Elisabeth Florin: Commissario Pavarotti kam nie nach Rom

und er wird auch nie dorthin kommen. Jedenfalls dann nicht, wenn der Titel des P1030662Buches als Metapher für Pavarottis Beziehung zu seiner großen Liebe Lissie gesehen wird. Lange Zeit war ich davon ausgegangen, dass die beiden, der Meraner Commissario und Lissie aus Deutschland, die zufällig immer in und um Meran ist, wenn dort ein Mord passiert ist und um Pavarotti herumwieselt, ihn bei den Ermittlungen unterstützt oder ihm in die Quere kommt, im Privatleben ein Paar werden. Nun ist es raus, sie werden es nicht werden. Damit scheint die Pavarotti-Reihe, deren vierter Teil hier vorliegt, beendet zu sein. Die Spannung von der die Reihe auch lebte, ob es nun endgültig zwischen den beiden „schnackelt“ oder nicht, ist dahin.

Spannung ergab sich bei Elisabeth Florins „Meran-Krimis“ aber auch durch Ereignisse, die sich in Meran vor längere Zeit abspielten. Der Südtiroler Freiheitskampf, die italienische Psychiatrie-Reform, die zur Abschaffung der staatlichen psychiatrischen Kliniken und zu unmenschlichen Folgen führte, sowie die Entstehung des Vernagt-Stausees, der ohne Rücksicht auf die Bewohner des Dorfes Vernagt und ohne deren Befragung in die Landschaft gesetzt wurde, bei dessen Flutung 1957 das Dorf mit Kirche und einigen Gehöften im Wasser verschwand,waren Ausgangspunkte für Verbrechen, die Pavarotti unter Mithilfe oder Behinderung von Lissie in den vorherigen Bänden aufklären musste.

Der Mord im neuesten Krimi der Reihe geht zurück auf Ereignisse nach Ende des II. Weltkriegs, als hochrangige Nazis und Kollaborateure über Meran mit Unterstützung hauptsächlich der katholischen Kirche auf der „Rattenlinie“ nach Südamerika flohen, um sich einer Verurteilung zu entziehen.

Eines dieser Ereignisse führt zu einem Doppelmord an einem deutschen Ehepaar in Meran – und das ist der Startpunkt dieses Kriminalromans. Ermittlungen führen Pavarotti ins Rhein-Main-Gebiet, in dem das Ehepaar wohnte. Dort trifft der Commissario auch wieder auf Lissie, die die Ermordete kannte. Die Tote war eine Schriftstellerin, die über Merans Vergangenheit recherchierte. Anlass für Lissie, sich auch wieder in Pavarottis Ermittlungen einzumischen.

Wer nun gemordet hat und die Suche nach dem Motiv erscheint dann nur noch nebensächlich. Letztlich geht es um Pavarotti und Lissie und entwickelt sich mehr zum Beziehungsdrama denn zu einem spannenden Kriminalroman.

In Erinnerung bleibt die Geschichte der „Rattenlinie“. Ähnlich wie in den vorangegangenen Bänden der Reihe ist der Ausflug in die Vergangenheit das nachhaltig Prägende. Wenn Elisabeth Florin weitere Ereignisse aus fast vergessenen Zeiten entdecken und in ihre Romane einbeziehen kann, wäre das erfreulich. Auf weiteres Geplänkel zwischen Lissie und Pavarotti kann verzichtet werden.

— O —

Elisabeth Florin: Commissario Pavarotti kam nie nach Rom, erschienen 2018 im Emons-Verlag

Vorhergehende Bände der „Pavarotti-Reihe“:

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