Auerbach & Auerbach: Tödlicher Bienenstich

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Pippa Bolle ist als Übersetzerin und Haushüterin schon weit in der Welt herumgekommen und wo sie auftaucht, gibt es auch eine Leiche – mindestens eine. Nun ist aber Pippa keine Mörderin, sondern eine Person, die das Vertrauen von Zeugen und Verdächtigen gewinnt und vieles erfährt, was Kommissaren und sonstigen Polizeibeamten verschwiegen wird. Mit hellem Kopf verknüpft sie, was sie hört, sieht und riecht, hilft somit Mörder und andere Kriminelle zu überführen. So lief es ab in der Altmark, Berlin, Österreich, Südfrankreich, in der Nähe von Stratford-upon-Avon und auf der schottischen Halbinsel Kintyre.

In dem siebten Fall für Pippa Bolle reist sie ganz in meine Nähe, in den Rheingau. Ein Imker hat sie gebeten, seiner Zukünftigen Gesellschaft zu leisten, da er vermutet, dass sie in der einsamen Mühle im Wispertaunus während seiner Abwesenheit in Gefahr ist.

Die Gegend mit den idyllischen Forellengewässern liegt in herrlicher Natur, mittendrin das kleine Dorf Lieblich, das den Zenit als Luftkurort längst überschritten hat. Die gut 300 Einwohner des Örtchens streiten nun, ob sie sich mit der Natur weiterhin arrangieren und bescheiden leben oder lieber zu neuem Wohlstand kommen wollen, den ihnen eine dubiose Biotech-Firma verspricht. Nachdem im letzten verbliebenen Gasthaus am Ort die Unterhändlerin der Firma ihre „Wohltaten“ für Ort und Bevölkerung vorgestellt hat, bei der ein großer Teil der Natur um Lieblich herum vernichtet werden würde, passiert es: Der Ortsvorsteher erfriert in jener kalten Winternacht im Schneesturm auf einer Bank auf dem Dorfplatz.

Die Frage nach „Unglück oder hat da einer nachgeholfen?“ kann nicht geklärt werden und die Spekulationen um die Todesursache werden immer noch diskutiert, als Pippa Monate später ihren Job in der Nähe des Dorfes in einer ehemaligen Wassermühle antritt, den sie vom Initiator des Pro-Natur-Forums erhalten hat, der Gruppe, die dafür kämpft, Lieblich und Umgebung so zu erhalten, wie es ist. Es ist die Zeit, in der die Einwohner abstimmen sollen, ob es so beschaulich weitergehen soll mit ihrer Heimat oder ob die Biotech-Firma Wälder rodet, um modifizierte Rieslingsarten zu erforschen, die in höheren Lagen für den bevorstehenden Klimawandel Weine ergeben, wie wir sie vom Rheingau kennen und schätzen. Zusätzlich würden Laboratorien entstehen, Arbeitsplätze geschaffen, Posten vergeben. Eine verlockende Perspektive für die Vertreter der „Neustart-für-Lieblich-Liga“ und ihrer Sympathisanten.

20180619_153208Vieles, das die bevorstehende Entscheidung betrifft, wird am Stammtisch des Gasthofes ausgeklüngelt, aber dort gibt es auch noch andere Interessen, denn während der Zeit, da Lieblich zum Freistaat Flaschenhals gehörte – den gab es hier wirklich von 1919-1923 als Folge des I. Weltkriegs – gelangten Lieblichs Bewohner durch eine Schmugglerbande unter Tacitus Schnapphahn zu Wohlstand. Und irgendwo soll der Schatz der letzten Schnapphahnschen Aktion versteckt sein, nach dem die Stammtischbrüder und nicht nur die auch heute immer noch suchen.

In diesem Szenario, mit Intrigen und gefährlichen Unternehmungen, in der aber auch heimliche Liebe und Schäferstündchen vorkommen, erfährt Pippa von einigen Geheimnisse der Einheimischen und erfährt Ungeheuerlichkeiten und Amüsantes, das zur Aufklärung von unnatürlichem Tod und kriminellen Machenschaften führt.

Daumen hoch für Pippa!

Tödlicher Bienenstich ist eine Geschichte, die aus zwei Elementen besteht: Heiler Natur sowie der Zerrissenheit der Bewohner Lieblichs zwischen Bewahren und der Gier nach größerem Wohlstand.

Fenna Williams, die diesen 7. Fall für Pippa Bolle als Auerbach & Auerbach erstmals ohne ihre Co-Autorin Keller geschrieben hat, kennt sich aus im Wispertal und dem Wispertaunus, der Gegend, in der sie die Plapper fließen lässt und Lieblich platziert hat. Die Eigenheiten der Landschaft, abseits liegende ehemalige Mühlen, das Bienenhaus, die alten Schieferstollen, die kleinen Ortschaften, die Leute, etliche von ihnen immer noch tief verbunden mit der Natur, werden in liebevoller Weise geschildert. Vorstellbar, dass es unterschiedliche Ansichten über Bewahren oder Neuorientierung in der Bevölkerung gibt. Nicht vorstellbar ist für mich jedoch, dass im wahren Leben darüber mit so harten Bandagen gekämpft wird wie im fiktiven Lieblich.

Und ist nicht überall ein wenig Lieblich? Auerbach & Auerbach hat/haben mit diesem siebten Fall für Pippa Bolle einen amüsanten und interessanten „Fall“ geschildert – und stellenweise ist er auch richtig spannend dargestellt.

Ein Sahnehäubchen zum Schluss: Im Epilog erfahren wir, was es mit dem „verlorenen Schatz“ auf sich hat. Und das ist nicht nur eine Überraschung, sondern in der Art auch recht makaber, aber so können sie sein, die Lieblichen.

Und was ich auch sehr schätze ist das Cover von Michael Sowa, Illustrator vieler Bücher u.a. von Axel Hacke. Ein Cover, das zum Buch passt, zum Schmunzeln.

— O —

Wenn ich auf meiner nächsten Wanderung in der Nähe von Lieblich, dem Bienenhaus und der Plappermühle vorbeikomme, werde ich nachschauen, ob alles so bleibt wie es war, als Pippa dort zum Wohle der Lieblichen dort ihre Aufgabe erfüllt hat.

— O —

Hier noch ein paar Impressionen aus der Nähe vom Lieblich, damit ihr Euch das vorstellen könnt:

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