hat – im Trailer ihres kürzlich aus dem Gefängnis entlassenen Vaters ein, einer ehemaligen Größe im lokalen Drogengeschäft, heute Zuhälter.

Nikki himmelt ihn zunächst an, merkt aber recht schnell, dass der Vater nicht mehr der Held ist, der er einmal für sie war. Und so lernt sie, sich mit der Situation zu arrangieren, das Beste daraus zu machen, indem sie zunächst beobachtet, wie die Sache so läuft. Besonders die zwischen ihrem Vater und Angel, die dem Vater als Einnahmequelle dient.

Und Nikki lernt schnell, besorgt sich auf einfache Art Drogen, vertickert sie. Klar, dass das Ärger gibt. Zum Schluss fließt Blut. Nicht zu knapp.

IMG_9735Nikki Hawkins wird in dieser Geschichte vom Opfer, das umgeben von Losern ist, zum Täter – oder, wie es von Katherine Faw dargestellt wird – zu YOUNG God, zur jungen Göttin. Nikki will dabei nicht missionieren.Sie will herrschen in ihrem Mikrokosmos in den Appalachen, in der Frauen nichts wert sind, üblicherweise den Männern untertan.

Eine wundersame, jedoch brutale Entwicklung des dreizehnjährigen Mädchen zu einer starken Frau. Wie Katherine Faw diese Metamorphose beschreibt ist faszinierend.

– – – O – – –

Katherine Faw: Young God (Erschienen 2020 im Polar Verlag, herausgegeben von Jürgen Ruckh, übersetzt von Alf Mayer, mit einem Nachwort von Kirsten Reimers), Originaltitel: Young God (USA, 2014)

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2 Antworten zu Auffällig: Katherine Faw – YOUNG GOD

  1. Mikka Liest schreibt:

    Hallo,

    hui, das sieht aber nach echt wenig Text aus! Ich frag mich dann ja öfter: Warum? Gibt es dafür einen Grund, oder wird das Buch nur künstlich gestreckt? Aber so begeistert, wie du von dem Buch bist, scheint das hier ja nicht der Fall zu sein! 😉

    LG,
    Mikka

    • Philipp Elph schreibt:

      Hallo Mikka,
      mir ist es recht, wenn ein Buch textlich nicht allzu umfangreich ist. Ich möchte lieber mehr Geschichten lesen, als an einer lange kleben zu bleiben. Lieber Tiefe als Breite. Und Tiefe ist hier gegeben. Ob das nun mit knappem Text mit vielen halbleeren Seiten sein muss, ist eine andere Sache. Im Nachwort von Kirsten Reimers wird Katherine Faw mit der Begründung zitiert. Ob das wirklich so ist, wie Faw die Komprimierung der ursprünglichen Fassung um ca. 80% erklärt, kann geglaubt werden. Vielleicht ist diese Art der Seiten-Nutzung aber auch nur der Versuch, ein Alleinstellungsmerkmal zu kreieren. Wie es auch ist, lesenswert ist YOUNG GOD.

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