Ella Theiss: Duo mit Beretta

20170912_132700In diesem Krimi kommt einiges an kriminellen Handlungen zusammen: Organisierter Menschenhandel mit Kindern, Zwangsprostitution, Betrug und Geschäftemacherei, ausgetragen auf dem Rücken von Heimkindern, und „Heimerziehung“ unter menschenunwürdigen, scheußlichen Zuständen.

Da ist es gut, dass Isabell, eine graue Maus und Gutmensch, wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung ein Alter Ego namens Billie hat. Und Billie, ausgerüstet mit dem 68er-Revoluzzer-Gen ihres Vaters, ist die, die den Kampf gegen eine Zuhältermafia, gegen den smarten Betrüger und alle, die sich auf skandalöse Weise an den misshandelten, als Ware betrachteten Jugendlichen bereichern, in Stil und Sprache einer Revoluzzerin aufnimmt.

Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive von Isabell und Billie. Die beiden unterscheiden sich nicht nur in ihrer Art und ihrem Auftreten, sondern auch durch ihre Kleidung. So ist es der Umgebung dieses „Duos“ möglich, sie zu unterscheiden, wobei beim Lesen des Buches große Aufmerksamkeit nötig ist. Nicht immer ist es einfach, den richtigen Erzählstrang im Kopf zu haben.

Dieser Krimi lebt insbesondere durch das an Mr. Jekyll und Mr. Hyde erinnernde Szenario. Billie, die „aus der Haut“ von Isabell fährt, verkörpert die Stimme in uns, die wir wegen Konventionen, Risikoscheu bis hin zur Angst zuweilen in uns spüren, sie aber nie laut werden lassen.

Ella Theiss hat sich ausführlich mit Missständen in Heimen und ihren Folgen, die bis hin zur Zwangsprostitution führen und bei denen Betrug nur eines der harmloseren Verbrechen ist, intensiv beschäftigt. Mit dieser Fiktion ist sie damit nahe der Realität – und die kann in dem geschilderten Milieu grausam sein.

So ist Duo mit Beretta in zweifacher Hinsicht lesenswert: als amüsante Story des „Duos“ sowie als spannende Geschichte mit einem ernsten Hintergrund.

Zwar als Regionalkrimi (Darmstadt Krimi) untertitelt, jedoch mit den oben genannten Bezügen, die den Ort der Handlung zwar in einigen Szenen beschreiben, dennoch nicht maßgeblich für den Verlauf der Handlung sind.

— O —

Erschienen 2016 im Prolibris Verlag

 

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