Jürgen Heimbach: Die Rote Hand

Im II.Weltkrieg war er Soldat, danach ein Dutzend Jahre in der Fremdenlegion, hauptsächlich in Indochina und Algerien. Körperlich zerschunden, den Kopf voller Traumata, ist er in Frankfurt gelandet, versucht als Wachmann auf einem alten Tankstellen- und Garagengelände über die Runden zu kommen. Abwechselung bieten ihm Besuche am Wasserhäuschen, an dem er sein Bier trinkt und sich mit geschmuggelten Zigaretten versorgt, sowie der monatliche Besuch bei Gilla im Rotlichtviertel der Stadt. Und wenn er nicht Schulden wegen verlorener Pferdewetten bei einem unbarmherzigen Geldverleiher hätte, könnte Arnolt Streich ein passables Leben führen.

Und mit den Schulden beginnt das Malheur.

Ein paar dubiose Franzosen sind ihm auf der Spur, wollen ihn für ihre Zwecke einspannen, gegen Geld, viel Geld. Schnell merkt Streich, dass die Franzmänner über seine Vergangenheit in der Legion Bescheid wissen. Damals hatte er sich neben anderen Heldentaten besonders durch eine besonders barbarische hervorgetan. Damit hat er sich seinen Nickname verdient: Vier-auf -einen-Streich oder wie die Franzosen ihn nennen Quatre-d’un-Coup. Streich soll herausfinden, in welcher der Garagen ein bestimmtes Auto abgestellt ist.

Es ist das Auto eines Waffenhändlers, der in jener Zeit der FLN für deren Unabhängigkeitskrieg Algeriens Waffen und Munition liefert.

Die dubiosen Franzosen erweisen sich als Mitglieder der Roten Hand, einer Organisation des französischen Geheimdienstes, die die Führer der FLN, deren Waffenlieferanten und andere Unterstützer der algerischen Unabhängigkeitsbestrebungen ausschalten sollte.

Nach einem Hinweis von Streich gelingt es, in einer der Garagen das Auto des Waffenhändlers inklusive Insassen zu zerbomben. Da bei dieser Aktion einige Dinge für die Attentäter schief laufen, wird Streich weiter von ihnen verfolgt.

Was als „Roman“ auf dem Cover bezeichnet wird, entwickelt sich zu einem knallharten Thriller. Dabei gelingt es Jürgen Heimbach die fiktive Geschichte des Arnolt Streichs inklusive des Anschlags auf den Waffenhändler Mühlbauer mit dem realen Agieren von „La main rouge“ in Deutschland in der Zeit von 1956 bis 1960 zu verknüpfen und ebenso den „Zeitgeist“ in der jungen Bundesrepublik zu beschreiben: Während sich die BRD und Frankreich wieder annähern, besteht seitens der BRD kein Interesse den Aktionen der Roten Hand größere Bedeutung beizumessen oder gar öffentlich gegen sie vorzugehen.

Heimbach hat umfangreich recherchiert und die Ergebnisse sorgfältig in die Handlung eingebunden.

Während Ex-Legionär Streich ein bescheidenes, friedliches Leben in seiner verkommenen Umgebung führt und sich in seiner primitiven Unterkunft bei Edith Piafs „Mon légionnaire“ von seinen traumatischen Erlebnissen in der Legion ablenkt, herrscht draußen der Krieg zur Unabhängigkeit Algeriens und der Terror der Roten Hand, in den Streich hineingezogen wird – mit allen Konsequenzen.

Ein Thriller, der laut Klappentext so ist: filmreif ….. Ein film noir, leiser Jazz, dunkle Straßen – und das Bild von Männern in Trenchcoats mit hochgeschlagenem Kragen.

Eine spannende Story und zudem eine Anregung, sich mit der Zeit der Unabhängigkeitsbestrebungen Algeriens und deren Begleitumständen zu beschäftigen.

In einem mehrseitigen Nachwort beschreibt Jürgen Heimbach ausführlich die Fakten zu Fremdenlegion unter der Beteiligung deutscher Legionäre, FLN, Rote Hand sowie der Umgang in der Bundesrepublik mit den Attentaten des französischen Geheimdienstablegers.

— O —

Jürgen Heimbach: Die Rote Hand, erschienen im Weissbooks Verlag, 2019

PHOTO - Buch und Rote Hand

Copyright ©Robin Schmerer

Dieser Beitrag wurde unter Rezension abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.