Trouble nach den Troubles: Gestrandet von Anthony J. Quinn

Wenn ein Detective der irischen Garda Síochána tot an einem Seeufer in Nordirland angespült wird, bedeutet das Trouble.

IMG_9564

Jedenfalls dann, wenn ein Inspector der North Irish Police sich der Sache annimmt und dieser den Nordirlandkonflikt hinter sich gelassen hat, nur Ruhe und Ordnung in seinem Territorium durchsetzen möchte.

Aber die Verhältnisse sind nicht so einfach. Inspector Celsius Daly ist zurück im Grenzgebiet, weil er das alter Bauernhaus seiner Eltern dort verscherbeln möchte, nachdem seine Mutter von Paramilitärs ermordet wurde. Ein Mord, der nicht so recht aufgeklärt wurde.

Beim toten, angeschwemmten Detective ist zunächst noch nicht einmal klar, ob es wirklich Mord war. Zudem wirft der Fischer, der den Toten gefunden hat, Daly vor, seinen Bruder, Dalys damaligen Vorgesetzten, in den Selbstmord getrieben zu haben.

Der Niedergang hatte erst später begonnen, nach dem Waffenstillstand.“

Es sind zahlreiche Verflechtungen, die sich ergeben und immer noch auf Auseinandersetzungen während des Nordirlandkonflikts zurückzuführen sind.

Paramilitärs von gestern und ihre Unterstützer sind heute auf andern Geschäftsfeldern aktiv, hauptsächlich im Schmuggel und in der Immobilienbranche.

Der tote Detective war dabei, einige Tätigkeiten der in mafiösen Strukturen Agierenden auf beiden Seiten der Grenze aufzudecken. Das erkennt Celsius Daly recht schnell, gerät jedoch ebenso schnell in das Geflecht der Kriminellen, deren Informanten der einen, Spitzeln der anderen Seite, korrupten Cops hüben wie drüben, eine Polizeiapparat mit Chefs, die Allianzen mit den Bandenbossen bilden, zudem muss er noch einem Phantom nachjagen, dass sich Detective Hunter nennt.

Die Bevölkerung leidet durch Armut und den Betrug der Strippenzieher. Für Letztere gilt:

Wenn der Brexit kommt, ist die Grenze Gold wert.“

Jeder in der Gegend weiß es. Und so kennen alle die Machenschaften des lokalen Schmugglerbosses und Immobilienmoguls, doch keiner, der an den Geschäften partizipieren und/oder überleben möchte, regt sich, hilft, die illegalen Geschäfte zu beenden.

Das ist Dalys Handicap, Er kann es nicht überwinden. Veränderungen sind in dieser Story von Anthony J. Quinn nicht in Sicht. Da kann auch mal ein Detective der einen oder ein Policeofficer der anderen Seite krepieren. Es lebe das tolerierte Verbrechen, es lebe der Trouble. Eine schmutzige Story in düsterer Gegend. Ein Niemandsland ohne sichtbare Exekutive.

Ein Halleluja auf den Brexit, der dort nichts zum Guten kehren, einigen Gewinnlern weiteren Reichtum bringen wird. Für die meisten wird jedoch gelten: Gestrandet.

Gelungene Darstellung des Ist’s mit bitterer Perspektive. Nicht nur ein spannender Krimi, sondern auch ein aktueller Inhalt.

– – O – – –

Anthony J. Quinn: Gestrandet, Originaltitel: Undertow

Erschienen im Polar Verlag (2019), übersetzt von Rudolf Brack, herausgegeben von Wolfgang Franßen

Dieser Beitrag wurde unter Rezension abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.