Johann Graf Lambsdorff, Björn Frank – Geldgerinnung ( Ein Wirtschaftskrimi)

IMG_7886Was kommt dabei heraus, wenn ein Professor für Volkswirtschaftstheorie und ein Professor für Volkswirtschaftslehre den  „Wirtschaftskrimi“ GELDGERINNUNG schreiben?

Für den Krimifan eine leicht zu beantwortende Frage: Ein passabler Krimi, phasenweise in der Art eines Roadmovies.

Ein weiterer Professor für Volkswirtschaftslehre äußert sich auf dem hinteren Buchdeckel begeistert: „.. dieser neuartige Wirtschaftskrimi spannt einen großen Bogen durch die Dogmengeschichte und zeigt, wie aktuell, relevant und mörderisch unterhaltsam Volkswirtschaftslehre sein kann.“  Und noch ein Professor, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, und die häufig im Fernsehen präsente Professorin und Leiterin der Abteilung Energie,Verkehr, Umwelt am DIW Berlin, Claudia Kempfert, schwärmen auf dem Rückendeckel für diesen Wirtschaftskrimi. Respekt, noch nie habe ich eine solche geballte professorale Kompetenz von volkswirtschaftlicher Bildung erlebt, die einen einzigen Kriminalroman huldigt. Die Laudatio eines Experten für Kriminalliteratur vermisse ich dagegen.

Und so ist meine zweite Frage, die ich nicht beantworten kann, da ich kein VWLer bin: Ist GELDGERINNUNG eine Lektüre zur geistigen Selbstbefriedigung für Volkswirte?

Sorry, liebe Autorenprofs, liebe VWLer – studierte und studierende, die ausführlichen Ausflüge in euren Studien- Forschungs-Arbeitsbereich der verschiedenen Lager und Interessengruppen sind mir zu wissenschaftlich. Wobei ich mich durchaus für die Beschreibung der MONIAC und dem, wie und was mit der Maschine simuliert wird, begeistern kann.

Köstlich sind die Passagen über die Methoden zur Veröffentlichung von Forschungsergebnissen inklusive möglicher Intrigen und Ränkespielen, ausgelöst durch persönliche Animositäten, Konkurrenzdenken und dem Run auf Fördergelder.

Zudem – und da geht es wieder zum „Krimipart“ in diesem Buch – ist es vorstellbar, dass in einem System wie dem Bankensystem, in dem es um Riesensummen Geldes, in Krisenfällen bei der „Rettung“ der Banken um Milliardenbeträge aus öffentlichen Haushalten geht, eine wissenschaftliche Veröffentlichung mit Argumenten zur „Nicht-Rettung“  zu Mord führen kann.

Ob nun der Mord an dem Professor und die Versuche, seinen Doktoranden zu töten, damit in Zusammenhang stehen, wird im Umfeld der Wissenschaftler unter Mithilfe eines dümmlich dargestellten Kommissars geklärt.

Aber es ist ja nicht nur für diesen Kommissar unverständlich, was in den Hirnen der VWLer vor sich geht und ihr Handeln beeinflusst.

Vielleicht hilft es, auf Geldgerinnung: Der Autorenblog nachzulesen, was sich die Professoren Graf Lambsdorff und Frank dabei gedacht haben, das Buch zu schreiben. Schade, dass sie dies nicht auf eine für volkswirtschaftliche Laien verständliche Weise darstellen können.

— O —

Johann Graf Lambsdorff, Björn Frank: Geldgerinnung, UVK Verlagsgesellschaft mbH (2018)

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