Daniel Woodrell: Zum Leben verdammt

P1030700Verdammt viel Blut fließt hier. Nix cosy, sondern harter Tobak. Und am Schluss ein heißer, harter Ritt in eine friedliche Zukunft?

Zeit der Handlung: Der amerikanische Bürgerkrieg

Hauptakteur: Jake Roedel, Kind deutscher Eltern, der als junger Bursche als Freischärler mit seinen Genossen mordend, zündelnd, plündernd, wie er es sieht FÜR DIE GERECHTIGKEIT zur Unterstützung der Konförderierten gegen die Unionstruppen und deren Symphatisanten sowie Freischärler der Gegenseite durch die Lande ziehen.

Hier erzählt Jake seine Geschichte, in der er als Bushwhacker ein würdiger Vertreter der Guerillakrieger auf der Südstaaten-Seite ist. Das gelingt ihm am besten, indem er zeigt, dass er vor Morden an anderen Deutschen nicht zurückschreckt und auch sonst so manche Kugel aus seinem Revolver rauslässt, um die zu töten, die auf der anderen Seite kämpfen oder auch nur als Unterstützer dazu gehören könnten. Zu besonderen Feinden zählen die Jayhawkers, die Freischärler der Yankees. Auch die werden niedergemetzelt.

Jake Roedel hat in seiner Truppe und deren brutalen Handeln Heimat und Lebensinhalt gefunden. Nicht ganz 20 Jahre alt imponiert ihm das Leben als „Rächer der Südstaatler“. Dabei kommt er nicht ohne Blessuren davon. Ein kleiner Finger wird ihm abgeschossen, ein Bein arg lädiert. Sein Weg ist gezeichnet von Leichen der Feinde, aber der Schwund unter seinen Mitkämpfern ist ebenfalls nicht unerheblich.

Was Jake nicht tötet, macht ihn nur härter, er liebt die Freiheit, das Abenteuer, die Anerkennung durch seine Freunde, bildet sich ein, für Gerechtigkeit und gegen Ungerechtigkeit zu kämpfen. Dabei ist es oftmals ein Leben in Angst vor einem überlegenen Feind, vor Kälte, Schlamm und Hunger im Winter.

So kommt die Erkenntnis: „Jetzt läuft es nur noch auf simplen Mord hinaus an dem, der einem gerade im Wege steht.“ Höhepunkt erreicht dieses Handeln, als ein großer Trupp der Bushwhackers gegen eine friedliche Stadt zieht , sie und die männlichen Bewohner vernichtet, auch kleine Jungs, denn „aus Welpen werden Hunde“. Das stimmt den hartgesottenen Jake nachdenklich. Und da auch etwas ins Spiel kommt, was er bisher noch nicht kannte – eine Frau und das Gefühl, Verantwortung für sie übernehmen zu müssen -, zudem die Unterlegenheit seiner Freischärlertruppe immer sichtbarer wird, erkennt Jake die Sinnlosigkeit seines mörderischen Handelns. Zunächst kann er sich nicht von seinem scheinbar freien Leben und dem sogenannten Kampf für die Gerechtigkeit trennen, doch die Kameraden werden immer weniger, entweder werden sie ausgelöscht von der Gegenseite oder laufen über.

So bleibt Jake nur der harte, heiße Ritt zusammen mit seiner Frau und deren Neugeborenem in Richtung einer besseren Welt. Jake sei sie – Frau und bessere Welt – gegönnt.

Daniel Woodrell erzählt diese brutale Fiktion aus dem Sezessionskrieg mit nachhaltig wirkenden Worten und übermittelt dabei den Irrsinn, der damals geherrscht hat, ob es nun auf Seiten der Konföderierten oder der Union war – inklusive der „General Order No.11“, die im Roman erwähnt wird. Beim Lesen der Gemetzel ist es nicht immer einfach, das Geschriebene zu verarbeiten.  Denken und Handeln der gesetzlosen Truppe von Freischärlern lässt zuweilen Mordgedanken aufkeimen, bringt mich als Leser in Rage. Gut, dass Woodrell durch seine nüchterne Darstellung die Stimmung in mir nicht noch mehr aufgeheizt. Mit dem Ritt in die Zukunft verabschiedet sich der gebeutelte Jake Roedel dann von mir, wobei es kein romantisch-kitschiger westernartiger Ritt in die untergehende Sonne ist, sondern einer in eine ungewisse Zukunft – und das ist gut so.

— O —

Daniel Woodrell: Zum Leben verdammt (Originaltitel: „Woe to live on“, erstmals erschienen 1987, USA)

In neuer deutscher Übersetzung von Peter Torberg 2018 in der Verlagsbuchhandlung Liebeskind veröffentlicht

— O —

Ebenfalls gelesen und besprochen:

Daniel Woodrell: In Almas Augen

Daniel Woodrell: Tomatenrot

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4 Antworten zu Daniel Woodrell: Zum Leben verdammt

  1. Stefan Heidsiek schreibt:

    Das Leseexemplar ist diese Woche auch bei mir gelandet. Man(n) hat einfach zu wenig Zeit zum schmökern, verflucht.

  2. Ui, bin ich gespannt auf das Buch. Es liegt schon hier und ich hoffe inständig, ich komme bald dazu es zu lesen. Klingt ja erschreckend gut!

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