Paul Mendelson: Die Straße ins Dunkel

img_6151Was in Südafrika 1994 mit der Wahl Nelson Mandelas für die „Schwarzen“ und „Farbigen“der Weg ins Licht zu sein schien, war für weiße Bevölkerungsgruppe die Straße ins Dunkel – aber nicht nur für sie. Hass trat offen zutage – auf beiden Seiten und für lange Zeit.

In DIE STRASSE INS DUNKEL dauert er bis in die Gegenwart an. Heute werden weiße Polizisten getötet, die zwanzig Jahre zuvor eine schwarze Familie brutal ermordet haben. Colonel Vaughn de Vries hat damals das Massaker beobachtet, seinen Bericht darüber auf erpresserischen Druck seines Vorgesetzten arg geschönt, besser gesagt: gefälscht, um dem Einsatzleiter die Haut zu retten; gefälscht auf dessen Befehl, um sich, Frau und Kinder vor Repressalien zu schützen.

Es gab immer Interesse „von oben“, die Vorfälle politisch passend zu machen, damals. Und auch heute, als de Vries mit der Klärung des Mords an einer Millionärin beschäftigt ist. Auch hier bekommt er wieder Vorgaben. „Von oben“ kommt der Wunsch, den Fall schnell abzuschließen. Der mutmaßliche Mörder wird dazu quasi geliefert: bei der Leiche eines jungen Obdachlosen wird die Mordwaffe gefunden. Ein Motiv, warum die Frau sterben musste, gibt es zunächst nicht. Auf der einen Seite wurde Spuren beseitigt, auf der anderen Spuren gelegt.

Wir wissen, es ist nicht das, was es zu sein scheint. Wir wissen nur verdammt noch mal einfach nicht, was es wirklich ist.“ Dies ist die trostlose Zwischenbilanz des Colonels, als man versucht, ihn sowohl auf falsche Fährten zu locken und, falls deVries nicht darauf hereinfallen sollte, seine Anstrengungen beim Lösen des Falls per Anweisung oder auch durch Gewalt zu unterbinden.

Aber de Vries lässt sich mit keinem Mittel von seinem Weg abbringen. Gewinnt, indem er den Fall löst, und verliert dennoch, denn die Verhältnisse sind noch immer geprägt von Machtgier und Korruption, auch wenn der Weg, für den alle in den letzten 25 Jahren im Lande gekämpft haben, ein neuer ist. De Vries‘ Fazit: „Man hat nichts weiter getan, als die Farbe der Unterdrücker zu ändern.“

Mendelson beschreibt den Weg in das heutige Südafrika. Dabei wird bewusst, dass es nicht der Weg aus der Apartheid in ein neues sauberes schwarzes Südafrika ist, sondern in Verhältnisse ohne klare Konturen. Es ist ein Kampf verschiedener Zweckgemeinschaften, die nicht klar gegeneinander abzugrenzen sind, sich überlappen, die Eigennutz vor Gemeinwohl stellen. Es ist eine verlogene Gesellschaft bestehend aus der neuen politischen Elite, deren nachgeordneten Apparaten und einigen Profiteuren aus der alten – weißen – Garde in der Mendelson seinen rechtschaffenen Colonel auf der Straße ins Dunkel agieren lässt.

Dieses bedrückende Szenario schildert Paul Mendelson eindrucksvoll und desillusionierend. Eine gelungene Darstellung innerhalb eines spannenden Thrillers!

–O–

Originaltitel: The Serpentine Road (UK, 2015), dt.2017 (Übersetzung: Jürgen Bürger), erschienen bei Rowohlt Polaris

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Eine Antwort zu Paul Mendelson: Die Straße ins Dunkel

  1. karu02 schreibt:

    Danke für den Hinweis, diesen Autor kenne ich noch nicht, er scheint das Land realistisch zu sehen.

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