Martin Schüllers 111 Tipps und Tricks, wie man einen verdammt guten Krimi schreibt

20181008_174939-1Dies ist ein Buch für erfolglose Krimiautoren. Bei der Lektüre können sie sich selbst bemitleiden. Sie haben alles richtig gemacht, Lektor und Agent (so es diese gegeben hat), Verlag und Buchhandel den Erfolg verhindert. Leser haben vom Buch kaum erfahren und wenn, dann urteilen sie mit weniger als fünf Sternen. Blogger posten nicht mal eine Rezi.

Dieses Buch ist ein Buch für Krimileser, die endlich verstehen, warum Nesbø und Co erfolgreich Krimis schreiben und das arme Hascherl, das einem Verlag Geld zahlen muss, damit sein Werk erscheint, nicht.

Dies ist ein Buch eines Krimiautors, den ich zwar nicht kenne, der nach zehn veröffentlichten Kriminalromanen bei einem rennomierten Verlag offenbar dessen Vertrauen genießt, dass mit diesem Buch Geld zu verdienen ist.

Ich vertraue dem erfolgreichen Autor, dass er als Insider gute Tipps und Tricks verrät. Ich bin übrigens ein Krimileser, der nie einen Krimi schreiben wird, weil…..

…… Plot ausarbeiten, Spannungsbogen entwickeln, Recherchen betreiben, Termin einhalten und 107 weitere Tipps und Tricks berücksichtigen, damit aus einer Idee ein guter Krimi wird, das ist zuviel Anstrengung für mich. (Frei nach Thomas Alva Edison: (Krimiautor-) Genie ist ein Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.) Und eine Garantie, dass bei Berücksichtigung dieser 111 Punkte ein mit diesem Wissen geschriebener Krimi zum Erfolg wird, gibt der Autor nicht.

Auch wird nicht jeder Tipp und Trick wird potenziellen Krimischreiber helfen, so zum Beispiel die Aufzählung der Behörden, die sich mit der Polizei um Recht und Ordnung kümmern. Zudem bieten einige Stichworte nur oberflächliche Information (Alkohol, Warum). Andere Tipps sind nur schwerlich zu verstehen. Sie erfüllen vermutlich den Zweck, potenzielle Krimiautoren abzuschrecken (Ellipse, Redundanz).

Einerseits erweckt der Autor den Eindruck, krampfhaft versucht zu haben, die Zahl „111“  zu erreichen, damit das Werk in die „111-Reihe“ des Verlags passt.

Andererseits erwähnt Martin Schüller im Vorwort, es gebe wohl mehr als 1.111 Tipps und Tricks, einen guten Krimi zu schreiben. Recht hat er!

So vermisse ich Tipps

  • ob und wann ein Prolog den Beginn eines Krimis pimpen sollte
  • zu den falschen Fährten, mit denen Leser in die Irre geführt werden können
  • zur Verwendung von Tschechows Gewehr
  • sowie „last but not least“: zu Danksagungen am Ende des Buches, mit denen nachgewiesen werden kann, dass bei Recherchen kompetente Fachleute die Glaubhaftigkeit von Fakten absichern, oder mit denen sich der Autor bei Verlag und dessen Mitarbeiter*innen angeschleimen möchte.

Die 111 Tipps sind nach Schlagwörtern in alphabetischer Reihenfolge geordnet. Vor dem lexikalischen Teil werden sie in einem Inhaltsverzeichnis  aufgelistet. So muss nicht von „Angst“ bis „Zufall“ alles der Reihe nach gelesen werden sondern nach Belieben und Interesse. Jeder Tipp oder Trick wird auf einer Seite beschrieben, auf der jeweils gegenüberliegenden wird mit einem Foto und meist mit einem erklärenden Satz Bezug auf den Text genommen.

Eine unterhaltsame Lektüre, lehrreich oder amüsant, verprellend oder faszinierend für ….(s.o.)…..

— O —

Erschienen im Emons Verlag, 2018

 

 

 

 

 

 

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2 Antworten zu Martin Schüllers 111 Tipps und Tricks, wie man einen verdammt guten Krimi schreibt

  1. krimiautorenaz schreibt:

    Ich habe vor Jahren Schüllers Elvis Presley-Krimi ‚King‘ gelesen und in guter Erinnerung behalten.

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