Matthias Boll: Mord am Mandela Square

IMG_9330In Deutschland macht sich ein Vater Sorgen um das Leben seiner Tochter Pia, die in Südafrika die „Johannesburger Befreiungsfront“ mitgegründet hat. Das ehemalige Marriott-Hotel wurde mit Hilfe dieser NGO als Wohnraum für Obdachlose und Bedürftige „umgewidmet“ – Klartext: besetzt -. Interesse an dem besetzten Haus hat jedoch ein indischer Clan mit Verbindungen zu höchsten Regierungskreisen und Informanten bei der Polizei, der es zusammen mit umliegenden Gebäuden abreißen will, um in der Nähe des Mandela Squares ein schickes Wohnviertel zu errichten.

Der Clan hat es darauf abgesehen, die vier Köpfe der Befreiungsfront zu töten und damit darauf hin zu wirken, das ehemalige Hotel zu Entvölkern.

Pias Vater bittet Frank Sattler, seinen Kollegen und alten Freund der Familie, nach Johannesburg zu fliegen, um Pia zur Rückkehr nach Deutschland zu bewegen. Als Sattler dort eintrifft, ist bereits ein Mitglied ermordet, ein zweites wird kurz darauf tot aufgefunden. Pia könnte das nächste Opfer sein.

Die Aktion des indischen Clans hat noch einen anderen Aspekt: Ihre gedungenen chinesischen Mörder wollen als Gegenleistung einen Supertorpedo in ihren Besitz bringen, der gerade in Kapstadt mit einer Fregatte der deutschen Bundesmarine getestet werden soll. Die Inder verfügen über die Möglichkeit, sich die Wunderwaffe zunächst anzueignen, danach könnte der Deal mit den Chinesen laufen, die damit in den Besitz des Torpedos inklusive Technik-Know-Hows kämen.

Im globalen und mehrdimensionalen Spiel geraten nicht nur Pia und ihr verbliebener Kompagnon in Lebensgefahr, sondern auch Sattler und ein deutscher Ingenieur, der die Funktion des Torpedos der deutschen Marine vorführen wollte.

Dieser zunächst interessant erscheinende Plot wird in einer recht nüchternen, spannungsarmen Weise von Matthias Boll dargestellt, sodass bei mir kein Funke der Begeisterung überspringt. Wer die Dynamik südafrikanischer Krimis oder Thrillern schätzt und erwartet, wie wir sie von Deon Meyer, Charlotte Otter, Malla Nunn, Mike Nicol, und auch Max Annas sowie anderen kennen, wird enttäuscht sein. Biederer deutscher Krimistoff wird hier präsentiert mit wenig ausgearbeiteten Charakteren, wenngleich – wie auch bei den zuvor Genannte – eine sozialkritische Komponente durchaus vorhanden ist. Zudem blitzen einige Beschreibungen von Stadt und Land kurz auf.

Merke: Ein viel versprechender Klappentext, der Dynamik und Spannung – wie sich beim Lesen herausstellt – vorgaukelt und ein ansehnliches Cover machen noch keinen spannenden „Kriminalroman“ aus Südafrika. Da reicht auch eine Anspielung auf Deon Meyers Helden Benny Griessel nichts.

— O —

Matthias Boll: Mord am Mandela Square

Erschienen 2019 im TIA Verlag

in einer sorgfältig hergestellten wertigen Hardcoverausgabe mit Lesebändchen

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2 Antworten zu Matthias Boll: Mord am Mandela Square

  1. karu02 schreibt:

    Danke wieder einmal für die Warnung. Von Meyer gibt es aber nichts Neues, oder? Das letzte war allerdings nicht so gut.

  2. Philipp Elph schreibt:

    Liebe Karu, die letzten beiden Romane von Deon Meyer habe ich nicht gelesen. Das waren „Fever“ und im letzten Jahr „Die Amerikanerin“ ( Bennie Griessel Nr.6)

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