Susanne Kronenberg: Tod am Bauhaus

IMG_9210Es sollte ein toller Kurzurlaub in Weimar werden. Die Wiesbadener Privatdetektivin Norma Tann reist ihrem Freund Timo Frywaldt in die vor Kultur und Bauhaus strotzende Stadt nach. Doch als sie ankommt, ist der hessische LKA-Mann nicht am Bahnhof, um sie abzuholen. Timo war nach Weimar gereist, um ein paar Erbstücke seines verstorbenen Großonkels Fritz zu übernehmen, dem Sohn von Albin Frywaldt, der in seinen Memoiren die Geschichte des Staatlichen Bauhaus in Weimar und deren Mitglieder ausführlich dokumentiert hat.

Aus dem Kurzurlaub wird zunächst nichts. Timo taucht nicht auf. Norma beginnt sich Sorgen um das Leben ihres Freundes zu machen, da kurz vor ihrer Ankunft ein Landespolitiker vor dem Nationaltheater erschossen wurde und kurz darauf ein Antiquitätenhändler, mit dem sich Timo verabredet hatte, in seinem Geschäft von Norma ermordet aufgefunden wird. Befürchtet wird, dass ein Serienmörder in Weimar umgeht, der auch Timo beseitigt haben könnte.

Auf der Suche nach ihrem Freund macht die Privatdetektivin Bekanntschaft mit diversen Personen, die im Umfeld des toten Antiquitätenhändlers agieren, zudem fühlt sich Norma verfolgt. Einiges, auf das sie stößt steht in Verbindung zum Bauhaus:

Ein Gemälde Wassily Kandinskys mit ungeklärtem Besitzverhältnis. Ein kleiner Schrank aus dem Nachlass von Fritz Frywaldt, eines der Erbstücke Timos, der sich als Entwurf von der damaligen am Bauhaus tätigen Kunsthandwerkerin und Designerin Alma Siedhoff-Buscher erweist. Ein Dutzend Glasnegative der Bauhaus-Fotografin Lucia Moholy.

Gemälde, Schrank und Glasnegative führen von den Morden und dem Verschwinden des LKA-Beamten zu Ereignissen während der Weimarer Republik. Angst und Flucht vor den aufstrebenden Nazis bringen einiges durcheinander, dessen Auswirkungen bis in die heutige Zeit reichen. Geschehnisse wie die Anfang der 20er Jahre verübten Morde an Politikern der Weimarer Republik und andere Verbrechen durch den Geheimbund „Organisation Consul“ scheinen einer Parallelgesellschaft Ewiggestriger als Vorlage für neuerliche Verbrechen zu dienen.

Susanne Kronenberg hat historische Puzzleteile, die teils auf tatsächlichen Gegebenheiten beruhen, teils fiktiv sind, in diesem Roman mit Normas Suche nach Timo und den Ereignisse im Umfeld verknüpft. Aus dem Zusammenspiel der beiden Zeitebenen ergeben sich nicht nur die Spannung sondern auch Momente, die beim Lesen zu einem Lerneffekt führen:

In groben Zügen ist die Geschichte des Bauhauses in Weimar und die Fortsetzung in Dessau und Berlin bekannt. Von Gropius, Feininger und Itten wissen wir einiges. Die sogenannte Wagenfeld-Leuchte steht in unseren Wohnzimmern. Doch was so „nebenbei“ am Bauhaus passierte, die Rolle der Frauen, das gesellschaftliche und politische Umfeld, das dort herrschte und am Ende dazu führte, dass neben dem Umzug nach Dessau ein Teil Mitglieder aus Deutschland flüchteten, davon ist nicht viel in unseren Köpfen. Einiges davon findet wir in diesem Kriminalroman, für viel mehr aus dieser Zeit gibt Susanne Kronenberg uns einen Anstoß, sich mit jener Zeit und den Ereignissen zu beschäftigen.

Als Krimi ein aufregendes Werk, auch wenn am Ende der Puls des Lesers wieder beruhigen kann.  Aber ebenso eine Anregung, sich noch einmal mit der Epoche des Bauhauses und der Zeitgeschichte auseinander zu setzen.

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Susanne Kronenberg: Tod am Bauhaus, erschienen 2019 im Gmeiner-Verlag

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Tod am Bauhaus ist der 8. Band einer Reihe, in der Norma Tann ermittelt. Auch wenn diese Kriminalromane vordergründig als Regiokrimis erscheinen mögen, sind sie zumeist mit bestimmten Ereignissen oder historischen Geschehnissen verknüpft.

Als Beispiel für ein historisches sei hier Totengruft (2014) aufgeführt.

In Totengruft wird bei einem Toten wird ein Foto von Toni Sender gefunden, die real existiert hat und 1888 in Biebrich – heute ein Stadtteil Wiesbadens – geboren wurde. Eine Politikerin, Gewerkschaftlerin, bis 1933 Mitglied des Deutschen Reichstages, Kämpferin gegen Nationalismus und Stalinismus. Eine der ersten Frauen, die sich in dieser Zeit politisch und gesellschaftlich in so hohem Maße für eine bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen der Arbeiter eingesetzt, die für die Demokratie in Deutschland gekämpft hat und schließlich 1933 als Jüdin dem Naziregime gerade noch entfliehen konnte. Später hat Toni Sender bei den Vereinten Nationen weiter für Arbeiter- Frauen- und Menschenrechte gekämpft.

Hier der Link zur Besprechung von Totengruft

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Mehr über die Norma-Tann-Reihe ist auf der Homepage von Susanne Kronenberg zu erfahren

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