Ray Celestin: Höllenjazz in New Orleans

IMG_7615Früher war auch nicht alles besser! Jedenfalls nicht im New Orleans des Jahres 1919. The Axeman mordete wie bereits im Vorjahr, indem er nachts seine Opfer – zumeist italienische Lebensmittelhändler – im Schlaf überraschte und mit einer Axt erschlug. Die Mordserie hörte im selben Jahr auf. The Axeman wurde nie geschnappt.

Ray Celestins Roman „Höllenjazz in New Orleans“ basiert auf jener Mordserie und bezieht sich dabei auf das, was damals in „Big Easy“ passierte. In dieser Zeit war die französisch geprägte kreolische Kultur durch den zunehmenden Einfluss der weißen Südstaaten-Amerikaner verbunden mit Rassentrennung und -hass auf dem Rückzug. Italienische Einwanderer schleppten zudem mafiöse Strukturen mit in die Gegend. Aber auch das „neue“ New Orleans, so zeichnet es Celestin, lebt mit der Musik, dem Jazz und den Street Bands.

Wer das Buch aufschlägt, wird zunächst über ein Personenverzeichnis stolpern, das vom Umfang her fast abschreckend wirkt. Weit über 100 Namen sind darin aufgeführt, aber keine Angst: es bleibt beim Lesen übersichtlich. Und wer der Axeman ist, geht aus dem Verzeichnis nicht hervor. Bei der Lektüre stellt sich schnell heraus, dass die Morde auf brutale Art durchgeführt werden, mit einer Axt wird auf den Kopf der Opfer eingeschlagen, in den zerschundenen Schädeln lässt der Täter jeweils eine Tarotkarte zurück, die Tür des Tatorts ist stets von innen verriegelt.

Die Polizei steht hilflos da. Der Mafiaboss ist beunruhigt, weil die Polizei in der italienische Gemeinde herumschnüffelt, Zusammenhänge zwischen Mörder und Opfern sucht, Schutzgelderpressung vermutet. In dieser Situation erhält der Zeitungsreporter John Riley einen Brief vom Axeman, der darin weitere Morde zu einem bestimmten Zeitpunkt ankündigt. Nur die, bei denen zu der Zeit Jazz gespielt wird , will er verschonen. Der Brief wird in der Zeitung abgedruckt und die Panik wächst.

Detective Michael Talbot sucht den Axeman. Sein ehemaliger Chef Luca D’Andrea, der gerade aus Angola, dem berüchtigten Knast in der Nähe von New Orleans entlassen wurde, ebenso. Luca hatte die Interessen der Mafia bei der Polizei vertreten, war durch Michael aufgeflogen. Jetzt sucht er im Auftrag des Mafiabosses ebenfalls den Serienmörder, denn Boss Carlo möchte wieder in Ruhe seinen Geschäften nachgehen. Und dann ist da noch Ida, kleine Angestellte der örtlichen Pinkerton-Detektei, die überzeugt ist, dass sie es ist, die den Axeman finden kann. Ida hat Hilfe vom jungen Louis Armstrong, der am Beginn seiner Musikerkarriere steht, aber noch Zeit hat, Idas Schnüffeleien zu begleiten. Aus diesen drei Perspektiven erleben wir die Suche nach einem, der als Geist betrachtet wird, der offenbar durch Wände gehen kann, denn die Häuser oder Wohnungen der Ermordeten sind stets von innen verschlossen.

Wer ist dieser Axeman? Die Kreolen vermuten, dass es ein Italiener, also ein Weißer, ist – wenn er denn wirklich ein Mensch ist. Für für die Weißen kann es nur ein Kreole oder Neger sein, der zur Tarnung und Ablenkung den Mafiabrauch mit den Tarotkarten nutzt.

Die drei Jäger führen uns durch die verschiedenen Gegenden New Orleans, in die übelsten, ins Rotlichtviertel, in die Sümpfe vor der Stadt. Dabei erfahren wir über das bisherige Leben von Louis Armstrong – das überwiegend historisch korrekt geschildert wird. Auch andere Ereignisse jener Zeit werden – offensichtlich nach guter Recherche – in die Krimihandlung eingebunden. Big Easy wird dabei nicht nur in bunten Farben geschildert, auch von den dunklen Seiten erzählt Ray Celestin. So folgen wir Jägern, die mit unterschiedlichen Interessen hinter Axeman her sind, die sich auf verschiedenen Wegen dem Zielobjekt nähern. Ob sie das Ziel erreichen, oder wer es zuerst erreicht, wird hier nicht verraten. Nur soviel, auch bei Ray Celestin hört die Mordserie in New Orleans im Jahre 1919 auf – aus gutem Grund.

THE TIMES schrieb über diesen Roman: Celestin ist es gelungen, geschichtliche Faktenmit einer cleveren Story um drei besondere Ermittler und ihrer Jagd nach dem Mörder zuverweben.

So ist es!

— O —

Ray Celestin: Höllenjazz in New Orleans, erschienen 2018 im Piper Verlag, Übersetzung von Elvira Willems. Originaltitel The Axeman’s Jazz (2014)

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