Erika Krouse: Fight Girl

img_1384Seine Haut leuchtete rot. Jeder einzelne sichtbare Muskel war angeschwollen, und seine Kleidung passte nicht mehr. Er stand in der Blüte künstlicher Gesundheit. Steroide hatten seinen Bauch anschwellen lassen…. Er war inzwischen doppelt so breit wie sie. Er könnte sie wegfegen wie Brotkrümel vom Tisch.“

Das ist der Beginn ihres letzten Kampfes, der Beginn des großen Showdowns gegen Ende des Romans. Nina, deren „Beruf“ es war, mit Mitteln ihrer Mixed Martial Arts Männer auf’s Kreuz zu legen und ihnen die Brieftaschen zu rauben, hatte einen Fehler gemacht. Wie üblich hatte sie in einer Bar einen Mann provoziert, um ihn niederzuschlagen und mit dessen Habseligkeiten den Lebensunterhalt zu finanzieren. Einmal war sie allerdings an einen Cop geraten, der dabei Dienstausweis und -marke an die kämpferische Dame verlor. Verständlich, dass er versucht, wieder zu seinen Machtinsignien zu kommen.

Aber das ist nicht Ninas einziges Problem. Zur gleichen Zeit knallen zwei Personen in ihr Leben und verändern es: Der Ex-Freund Isaac, mit ihrer verwaisten kleinen achtjährigen Nichte Kate, deren Vormundschaft Nina übernehmen soll.

Eine schwierige Konstellation: Isaac traut Nina nicht zu, die Pflichten aus der Vormundschaft zu erfüllen, möchte Kate von Nina fernhalten. Nina fühlt sich mit der Nichte überfordert. Kate möchte bei ihrer Tante bleiben. Es sind dramatische Verwicklungen in diesem Mikrokosmos, die dadurch getoppt werden, dass der megabrutale Cop namens Cage seine Dienstmarke immer massiver zurückfordert, so, dass Nina zunächst schwer verletzt in einer Mülltonne landet. Ihre Kampfkunst reichte nicht aus, Cage ein zweites Mal zu besiegen.

Aufgenommen wird Nina in diesem Zustand von ihrem ehemaligen Lehrer, bei dem sie so viel und doch nicht genug zum letzten Sieg und Überleben gelernt hat. Von da gibt es nur ein Ziel, auf das hingearbeitet wird und schließlich zum Showdown führt.

Fight Girl ist mit vielen Anekdoten japanischer Kämpfer aus vergangener Zeit gespickt. Zu Beginn eines jeden der 17 Kapitel wird so eine kleine Geschichte davon erzählt. Darüber hinaus philosophiert Nina über das Leben allgemein und Themen der Physik – Hebelkräfte und Wellentheorie, actio und reactio.

Aus dem weiblichen, räuberischen Ninja wird eine junge Frau, die versucht, ihr Leben zu ändern und es in ein bürgerliches Leben einzutauschen, um die Vormundschaft für die Nichte übernehmen zu können. Es ist ein Weg mit schmerzhaften Wunden, Narben, die wieder aufreißen. Mit körperlicher Härte bis zum Äußersten ausgestattet und zuweilen hart an der Grenze zur Rührseligkeit bewegt sich der Roman – ohne dabei zur billigen Schnulze zu verkommen – zwischen Thriller und Familiendrama. Ein gewagter, gelungener Spagat.

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Originaltitel: Contenders (USA 2015), dt.2016 (Übersetzung: Teja Schwaner), erschienen bei Blumenbar (Aufbau Verlag)

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