Peter Jackob: Verschossen

20161219_173828Keiner kann in Mainz besser Morde aufklären als Schack Bekker, keiner schlechter Bundesliga-Ergebnisse tippen als der Hauptkommissar. Jedenfalls keiner in der Tipprunde der Altstadtkneipe „Kleine Stadthalle“, dessen Mitglied Bekker ist. Aber das stört diesen Mainzer schrägen Holzkopp Bekker nicht, hat er doch Worscht und Wein und neben den Kumpeln seit einiger Zeit auch eine neue Flamme, seine Kollegin Erna. Als jedoch einer seiner Tippfreunde vermisst und später als toter Mann in einem Hof der Altstadt gefunden wird, ist es vorbei mit Schacks unaufgeregtem Leben, vorbei mit lustig. Es gilt, einen Mörder zu finden und das Motiv. Die Suche führt Bekker in die Welt des Fußballs. Die ist ihm als Fan von Mainz 05 vertraut, nicht aber das Verbrechen, um das es hier geht. Wettmanipulation, nicht im kleinen Stil sondern das Agieren internationaler Wettmafia ist das Thema, mit dem sich Bekker beschäftigen muss. Irgendetwas hat der Tote damit zu tun gehabt.

In Verschossen schildert Peter Jackob wie das System neben und auf dem Fußballplatz funktioniert und wie die Fäden im Hintergrund gezogen werden. In den letzten Jahren sind einige kleine und große Manipulationen öffentlich geworden. Kleine Übeltäter wurden bestraft, an die wirklich großen sind die Justizbehörden nicht herangekommen oder die Gerichte gescheitert, die Nachweise für kriminellen Handelns zu erbringen. Peter Jackob hat sich mit dem Thema Wettbetrug eingehend beschäftigt und hier einen Fall überzeugend konstruiert, bei dem die Kriminellen bis in den Juniorenbereich eingedrungen sind, um Spieler und Spiele zu manipulieren und Millionen-Gewinne damit zu machen.

Damit führt der Autor seinen Helden Schack Bekker heraus aus dem Mief der Mainzer Altstadt auf die große internationale Bühne des Verbrechens. Er greift ein Thema auf, das uns in der realen Welt neben dem Doping, der Bestechlichkeit und Bestechung der Funktionäre bei der Vergabe internationaler Sportveranstaltungen und der Abhängigkeit der Fußballprofis von ihren Spielervermittlern und Vereinsbossen auch die Manipulation von Ergebnissen und den damit verbundenen Betrug gebracht hat.

Doch, liebe Freunde von Schack, habt keine Angst. Der Mainzer Holzkopp wird auch dieses Abenteuer überleben, weiter mit beiden Beinen sich auf dem Pflaster der Mainzer Altstadt bewegen, mit Erna ab und zu in die Kiste hüpfen. Im Weinhaus Schreiner sauer Gespritzten trinken, bei Helga Stammgast sein und auf der Terrasse des Cafe Dinges bei einer Zigarette einen Espresso genießen. Und auch wenn er dabei gelegentlich über die Wiesbadener – und somit auch über mich (!) herzieht – ich habe Schack Bekker lieb.

Irgendwann werde ich Peter Jackob vorm Dinges oder im Schreiner sitzen sehen, dann werde ich ihm sagen, was ich von seinem neuesten „Schack Bekker“ halte: Verschossen ist eine gelungene Kombination von angenehmer, unaufgeregter provinzieller Spießigkeit und einer interessanten, spannenden Story aus dem kriminellen Milieu am Rande des Fußballs. Mir hat das Buch viel Vergnügen bereitet.

Als großes Lob darauf ein kräftiges, Humba, das verstehen die Mainzer und der Rest der Welt – vermutlich sogar die Wiesbadener.

–0–

Verschossen ist 2016 im Societäts-Verlag erschienen. Dies ist der vierte Kriminalroman in der Schack-Bekker-Reihe.

 

 

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Eine Antwort zu Peter Jackob: Verschossen

  1. Mageia schreibt:

    „angenehmer, unaufgeregter provinzieller Spießigkeit“.
    Eine gelunge Kombination! So spießig habe ich die Provinz noch nicht beschrieben gesehen;)

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