Jean-Luc Bannalec: Bretonisches Vermächtnis

IMG_9334Für die Liebhaber von Jean-Luc Bannalecs Bretagne-Krimis ist es seit Jahren zu Beginn der Haupturlaubszeit wie Weihnachten: ein neuer Fall Kommissar Dupins erscheint. Mit „Bretonisches Vermächtnis“ nun der 8.Fall, in dem der inzwischen in der Bretagne heimisch gewordene Kommissar zum ersten Mal in einem Mordfall am seinem Wohnort Concarneau ermittelt.

Ein Arzt aus alteingesessener Familie stürzt aus seinem Büro im 4. Stock in einen Hinterhof und wird dort mausetot von seiner heimkehrenden Frau gefunden. Mord, Selbstmord oder Unfall? Es stellt sich heraus, das der Arzt ermordet wurde.

Ein Fall für Georges Dupin, der allerdings ohne seine bewährte Assistentin Nolwenn sowie ohne die Inspektoren Riwal und Kadeg die Ermittlungen aufnehmen muss. Alle haben sich in den Urlaub abgesetzt, da es im Kommissariat wegen nicht enden wollender Renovierungsarbeiten unerträglich ist. Zur Seite stehen ihm lediglich die beiden neuen Kolleginnen Le Menn und Nevou, die zwar nicht über das Netzwerk Nolwenns und die intimen Kenntnisse über die Bretagne und die Bretonen verfügen wie Riwal, aber doch ihren Job zuverlässig ausüben. Trotzdem ist diese Situation für Dupin ein gewisses Handicap, denn ein Motiv für die Tat und die Täterschaft ist völlig unklar – und da wäre es schon gut, wenn die bewährten Kenner der Gegend, ihrer Bewohner und deren Geschichten ihre Fühler ausstrecken könnten.  So ermitteln sich die Verbliebenen mühsam durch den Bekanntenkreis des Toten und stoßen dabei auf eine kleine Gruppe von drei Investoren, zu den der Arzt gehört, außerdem ein Apotheker und ein Weinhändler. Ihnen gehört unter anderem eine lokale Brauerei und eine Werft. Und in dieser Werft kommt es zu einer Explosion, bei der einige Arbeiter verletzt werden. Dieses Ereignis lässt Dupin ahnen, dass es einen Zusammenhang von Mord und Explosion gibt. Als der Weinhändler an einem Wochenende in der Brauerei ermordet wird, scheint die Richtung der Ermittlung vorgegeben.

Doch es ist gut, dass Nolwenn und Riwal ihren Urlaub abbrechen und wieder ihren Dienst aufnehmen. Nolwenn organisiert und Riwal erzählt seinem Chef in ausufender Weise – so ist der Inspektor nun mal, kaum zu bremsen von Dupin, wenn er sein Wissen über bretonische Geschichten zum Besten gibt – von Georges Simenons Roman „Maigret und der gelbe Hund“, der in Concarneau spielt. Ort der Handlung: Dupins Lieblingsrestaurant Amiral, in dem auch die drei Investoren ab und zu ihre Pläne besprachen. Zudem spielten in jenem Roman ein Arzt und ein Apotheker eine Rolle.

Dupin kauft sich das Buch, liest es. Dann folgt das Aha-Erlebnis für ihn und der Fall erscheint lösbar.

Jean-Luc Bannalec stellt seinen Helden Kommissar Dupin auch in diesem Fall vor ein offensichtlich unlösbares Rätsel, lässt ihn durch die Gegend und zu möglichen Motiven irren, bis die Lösung mit Hilfe der Ermittlerkollegen, der konsequenten Buchführung in seinem „Clairefontaine“ die Lösung(en) und eben jenem „Gelben Hund“ offenbart. Nicht die zahlreichen Farbschattierungen von Meer und Himmel der (mindestens 100 Blautöne) oder die ebenso vielfältigen Grüntöne der Feenwälder um die Artusorte bilden in „Bretonisches Vermächtnis“ die pittoreske Umgebung. Hier sind es Dupins Lieblingsgeschäfte und -restaurants. Angefangen natürlich beim Amiral, auch beschrieben die „beste Sandwicherie weit und breit. Eine Institution in Concarneau“, die Kunstgalerie von Françoise, die eine oder andere „conserverie“ und noch viele andere Stätten – fiktiv oder real existierend (bitte beim nächsten Bretagne-Urlaub eruieren) -.

Zum achten Mal ist es Jean-Luc Bannalec gelungen, eine unterhaltsame und spannende Geschichte aus der Bretagne zu erzählen und dabei wiederum in die Geschichte des Finisteres einzutauchen. In diesem Fall nicht soweit zurück bis ins Zeitalter der Artussage oder der Kelten aber auch mit historischem Bezug.

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Jean-Luc Bannalec: Bretonisches Vermächtnis – Kommissar Dupins achter Fall, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 2019

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Die sieben vorhergehenden Fälle des Kommissars Dupin in der Reihenfolge des Erscheinens:

Bretonische Verhältnisse

Bretonische Brandung

Bretonisches Gold

Bretonischer Stolz

Bretonische Flut

Bretonisches Leuchten

Bretonische Geheimnisse

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Die Lösung liegt bei Simenon

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5 Antworten zu Jean-Luc Bannalec: Bretonisches Vermächtnis

  1. karu02 schreibt:

    Ich wollte eigentlich mal Schluss machen mit dem Mann, aber nach Deiner Besprechung und weil ich gar nicht in die Bretagne komme in diesem Jahr und wer weiß ob überhaupt je wieder, überlege ich es mir noch mal… Augen wässrig machen ist ja nicht die Entsprechung zu Mund wässrig machen, weil es etwas anderes bedeutet, aber so was ähnliches ist Dir gelungen.

  2. Philipp Elph schreibt:

    Es ist nicht die Landschaft, der hier neben der Krimihandlung viel Platz eingeräumt wird, sondern mehr das Städtchen.

  3. sommerlese schreibt:

    Hallo,

    die Reihe hat mich zu Beginn sehr fasziniert und dann habe ich pausiert, vielleicht sollte ich nach deiner positiven Besprechung doch die restlichen Titel noch lesen. 🙂 Das Flair in diesem Städtchen fand ich immer wunderbar und die Krimihandlung ebenfalls.

    Liebe Grüße
    Barbara

  4. Pingback: Georges Simenon: Maigret und der gelbe Hund | KrimiLese

  5. Pingback: Einladung per Krimi zu einem Urlaub an der Smaragdküste: Jean-Luc Bannalec – Bretonische Spezialitäten | KrimiLese

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