PARIS NOIR – 12 Noir-Storys von französischen Autor*innen, herausgegeben von Aurélien Massons

cb_noir-reihe_paris_2017-04-25rgb_240Mit Krimianthologien ist es häufig wie mit LPs oder Musik-CDs: Es gibt ein paar gute Titel, viel Mittelmaß und zwischendurch oder zum Schluss auch Schrott.

Nicht so in Paris Noir. Hier reihen sich bis zum Schluss feine Stücke aneinander.  Schon das Vorwort von Herausgebers Aurélien Massons stimmt uns ein auf Paris, aber nicht so wie wir es als Touristen gern wahrnehmen, die Stadt mit verklärtem Blick sehen, die Banlieues ausblenden und die Terrorakte der letzten Jahre vergessen.

In Paris Noir werden in zwölf Kurzstorys zwölf Stadtteile und deren Bewohner vorgestellt, abseits der ChampsÉlysées, abseits von Eiffelturm und anderen Touristenattraktionen, weit weg von aufgehübschten Ecken der Metropole mit dem Flair ihrer feinen Gesellschaft, Kunst- und Modetempeln, Restaurants mit exquisitem Essen und Trinken sowie den „landestypischen“ Bistros…..und so vielem mehr, was uns ins Schwärmen bringt.

In Paris Noir wird die dunkle Seite der Stadt porträtiert. Zwar wird in einigen Storys die Liebe beschrieben, jedoch nicht die romantische bei Candlelightdinner. Es ist eine „verzehrende“ Liebe in „Der Chinese“ von Chantal Pelletier, in der es für den chinesischen Touristen, der sie erlebt, nur einen Ausweg ging: den Tod. Und wenn eine Prostituierte unter massiver Gewalt ihres Zuhälters leidet, der zufällig Polizist ist, kann sie nur durch die Liebe ihres Chauffeurs gerettet werden („Der Chauffeur“ von Marc Villard).

Tragödien spielen sich in diesem Paris ab, „tragische Tragödien“ können sie genannt werden, die selbst den hartgesottenen Krimi-Thriller-Noir- Leser berühren. Nach dem Titel in Erinnerung an Édith Piaf „La Vie en rose“, hier als Geschichte mit traurigem Ausgang von Dominique Mainard. Ein Leben, alles andere als rosa, endet darin in Düsternis, ein anderes zerbricht daran.

So zieht es sich durch, durch Paris Noir, mit Personen, die gebeutelt werden von der Gentrifizierung ihres Kiezes, oder von der Unbedarftheit junger Krimineller auf ihrem Raubzug mit einem ungewöhnlichen Ende.

Und zum Schluss? Eine völlig abgedrehte Story, von der ich beim ersten Lesen empfinde, dass ich ihr intellektuell nicht gewachsen bin. Sozusagen ein „Hurz“ der Kriminalstory, in der ich mich fremd fühle mit dem Titel „No Comprendo L’Étranger“ von Hervé Prudon – Camus lässt grüßen.

Paris Noir, darin die dunklen Ecken und Seiten der Stadt abstoßend, verwerflich, brutal und trist – wie Noir-Freunde sie lieben.

— O —

Erschienen 2017 im CulturBooks Verlag als Tachenbuch und eBook

Herausgeber: Aurélien Massons

Autorinnen und Autoren: siehe Cover

Übersetzt von

Zoë Beck, Karen Gerwig, Jan Karsten & Martin Spieß

— O —

Das schreibt Hauke Harder auf leseschatz: Mit dem Buch reist man durch Paris, durch die Grauzonen der Gesellschaft und in die tiefdunklen Schauplätze.

— O —

Der CulturBooks Verlag nennt Paris Noir Auftakt zu weiteren internationalen Noir-Anthologien. Als nächster Band wurde Berlin Noir (Herausgeber: Thomas Wörtche) angekündigt. Erscheinen soll das Buch im Frühjahr 2018.

 

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