Tom Hillenbrand: Bittere Schokolade

20181031_135703In seiner sechsten Ermittlung taucht der luxemburgische Koch Xavier Kieffer wiederum in die skandalträchtigen und kriminellen Machenschaften im Bereich der Beschaffung von Rohstoffen für unsere Nahrung ein. Ob nun für Gourmets exotische Leckerbissen zu Lasten der Natur beschafft werden oder die Lebensmittelindustire billige Ressourcen schaffen und ausbeuten sowie deren Rohstoffpreise manipulieren will, der ehrliche und aufrichtige Koch kommt immer ins Spiel, wenn dabei im Umfeld ein Mord passiert.

Nachdem in Bittere Schokolade zunächst der Botschafter der Republik Kongo bei seinem Antrittsbesuch in Luxemburg stirbt, nachdem er ein feines Stück mitgebrachter Schokolade verzehrt hat, lernen die Leser dieser Reihe endlich Ketti kennen, Xaviers Jugendliebe aus seiner wilden Zeit in Paris. Sowohl an Ketti als auch an die Zeit mit Drogen und Alkohol erinnert er sich ungern. Doch die Neugier und eine Bitte Kettis bringen ihn dazu, sich mit der exquisiten Schokolade der Patisseurin, deren Schokoladenmanufaktur in Belgien und ihren Geschäftsideen und Engagement zum Anbau und Neuzüchtung von Kakaobäumen in afrikanischen Plantagen und der Verarbeitung der Früchte vor Ort zu beschäftigen. Was als Nebensache für Kieffer beginnt, wird schnell zu einer Hauptsache für ihn, als Ketti auf dem Weg zu einem Treffen mit ihrem ehemaligen Freund erschossen wird.

Von diesem Augenblick wird es turbulent für unseren Freund, der üblicherweise jeder Hektik aus dem Weg zu gehen versucht. Es entwickelt sich ein Geschehen, an denen der Ermittler in unterschiedlichen Aktionen nahezu den Überblick verliert. Einerseits wird eine große Menge Schokolade an sein Restaurant geliefert, von der er zunächst nicht weiß, von wem sie kommt, zu welchem Zweck sie geliefert wurde und was sie wirklich beinhaltet. Zudem findet er mit seinem Freund Vatanen heraus, dass auf der Plantage, auf der sich Ketti engagierte, nicht alles koscher ist. Folglich reist Kieffer unter schwierigen Bedingungen zu der streng bewachten Plantage. Bei einer heimlichen Inspektion wird Kieffers Reisebegleiter erschossen, der Koch entkommt nur knapp dem Kugelhagel der Wächter. Zurück in Luxemburg erlebt er, dass auch dort die Luft in seiner Nähe recht bleihaltig ist.

So findet er heraus, dass mit Schokolade Geschäfte gemacht werden, die Gold wert sind, aber auch mächtige Interessen eines großen Schweizer Schokoladenherstellers dazu führen, Einfluss auf den Kakaomarkt zu nehmen. Das alles neben dem Stress, den Freundin Valerie, der Erbin des Gabin-Verlags. Ihr Unternehmen, dass über Generationen erfolgreich Restaurantführer erstellt, gedruckt und vertrieben hat, erhält massive Konkurrenz durch moderne Formen der Restaurantbewertung im Internet und treibt auf die Insolvenz zu.

Doch schließlich wird alles gut und Xavier Kieffer kann sich der Hektik entziehen und wieder für seine Freunde und Gäste luxemburger Hausmannskost kochen und die ein oder andere Flasche Wein öffnen, etliche davon mit seinem Freund Vatanen genießen. Auch der Stress mit Valerie scheint beendet zu sein und der Gabin gerettet. Was will man mehr als Leser?

Tom Hillenbrand hat mit Bittere Schokolade wiederum einen „kulinarischen Krimi“ geschrieben, der sich mit den Auswüchsen dessen beschäftigt, was im Vorfeld unserer Nahrungsaufnahme an Machenschaften und knallhart durchgesetzten Geschäftsinteressen von Einzelnen aber insbesondere den riesigen Lebensmittelkonzernen geschieht. Es ist oftmals bei Hillenbrand nicht auseinander zu halten, was Fiktion ist und was bereits in der Realität am Rande der Legalität und im kriminellen Bereich geschieht. Zu fließend sind in diesem Geschäft die Grenzen. Die Fiktion von heute kann zudem morgen Realität sein. Tom Hillenbrands Fantasie beschreibt schon heute, was wir noch gar nicht auf unseren Tellern erkennen oder erahnen. Das ist einerseits ernüchternd, anderseits faszinierend zu lesen.

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Tom Hillenbrand: Bittere Schokolade, 2018 erschienen im Kiepenheuer & Witsch

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Die anderen Fälle, in denen Xavier Kieffer ermittelt:

Teufelsfrucht (2011)

Rotes Gold (2012)

Letzte Ernte (2013)

Tödliche Oliven (2014)Tödliche Oliven (2014)

Gefährliche Empfehlungen (2017)

Tom Hillenbrands dystopische Romane:

Drohnenland (2014)

Hologrammatica (2018)

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