Neu anfangen: Newton Thornburg – Schwarze Herde

img_1317Neu anfangen, das ist der Traum der Aussteiger und es war auch der Traum des Werbefachmanns Bob Blanchard. Von St. Louis zog es ihn und seine Familie in die Ozarks. Dort kaufte er eine Farm, züchtete Rinder. Aber wie es manchmal ist, Aussteigerträume können platzen.

Und so ist es bei Bob. Die Fleischpreise fallen, der Schuldenberg steigt und dann kommt noch eine Rinderseuche, Brucellose genannt, dazu, die eingeschleppt wurde vom teuer gekauften Stier seiner Black Angus-Herde, deren Mitglieder über vorzügliches Fleisch verfügen, das Blanchard zu guten Preisen verkaufen wollte.

Wir steigen in das Leben des Aussteigers ein, als der Veterinär bei einigen Tieren der „Schwarzen Herde“ Blutproben wegen des Verdachts auf Brucellose nimmt. Und während Bob noch auf das Ergebnis der Tests wartet, trennt sich seine Ehefrau von dem erfolglosen Farmer, geht mit dem Sohn zurück in die Zivilisation nach St. Louis zu ihrem Vater. Der hatte Bob Geld zur Sanierung der finanziellen Verhältnisse angeboten, Bob hatte abgelehnt. So vegetiert er dahin, mit dem debilen Bruder und Shea, einem Freund aus besseren Zeiten, der sich auf der Farm versteckt, um sich vor Arbeit und Unterhaltszahlungen zu drücken. Einziger Lichtblick in Bobs Leben ist Ronda, die Kellnerin seiner Stammkneipe, mit der er eine Affäre hat.

Während die Bank darauf besteht, dass die Schulden der Farm reduziert werden, kommt die Bestätigung des Veterinärs. Die Black Angus-Herde ist tatsächlich von der Seuche befallen. Bank und Brucellose treiben Bob zu dem von Shea vermittelten wahnsinnigen Unternehmen, die anderen Rinder verschwinden zu lassen, getarnt als Diebstahl, um die Versicherungsprämie zu kassieren, zudem noch ein paar tausend Dollar durch den Verkauf zu verdienen.

Neu anfangen will Blachard dann mit Ronda. Verspricht ihr ein neues Leben ohne Sorgen, ohne die Hinterwäldler der Ozarks.

Wir erleben, was Bob passiert, der kein Glück mit dem Aussteigen hatte und dem dann noch Pech am Hacken klebt. Es läuft schief, was schief laufen kann. Familie verloren, alles verloren und zum Schluss:

„Er fühlte sich weder gut noch schlecht, sondern nur, das er am Leben war. Das war alles.“

Die Ozarks haben es in sich. Schicksale der Bewohner, von Daniel Woodrell oder Joe R. Lansdale beschreiben, kennen wir. Schwarze Herde beschreibt, dass auch zugereiste Aussteiger wie Bob Blanchard sich den Gegebenheiten der Gegend unterwerfen müssen. Newton Thornburg hat damit einen ergreifenden Roman geschrieben, dem jegliche Rührseligkeit fehlt und doch die Hoffnungslosigkeit beschreibt, mit der der Held seiner Zukunft entgegensieht und keinen Weg aus dem bevorstehenden Desaster findet.

Wie banal wirken dagegen die Aussteiger-Soaps heutiger Tage, auch wenn das Ende jener Helden sich oftmals nicht wesentlich von dem Blachards unterscheidet. Thornburg hat das Schicksal besser, intensiver und bewegender, beschrieben – und das bereits vor fast 40 Jahren.

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Newton Thornburg: Schwarze Herde (Originaltitel: Black Angus, USA 1978), erschienen in der Übersetzung von Susanna Mende im Polar Verlag, 2016

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