Marina Heib: Drei Meter unter Null

IMG_6153Während ihres Sabbaticals hat sie mehrere Männer ermordet. Davon erzählt die erfolgreiche IT- und BWLerin. Die Planung und Durchführung der Taten, die sie tun musste, sind  kapitelweise verpackt in die Erzählung ihres Lebenslaufs. Die Erinnerungen gehen zurück bis in die Kindergartenzeit, als sie andere Kinder verprügelte, später dann in der Grundschule von ihrer Lehrerin belächelt, von den Mitschülern verhöhnt wurde, als sie statt Ärztin oder Pilot Pippi Langstrumpf oder Winnetou werden wollte. Als Kind hat sie sich aus der Sicht ihrer Umgebung nicht normal verhalten, fühlte sich von Dämonen verfolgt. Doch irgendwann brachte ihre Mutter sie auf den „richtigen Weg“. Erfolg in Studium und Beruf – bis zu jenem Abend Anfang November, von dem an sie nicht mehr normal sein will: Heib

Gegen Ende des Sabbaticals hat sie es fast geschafft: gesucht, gefunden und getötet.

Dann allerdings geschieht das Unfassbare. Ein unglaubliches Stück Wahrheit, das alle bis dahin erlebte Verlogenheit übertrifft. Eine Wende, wie sie für die Mörderin – und auch für die Leser – nicht denkbar, nicht erkennbar war.

Nachdem zunächst der Lebenslauf eindimensional aus Sicht der Protagonistin erzählt wird und anfänglich über das Motiv zum Töten nur spekuliert werden kann, klärt sich das Schicksal der jungen Frau an dem bereits zitierten Abend Anfang November und den folgenden Tagen auf. Töten aus Rache und Vergeltung ist die plausible Reaktion auf diese Erkenntnisse.

Damit wäre dieser Thriller eine passable, teilweise verstörende Fiktion, wenn nicht gegen Ende das Unfassbare passiert, das dem Thriller den letzten Thrill gibt und ihn schließlich noch einmalig werden läßt. Bis dahin müssen sich die Leser*innen jedoch in Geduld fassen und manche, so hört man unter Thrillerfans, bringen sie nicht auf. Sie verpassen damit eine geniale Auflösung des Lebenslaufs.

— O —

Marina Heib: Drei Meter unter Null, erschienen 2017  bei Heyne unter dem Label Heyne Encore

 

 

 

 

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