„Die Vergangenheit ist nur ein Prolog“: Andreas Pflüger – Geblendet

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Zwei vorhergehende Thriller dieser Triologie (Endgültig und Niemals) sind der Prolog für den diesen letzten Teil, Geblendet.

Die blinde Elitepolizistin Jenny Aaron bekommt die Möglichkeit, durch eine spezielle Therapie wieder sehend werden zu können. Aber da ist noch die Notwendigkeit, die Abteilung, der sie angehörte, vor dem Untergang zu bewahren. Zu Beginn eines Thrillers kann es nur eine Entscheidung geben – und so lässt der Autor Andreas Pflüger seiner Heldin keine Wahl.

Jenny Aaron trifft dabei auf eine Gegnerin, die ihr in Wahl und Anwendung der Waffen ebenbürtig ist. Am Anfang des Romans lernen wir sie als elfjähriges Mädchen kennen, das von seinem Vater darauf gedrillt wurde zu morden. Der erste Auftrag ist der Mord an Vaters dubiosen Geschäftspartner, der nebenbei pädophile Interesse an Mädchen diesen Alters hat. Und in dem Zusammenhang setzt die Kleine, deren Namen wir erst viel später erfahren werden, das gezackte Keramikmesser mit Erfolg ein.

Was Jenny zunächst zur Abteilung zurückkehren lässt, ist die Verflechtung von Politik und Kriminalität, ein globale Angelegenheit mit Akteuren aus Berliner Regierungskreisen und einem, dem amerikanischen Präsidenten nahestehenden Chef einer Einheit, die nach dem Motto „TU, WAS DU WILLST, soll das Gesetz sein“ handelt. Ereignisse aus der Vergangenheit haben dazu geführt, dass Jenny Aaron und ihre Vertrauten, nach diesem Gesetz zu töten sind, sowie die Abteilung, der sie angehören, zur Bedeutungslosigkeit degradiert werden soll.

Dabei fängt alles so gut für Jenny an. Sie ist mal wieder in den Blue Ridge Mountains bei ihrem Mentor, der sie seit Jahren immer wieder in fernöstlichen Arten der Körperbeherrschung und der Kampfarten schult, vor allem aber ihre Denk- und Handlungsweise aus den Wurzeln des Bushidōs prägt. Und sie hat die Option zu einer Behandlung durch eine außergewöhnliche Therapie, ihre Sehkraft wieder zurück zu erhalten.

Aber aus der Möglichkeit, wieder sehend zu werden, wird nichts. Sei es, dass sie sich der Abteilung verpflichtet fühlt, sei es, dass ein alter Feind wieder auftaucht. Letztlich ist es auch nicht wichtig, was dazu führt, Jenny wieder in den Kampfmodus zu überführen. Wichtig ist, wie sie die Chefin der Abteilung, ihren Vertrauten Pavlik und ihre anderen Mitstreiter im Kampf gegen „den Feind“ durch ihre speziellen Fähigkeiten unterstützen kann. Fähigkeiten, die Jenny Aaron verlieren wird, wenn sie wieder sehen kann.

Als vordergründiger Feind entpuppt sich dabei Malin, die vor vielen Jahren das gezackte Keramikmesser einsetzte, um den Geschäftsfreund des Vaters zu ermorden. Zwar gibt es einige Parallelen im Leben von Malin und Jenny was ihr Verhältnis zu ihren Vätern anbelangt, die eigentliche Verbindung zwischen ihnen, ist aber eine ganz andere. Aus ihr resultiert Malins Hass auf Jenny, der im Verlaufe der Story zu einigen außergewöhnlichen Zusammentreffen von Malin mit Jenny und Pavlik führt und zu einer für die Abteilung verheerenden Katastrophe. Gegen Ende wird Malins Motiv entschlüsselt und von Jenny geklärt, dass ihre Gegnerin nur eine von anderen gelenkte Waffe ist.

Nach einigen Flick Flacks mit Messer, Schusswaffe oder unter Einsatz von Händen, Armen, Füßen und Beinen hat Jenny Aaron mit Abschluss dieser Trilogie nun ausgeturnt und ausgekämpft. Ob sie nun blind bleibt oder nicht – diese Auflösung gibt es zum Schluss.

Was zurück bleibt ist die Erinnerung an viele actionreiche Szenen und die faszinierende Art, wie Jenny mit ihrem Blindsein umgegangen ist. Schon seit einiger Zeit ist im Netz zu lesen, wieviel Unsinn und Falsches Andreas Pflüger über Jennys Umgang mit ihrem Handicap, dass sie zu ihrer Stärke umfunktionierte, geschrieben hat. Aber bitte: Nicht vergessen! Es ist eine Fiktion, wobei Pflüger bei Blinden und medizinischen Fachberatern ausgiebig recherchiert hat und ein nicht unbedeutender Teil – sei es der Umgang mit dem Klicksonar sowie nach Aussage des Autors vieles andere aus der Welt der Blinden – der Realität entspricht. Für einige Sehende und Nicht-Sehende offensichtlich nicht nachzuvollziehen,

Meine Empfehlung ist, die drei Bände in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Etliche Ereignisse in Geblendet beruhen auf Begebenheiten aus den vorhergehenden Thrillern. Spannend ist die gesamte Trilogie, die getragen wird von Jenny Aarons Umgang mit ihrem Handicap und den Lehren des Bushidōs – sowohl des eigentlichen als auch der Weiterentwicklung durch Andreas Pflüger.

— O —

Andreas Pflüger: Geblendet (erschienen 2019 im Suhrkamp Verlag)

Die ersten beiden Teile der Trilogie:

Endgültig (Suhrkamp, 2016)

Niemals (Suhrkamp, 2017)

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Eine Antwort zu „Die Vergangenheit ist nur ein Prolog“: Andreas Pflüger – Geblendet

  1. karu02 schreibt:

    Oh, es gibt eine Fortsetzung. Gestern hatte ich noch die beiden Bände in der Hand, weil ich sie jemandem ausleihen will, vergaß dann aber nachzuschauen, ob er schon den dritten Band fertig hat. Jetzt kommst Du damit! Besten Dank, werde ich auf jeden Fall lesen. Mir fallen immer wieder mal Episoden aus den beiden Bänden ein, wenn es ums Sehen und Wahrnehmen geht.

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