Sara Gran: Das Ende der Lügen

P1030801-001Sie ist wieder da: Claire DeWitt, die sich als beste Detektivin der Welt bezeichnet. Fünf Jahre habe ich nichts von ihr gehört, bereits die Hoffnung aufgegeben, jemals wieder von dieser seltsamen und faszinierenden Ermittlerin zu lesen. Jetzt ist Sara Grans 3. Band dieser kleinen Reihe über die Fälle – oder besser: das Leben – von Claire DeWitt erschienen.

Nicht nur, dass sich Claire als beste Detektivin der Welt bezeichnet, sie ist zudem auch eine der wenigen „Silettistinnen“, eine Ermittlerin, die den rätselhaften Ausführungen von Jaques Silette vertraut, die jener in der Bibel für die Silettisten Détection, einem scheinbaren Leitfaden für Detektive niedergeschrieben hat. Détection ist ein überwiegend philosophisches, schwer zu deutendes Werk, aus dem Claire DeWitt jedoch zumeist die richtigen Schlüsse für ihre Arbeit zur Aufklärung von Verbrechen zieht.

Angefangen als Detektivin hat sie bereits als Jugendliche  zusammen mit zwei Freundinnen, damals angeleitet von Heften der Reihe Cynthia Silverton Mystery Digest, einer Mischung aus Comics, Kurzgeschichten und echten Kriminalfällen. Wie die Karriere von Claire DeWitt damals begann, wird in diesem Strang erzählt. 26 Jahre später – und damit beginnt dieser Roman – wird ein Mordanschlag auf sie verübt. In einer dritten Zeitebene klärt sie zudem den Mord an einem Maler auf.

Die drei Zeitebenen werden alternierend in zahlreichen Kapiteln von Claire oder aus ihrer Perspektive erzählt und zunächst wirkt das alles recht konfus. So, wie es von der Lebensweise der Detektivin mal im Rausch, mal den kryptischen Ratschlägen Silettes folgen wollend, ergibt. Während sie sich auf die Suche nach dem Kerl macht, der sie in Jenseits befördern wollte und vermutlich noch will, erkenne ich den Zusammenhang zwischen dem aktuellen Fall und dem, was zum Mord des Malers führte und welche Rolle die Hefte der Cynthia Silverton Mystery Digest spielen, besonders die letzte Ausgabe, die Claire nicht gelesen hatte und nun verzweifelt sucht.

Manches im Chaos von Emotionen, Rausch und dem Glauben an Guru Silette bleibt unverständlich, aber das soll wohl auch so sein, denn Claire DeWitt ist nicht in eine Kategorie bekannter Ermittlertypen einzuordnen. Sie ist einmalig und dazu gehört halt, dass sie mit ihrem Wesen – zumindest mir – einige Rätsel aufgibt. Auch wenn ich wie ein Silettist und wie die beste Ermittlerin der Welt die Wahrheit zu ergründen versuche, nicht nach einer einfachen Lösung suche, es überfordert mich. Aber das ist das Faszinierende an diesem Kriminalroman, die Erkenntnis, es nicht mit Claire DeWitt aufnehmen zu können, denn „Claire DeWitt gewinnt immer“.

— O —

Sara Gran: Das Ende der Lügen, Originaltitel The Infinite Blacktop (USA 2018),

deutsche Übersetzung von Eva Bonné, erschienen 2019 bei Heyne Hardcore

Die Titel der ersten beiden Claire-DeWitt-Kriminalromane:

Die Stadt der Toten

Das Ende der Welt

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3 Antworten zu Sara Gran: Das Ende der Lügen

  1. karu02 schreibt:

    Ich habe gerade gesehen, dass der erste Band der Autorin „Das Rätsel des Pilzgeflechts“ fürs Kindle kostenlos bei Amazon zu haben ist. Warum auch immer.

    • Philipp Elph schreibt:

      Danke für die Info, liebe Karu,
      diese Kindle-Ausgaben für „Umme“ oder 0,99 € sind wohl Kurzkrimis, die ich noch nicht kenne. Herzliche Grüße Rhein abwärts

  2. Pingback: Sara Gran: Das Blut im Schnee | KrimiLese

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